[Kommentare: 5]

Berliner Unis

"Wir werden an der Nase herumgeführt"

Mit starken Worten haben die Präsidenten und Rektoren der Berliner Hochschulen am Donnerstag an den Senat und das Parlament appelliert, eine neue Kürzungs-Klausel in den Verträgen zurückzunehmen. Andernfalls könnten sie das Werk nicht unterschreiben.
Anzeige
Bild vergrößern
„Eine blanke Katastrophe“ sei die neue Fassung der Hochschulverträge, „völlig indiskutabel“. „Wenn ich den Vertrag so unterschreibe, fragt sich die Uni: Ist der Präsident verrückt geworden?“, sagte TU- Chef Kurt Kutzler.

Wie berichtet, hat der Senat in der vergangenen Woche den Vertragstext verändert. In der Fassung, die der Senat und die Hochschulen im Juli vorläufig unterzeichnet („paraphiert“) hatten, war explizit von einer „Gesamthöhe der Zuschüsse“ die Rede. In dem vom Senat am Freitag beschlossenen Text wurde dies – offenbar auf Drängen von Finanzsenator Ulrich Nußbaum – umgeändert in die Formulierung, die Hochschulen sollten Zuschüsse „bis zur Höhe der nachfolgenden Beträge“ bekommen.

Die Worte „bis zu“ erregen bei den Hochschulen äußerstes Misstrauen. „Im Grunde könnte der Senat dann auch sagen: Ich gebe gar nichts“, sagte Kutzler. Die Planungssicherheit, dass der Senat die von den Hochschulen geforderten Leistungen auch wie versprochen bezahle, sei nicht mehr gegeben. Die Hochschulen würden „von spontanen Haushaltsbeschlüssen des Parlaments“ abhängig. „Wie in den achtziger Jahren“ werde das Abgeordnetenhaus dann „über die Einstellung jedes wissenschaftlichen Mitarbeiters“ entscheiden, sagte FU-Präsident Dieter Lenzen. „Wir fallen zurück in die Steinzeit“, fügte HU-Vizepräsident Frank Eveslage hinzu. Die Unis fürchten zudem eine weitere Klausel, die nachträglich hinzugefügt wurde. Darin heißt es, bei Nichterfüllung der vertraglichen Pflichten werde „das Land über haushaltswirtschaftliche Einschränkungen entscheiden“. Auch diese Formulierung lasse die Tür für willkürliche Kürzungen offen.

Lenzen fühlt sich vom Senat, der die ausgehandelte Fassung geändert hatte, „düpiert“. „Die Unis müssen sich an der Nase herumgeführt fühlen.“ Eveslage sprach von einer „persönlichen Enttäuschung“. Es sei „das Mieseste“, was er in seiner Amtszeit erlebt habe. Auch Vertreter der Fach- und Kunsthochschulen bekräftigten, für sie sei die neue Fassung nicht akzeptabel.

Eigentlich hatten sich die Hochschulen und der Senat nach langen Verhandlungen darauf geeinigt, dass die Unis und FHs vom Land bis 2013 pro Jahr gut 50 Millionen Euro mehr bekommen. Zusätzlich erhalten sie Bundesgeld für mehr Studienplätze. Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) sprach von insgesamt „mindestens 334 Millionen Euro mehr bis 2013“. Derzeit bekommen die Hochschulen 910 Millionen Euro im Jahr.

Der Wissenschaftsausschuss des Abgeordnetenhauses hatte am Mittwoch eine Entscheidung über die Verträge auf Antrag von Grünen, CDU und FDP auf eine Sondersitzung am kommenden Mittwoch vertagt. Bis dahin soll der wissenschaftliche Parlamentsdienst prüfen, ob die „bis zu“-Klausel tatsächlich zu einer rechtlichen Unsicherheit führt.

Sollte das Gutachten die Zweifel bestätigen, will die SPD den Verträgen im Wissenschaftsausschuss nicht zustimmen. Das kündigte Lars Oberg an, der wissenschaftspolitische Sprecher der Fraktion. Zöllner sagte, er werde in den parlamentarischen Beratungen über die Hochschulverträge auf „die möglicherweise missverständliche Formulierung“ hinweisen. Aus Senatskreisen hieß es, mit einer Änderung sei nicht zu rechnen. Bei den Befürchtungen handele es sich aber um eine „Überinterpretation“. Die Zuschüsse würden auch mit der „bis zu“-Klausel nicht angetastet.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 06.11.2009)
Sie interessieren sich für dieses Thema und wollen keinen Artikel im Tagesspiegel dazu verpassen? » Informieren | » Login

Aus anderen Ressorts

Die Linke:

Lafontaine hat Krebsoperation gut überstanden
Linke-Chef Oskar Lafontaine hat seine Krebsoperation nach Parteiangaben gut überstanden. "Ihm geht es den Umständen entsprechend gut", so ein Sprecher.

Bundesregierung:

Bafögsätze sollen steigen

Umweltschutz:

Entsorgungsfragen

Untersuchungsausschuss:

Spreedreieck-Affäre: Strieder rechnet mit Nachfolgern ab
Ex-Bausenator Strieder will beim Spreedreieck frühzeitig gewarnt haben. Nachbarn des Areals klagen erneut.

Kommentare [ 5 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von kugelblitz kugelblitz ist gerade offline | 5.11.2009 23:59 Uhr
Bildung hat in Berlin Priorität - ein Wowereitwitz
Dieser link-linke Senat hat dieser Stadt bisher nur geschadet - er schafft lediglich für Hartz-IV-Empfänger ein Wohlfühlklima, damit die beiden linken Parteien ihre Wählerschaft nicht verlieren.

Wowereit gibt gleichzeitig großmündig wieder deutschlandweite Tipps für andere Kommunen, aber er hat seine Berliner Hausaufgaben nicht gemacht - über Berliner Probleme und Themen schweigt er diplomatisch - passt ja auch schlecht, wenn man in die Bundespolitik will.

Liebe Berliner, müssen wir diesen Senat wirklich noch bis zu den nächsten Senatswahlen ertragen? Und wird es dann wiederum einen rot-roten Senat geben, weil die blassen Oppositionsparteien den unfähigen Roten nichts Paroli bieten können?

Wie auch immer, die Überschrift "Wir werden an der Nase herumgeführt" passt leider für Berlin nicht nur in der Hochschulpolitik.
Comment
von fsiggi fsiggi ist gerade offline | 6.11.2009 10:50 Uhr
Wie in den 80er Jahren...
wer stellte damals denn die Regierung? Ach, das war Diepgen. Und zu da war es so:

„Wie in den achtziger Jahren“ werde das Abgeordnetenhaus dann „über die Einstellung jedes wissenschaftlichen Mitarbeiters“ entscheiden, sagte Lenzen. „Wir fallen zurück in die Steinzeit“, fügte Eveslage hinzu.

Demnach ist eine CDU-Regierung für die Unis offenbar noch weitaus schlimmer.
Comment
von oliver111 oliver111 ist gerade offline | 6.11.2009 11:05 Uhr
@Kugelblitz
Es geht in erster Linie um eine Auslegungssache, hier wird nicht von Kürzungen gesprochen, sondern die Verteilung wird "bis zur Höhe der nachfolgenden Beträge" geregelt. Wenn Sie auf Bundesebene sehen, was dort den Kommunen entzogen werden soll, dann wird ganz Deutschland nicht mehr fähig sein überhaupt noch Uni´s, Kita´s zu finanzieren, wo liegt für Sie hier die Unfähigkeit bei den rot/roten, wenn die schwarz/gelben hohe Kürzungen in diesem Etat vornehmen, die rot/roten nicht???
Comment
von ulli_ramps ulli_ramps ist gerade offline | 6.11.2009 11:05 Uhr
Ungebildete Politiker?
Wann werden diese merkwürdigen, selbstherrlichen Landesherren endlich begreifen, in ihrer eigenen Unbildung und ihrem Unvermögen des Denkens, dass Bildung das Einzige ist, was unser Land und unsere Stadt vorwärts bringen können?

Sei es mit Innovationen, Erfindungen, hochrangigen Dienstleistungen, sei es mit der dringend notwendigen Bildung der "unteren Schichten" und Immigranten, um sozialen Brennstoff aus der Gesellschaft zu nehmen?

Bei diesen Pappnasen und dem Kaputtsparer Nußbaum kann man nur noch den Kopf schütteln.
Hoffentlich hat's bald ein (politisches) Ende mit unserem Frühstücksparty-Bürgermeister und seiner Chaotentruppe.

Wobei man sich angstvoll fragen darf, wer denn dann unsere Stadt in bessere Zeiten führen soll - Berlin scheint aufgrund seiner schlechten Wirtschaftslage für wirklich kompetentes "Personal" ein zu heißes Pflaster zu sein ...
Comment
von oliver111 oliver111 ist gerade offline | 6.11.2009 18:34 Uhr
@ulli_ramps
Es gibt eine Weltwirtschaftskrise, die ganz Deutschland erfasst hat, anderen Kommunen gerade auch im Osten haben noch viel weniger Wirtschaftskompetenz in Relation, desweiteren werden die Einsparungen die die CDU/FDP auf Länderebene vornehmen will nichts mehr an Bildung etc, zulassen, wo liegt hier der Sinn dieser Politik? außerdem ist Berlin die einzige wirklich große Stadt in Deutschland, eine Kleinstadt zu organisieren und zu regieren ist natürlich viel leichter und wenn sie in einer besseren Gegend liegt, wie z. B. im Süden und nicht in der Mitte des Ostens, dann ist das für viele auch leichter in der Zukunft wird sich das auch noch verschieben, weil die Wirtschaftskraft im allgemeinen nachlässt und nicht nur in Berlin. Außerdem wird Berlin als Hauptstadt vom Bund mit den geringsten Mitteln im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ausgestattet, vielleicht ist das gewollt?

Kommentar hinzufügen Neue Community-Funktionen Richtlinien


Sie können noch Zeichen schreiben.
Kommentare werden nicht sofort angezeigt. Beachten Sie hierzu unsere Richtlinien.

Um diesen Beitrag absenden zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Benutzername  
Passwort  
     
Sie haben noch keinen eigenen Account? Dann bitte
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
Email:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 10 - 2 = 


Anzeige
Weitere Themen

Prüfung ohne Blackout Lesezeichen hinzufügen

Vivien Leue (dpa)
mehr...

Besser nicht verzweifeln Lesezeichen hinzufügen

Vivien Leue (dpa)
Was gegen Zukunftsangst hilft mehr...

Richtiges Netzwerken im Internet Lesezeichen hinzufügen

Andreas Heimann (dpa)
mehr...

Keine Bange vor der Lücke Lesezeichen hinzufügen

Ein Lebenslauf muss nicht geradlinig sein mehr...
Fotostrecken

Im Osten geht die Sonne auf ... (16 Bilder)

Erzählwettbewerb - Das Finale (18 Bilder)

Phoenix (8 Bilder)

Independent Games (14 Bilder)

Weihnachtskalender (24 Bilder)

Die Codes der Straße (10 Bilder)