Die ersten Lehrstühle in Deutschland sind etabliert. Die Nachwuchstheologen sollen einen kritischen Geist in Gemeinden bringen.
Viele Moscheegemeinden in Deutschland wünschen sich hier ausgebildete Imame, immer mehr Bundesländer öffnen die Türen ihrer Schulen für den Islamunterricht. Aber es fehlen qualifizierte Lehrer. Um den Mangel zu beheben, ist erstaunlich viel Bewegung in die deutsche Universitätslandschaft gekommen. Der Stuttgarter Islamexperte Hansjörg Schmid spricht von einem „totalen Quantensprung“. Er meint die sechs Professorenstellen für islamische Theologie, die mittlerweile in Frankfurt am Main, Münster, Osnabrück und Nürnberg-Erlangen eingerichtet wurden.
Ein Quantensprung im Vergleich zu vor sechs Jahren. Damals gab es noch keine einzige dieser Stellen. Gegenüber bundesweit 39 evangelischen oder katholischen Fakultäten sind die sechs Stellen immer noch wenig. Aber in diesem Jahr hat sich eine Menge getan, drei Universitäten haben angekündigt, weitere Islamprofessuren einzurichten. Auch das Land Berlin denkt über einen Lehrstuhl für islamische Theologie nach. Im Januar will zudem der Wissenschaftsrat eine Empfehlung abgeben, wie man die islamische Theologie an deutschen Universitäten weiterentwickeln könnte, „um der multireligiösen Gesellschaft besser Rechnung zu tragen“. Die Islamkonferenz, die der frühere Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) ins Leben gerufen hat, bestärkte Länder und Hochschulen darin, den Islam zu integrieren.
Lehrstühle und Fakultäten für islamische Theologie einzurichten, ist nicht einfach, weil im säkularen Staat die staatliche Universität die theologischen Lehrinhalte nicht alleine bestimmen darf. Schon gar nicht, wenn in diesem Studiengang Lehrer ausgebildet werden, die bekenntnisorientierten, also konfessionellen Religionsunterricht geben sollen. Doch wie soll man mit einer Konfession zusammenarbeiten, wenn es die eine Konfession im Islam gar nicht gibt? Sondern viele verschiedene Richtungen, Sunniten und Schiiten, Aleviten und Ahmadiyya, um nur einige zu nennen. Jahrelang argumentierten Politiker, man müsse eben abwarten, bis sich diese verschiedenen Richtungen zu einer Konfession zusammengefunden haben, bis der Islam sozusagen Kirche geworden ist. Wie Insider vermuten, will der Wissenschaftsrat im Januar zur Gründung eines Trägerverbundes raten, in dem sich ähnlich wie in Schäubles Islamkonferenz Wissenschaftler, Vertreter muslimischer Verbände und muslimische Einzelpersönlichkeiten zusammenschließen und als Kooperationspartner für die Universitäten fungieren könnten.
Immer mehr Universitäten wollen nicht mehr auf eine endgültige Lösung warten und suchen eigene, gleichwohl provisorische Wege, um mit islamischen Gruppierungen zusammenzuarbeiten. In Münster ist diese Zusammenarbeit allerdings vor einem Jahr vorübergehend gescheitert. Der Koordinierungsrat der Muslime entzog Muhammad Kalisch, der den bundesweit ersten „Lehrstuhl für die Religion des Islam“ innehat, das Vertrauen, weil Kalisch an der historischen Existenz des Propheten Mohammed zweifelt. Ohne das Vertrauen der Verbände kann Kalisch keine Religionslehrer mehr ausbilden. Für diese Aufgabe will die Universität nächstes Jahr einen zweiten Lehrstuhl einrichten – in Absprache mit dem Koordinierungsrat. Nach außen will die Universität vermeiden, dass der Eindruck entsteht, sie würde sich durch die islamische Verbände in ihrer Autonomie einschränken lassen. Der Wissenschaftsminister höre sich die Meinung der Verbände an, sagt der Unisprecher, die Universität sei aber in ihren Entscheidungen autonom.
In Osnabrück funktioniert die Kooperation mit dem Runden Tisch des Landes Niedersachsen mittlerweile sehr gut, sagt die stellvertretende Universitätspräsidentin. An dem Runden Tisch ist auch die Schura Niedersachsen vertreten, der Zusammenschluss der sechs größten islamischen Verbände im Land, inklusive der Ditib, dem deutschen Ableger der türkischen Religionsbehörde Diyanet. Zwei Professorenstellen für Religionspädagogik und Religionswissenschaft hat man auf diese Weise eingerichtet, ein Fortbildungslehrgang für Imame ist geplant, 2013 will man einen Bachelorstudiengang für islamische Theologie installieren. Am Zentrum für islamische Religionslehre der Universität Nürnberg-Erlangen arbeitet man mit den ortsansässigen Moscheegemeinden gut zusammen.
Die wohl spektakulärste Kooperation geht die Goethe-Universität in Frankfurt am Main ein. Die türkische Religionsbehörde Diyanet in Ankara hat bereits zwei religionswissenschaftliche Lehrstühle gestiftet, vor zwei Wochen wurde der Vertrag für die dritte Stiftungsprofessur unterschrieben. Ob an diesem Lehrstuhl auch Religionslehrer ausgebildet werden, habe das hessische Kultusministerium noch nicht entschieden, sagt Uni-Vizepräsident Matthias Lutz-Bachmann. So viel stehe aber jetzt schon fest: Wenn das Land Religionslehrer ausgebildet haben wolle, dann müsse es dafür auch selbst eine Professur finanzieren. „Wir werden nicht die Ausbildung von Islamlehrern für hessische Schulen an Stiftungsprofessoren vergeben, die vom Ausland bezahlt werden“, sagt Lutz-Bachmann. Man wolle nicht Gefahr laufen, dass die Türkei die Professuren streiche, weil ihnen der Unterricht nicht gefalle.
„Da die Aufbauarbeit in Deutschland nicht ganz aus eigenen Kräften geleistet werden kann, ist die Expertise aus den beiden wichtigsten Herkunftsländern deutscher Muslime, der Türkei und Bosnien-Herzegowina, hilfreich“, sagt Hansjörg Schmid, der sich an der Katholischen Akademie in Stuttgart seit Jahren mit dem Islam beschäftigt. Aber die „Gratwanderung zwischen Unterstützung und Fremdbestimmung“ sei nicht leicht. Um dem Verdacht der Einflussnahme zu entkräften, betonte Ali Bardakoglu, der Präsident der Religionsbehörde in Ankara kürzlich: „Selbstverständlich gelten die wissenschaftlichen Standards der Goethe-Universität auch für die islamische Theologie. Das theologische Denken sollte rational und kritisch sein.“
Die verschiedenen Wege der einzelnen Universitäten sind ein Anfang, um angehende muslimische Theologen und Religionslehrer mit der historisch-kritischen Herangehensweise an die Religion und ihre Quellen vertraut zu machen. In den Ministerien hegt man die Hoffnung, dass diese Islamexperten dann auch in die Verbände hineinwirken, so dass auch dort ein neuer kritischer Geist heranwächst. „Bis dahin müssen sich muslimische Verbandsvertreter daran gewöhnen, dass eine wissenschaftliche islamische Theologie entsteht, mit der sie nicht immer im Konsens sein werden“, sagt Hansjörg Schmid. Das sei nicht einfach in einer Situation, in der sie um Anerkennung werben und möglichst einheitlich auftreten wollen. Es brauche aber auch politischen Mut. Der sei bislang nur bei Schäuble und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) erkennbar.
Wulff hat den Muslimen einen Staatsvertrag in Aussicht gestellt. „Die Länderborniertheit wäre hier falsch“, sagt Historiker Lutz Raphael, der Vorsitzende der Arbeitsgruppe „Theologie und Religionswissenschaften“ beim Wissenschaftsrat. „Die Kooperationsfähigkeit der Länder muss weiterentwickelt werden.“
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 23.12.2009)
Kommentare [ 40 ] Kommentar hinzufügen »
Keine Leistung ohne Gegenleistung !
Allerdings vermute ich, dass Sie nicht in Istanbul leben, denn sonst kennten Sie sich die dortige katholische Schule, das Sankt Georgs-Kolleg Schule in Istanbul, die es seit 125 Jahren gibt. Dieser Link vermittelt Ihnen tiefere Einsichten:
Christ unter Muslimen
Eine aufschlussreiche Radiosendung, in der der Leiter dieser Schule interviewt wird.
Sie leben also in Riad oder Teheran? Ich glaube in Riad, sonst wüssten Sie sicher, Teheran korrekt zu schreiben.
Hier ist ein Gegenbeispiel:
http://www.medrum.de/?q=content/eu-zentrum-enteignetem-gebaeude-der-kirche-tuerkei
Sondern Beitrag zur Verwirrung, den Sie mit Ihrem Kommentar geliefert haben. Oder glauben Sie ernsthaft den Inhalt einer RAdiosendung widerlegen zu können?
Hören Sie sich doch erstmal die Radiosendung an, auf die mein Link hinführt, die Zeit sollten Sie sich gönnen, circa 45 Minuten, danach könnten wir dann vielleicht geistreich weiterplaudern.
Ich denke, dass wir Moslems da aktiver sind.
Christliche Theologie an den Universitäten in der Türkei?
- Gerne, das wäre eine Bereicherung.
Wir sollten in den westlichen Ländern unserer Toleranz treubleiben, aber es bleibt ein schaler Nachgeschmack, wenn Moslems die Freiheiten unserer westlichen Länder nutzen können und in ihren eigenen Ländern Religionsfreiheit entweder gar nicht oder nur eingeschränkt für Christen, Juden und andere Religionen gewährt wird.
Toleranz beruht auf Gegenseitigkeit. Von alleine entsteht sie nicht. Es kann und darf nicht sein, daß die eine Seite nur gibt und die andere Seite nur nimmt.
Das kann auch damit zu tun haben, dass sie sich nicht mehr, wie in früheren Zeiten, zu sehr bevormunden lassen wollen. Warum soll man sich aktiv daran beteiligen, gemaßregelt und unterdrückt zu werden? Vielleicht haben sich viele Christen emanzipiert und wollen frei in eigener Verantwortung leben, anstatt die Schäfchen eines Hirten zu sein.
Sondern es geht darum, dass hierzulande Imame, die an deutschen Hochschulen vernünftig ausgebildet wurden, künftig an Moscheen in Deutschland, für Muslime in Deutschland seelsorgerisch tätig werden.
Also für Menschen, die hier leben und - sofern sie nicht arbeitslos sind - auch hier Steuern zahlen!
Der Vergleich mit Riad und Teheran ist m.E. auch noch aus zwei weiteren Gründen unsinnig:
Zum einen leben seit Jahrhunderten weder in Saudi-Arabien noch im Iran irgendwelche Christen (von wenigen Ausländern u. Diplomaten abgesehen), so dass es dort vermutlich kaum Bedarf für christliche Theologen gibt.
Zum anderen wollen wir uns doch in Sachen Toleranz, Religionsfreiheit und Menschenrechte wohl kaum auf eine Stufe mit solchen Ländern stellen, oder?
Aber erwarten, dass muslimische Menschen hier sich mit Deutschland identifizieren. Aber mich wundert nicht, dass das nicht klappt.
Ein Hinweis nebenbei, damit Sie wissen, was Sie vergleichen:
Auf der Insel Heybeliada (gr. Halki) befand sich die legendäre christliche Theologische Hochschule von Halki, die von der türkischen Regierung 1971 aufgrund des Konfliktes mit dem Ökumenischen Patriarch von Konstantionopel, in der es um unabhängige Priesterausbildung ging, geschlossen wurde. Religiöse Privatuniversitäten wurden in dieser Zeit im Zuge einer Verfassungsänderung völlig verboten. Die türkische Regierung bot im laufe der Zeit einen formellen Anschluss an die Religiöse Fakultät der Universität von Istanbul mit einem eigenen Priesterlehramt an, doch das Patriarchat besteht bis heute weiterhin auf Unabhängigkeit. In der Türkei darf bis heute weder muslimisch- noch christlich-theologischer Unterricht in Privatschulen oder Universitäten abgehalten werden, sofern Sie ausserhalb der staatlichen Instanz (DIYANET) betrieben wird. Der Staat befürchtet, dass man dadurch muslimisch-theologischen Unterricht gewähren muss resp. dass dies von Teilen der Gesellschaft eingefordert wird. Das aber widerspricht dem Laizismus-Prinzip in der Türkei, das eine Ökumene als eine weitere Machtstruktur und als Mittel zur Politikbeeinflussung sieht. Die Unabhängigkeit der Politik von der Religion hatte Atatürk während der Republiksgründung der Türkei, Zug um Zug eingeleitet. Die Europäische Union hat im Zuge der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei dieses Thema auf die Liste gesetzt.
Es gibt in der Türkei keinen nach Konfessionen getrennten Religionsunterricht, nur einen allgemeinen Religionsunterricht (ich habe dort die Schule besucht).
Der Unterschied:
Wir haben keine laizistische Staatsform. Unsere Staatsform gründet auf dem Kooperationssystem.
"In verschiedenen Texten im Kur'an sehen wir diesen engen Zusammenhang zwischen menschlichem Verhalten und Glaube. "Hast du den gesehen, der das Gericht für Lüge erklärt? (das heißt, der an das Jenseits nicht glaubt) Das ist der, der die Waise zurückstößt, und nicht zur Speisung der Bedürftigen anhält."(107/1-3) Der Ungläubige wird durch sein Verhalten zu seinem Nächsten erkannt. In einem weiteren Text ist die Rede von demjenigen, der am Jüngsten Tag in die Hölle gelangt: "Er glaubte nämlich nicht an Gott, den majestätischen, und er hielt nicht zur Speisung des Bedürftigen an."(69/34) In einem weiteren Text ist die Rede von der Mäßigung als Gebot im Verhalten. "Der Mensch ist als kleinmütig erschaffen. Ausgenommen sind die, die beten und in ihrem Gebet beharrlich sind. Und die ein bestimmtes Recht auf ihr Vermögen einräumen, den Bettlern und den Unbemittelten. Und die den Tag des Gerichts für wahr halten. Und die ihre Scham bewahren, außer gegenüber ihren Gattinnen. Diejenigen aber, die darüber hinaus andere begehren, das sind die, die Übertretungen begehen. Und die, die auf das ihnen Anvertraute und ihre Verpflichtung achtgeben."(70/19 ff) So wird der Zusammenhang zwischen Glaube und Ethik, Glaube und Verhalten im Diesseits hergestellt."
Solche Inhalte werden also bald an deutschen Universitäten gelehrt.
Vielleicht richtet man in Zukunft auch Lehrstühle für die Zeugen Jehovas ein? Oder für Scientology? Oder haben die noch zu wenige Anhänger? Worin liegt der wissenschaftliche Sinn, hier Imame auszubilden?
Die Aussagen oben zur Gratwanderung und Fremdbestimmung, besonders die Aussage von Ali Bardakoglu, dem Präsidenten der Religionsbehörde in Ankara, ist für einen aufgeklärten Menschen nur sehr schwer zu ertragen. So wie es aussieht, wird es viel zu ertragen geben in Deutschland in Zukunft.
dass die türkischislamische Gemeinde zu Bocholt die Islamforschung und Islamlehre an deutschen Universitäten federführend bestimmt und ausüben wird.
Was bleibt uns da anderes übrig, vor allem in der Weihnachtszeit, als um BRDMatrix zu fürchten, ihm viel mehr Engel und viel weniger Teufel zu wünschen?
Islamlehre gehört natürlich nicht an die Uni.
Aber Sie sind wahrscheinlich auch für die Einrichtung einer Religionsbehörde.
Echt schräg.
Verehrtes Spieglein, niemals "toleriere ich einfach" einen Glauben und seine Gläubigen, die zum Beispiel Frauen als dem Mann untergeordnet ansehen. Und Ihr überheblicher Aufruf an mich gerichtet, erreicht mich nicht. Ich verabscheue keine Religion, aber ich wende mich gegen die Unterdrückung von Menschen im Namen der Religion. Es gibt genug Beispiele, millionenfachen Mordes, unendlichen Leides, immer im Namen Gottes und des Glaubens. Und es gibt genug schwarz auf weiß, das Frauen und andere nicht als gleichwertige Menschen erklärt. Echauffieren Sie sich lieber darüber, als über die Konsistenz meiner paar Kommentare. Ich will Ihnen gegenüber gar nicht glaubwürdig erscheinen, denn ich will Sie gar nicht übezeugen von meinen Ansichten. Ich will hier nur meine Meinung sagen.
Und meiner Meinung nach sind islamische Lehrstühle an deutschen Universitäten ein Quark ersten Ranges. Er vermehrt die Menge an Quark, die es im Lande gibt. Um noch klaren Kopf in dieser seltsamen Zeit der Verschwurbeltheiten zu behalten, lese ich ab und an die Achse des Guten. Sehr zu empfehlen.
Dass Sie nicht überzeugen wollen, glaube ich Ihnen aufs Wort, denn ein Wollen ohne ein Können ist ein Scheitern:-) Doch sagen Sie Ihre Meinung? Kann man meinen, ohne zu wissen?
Wie auch immer, dass Sie nicht argumentieren, da stimme ich Ihnen zu. Nur so oft wie Sie hier Ihre „Meinung“ gebetsmühlenartig wiederholen, ist nur ein Schluss zulässig: Sie agitieren, weil Sie irgendetwas zwischen islamfeindlich und islamängstlich sind. Deswegen braucht es auch für Sie islamische Lehrstühle an deutschen Universitäten, damit Sie Ihre Ängstlichkeit durch Wissen ersetzen können, dann könnte so etwas wie eine Meinung entstehen, die zu Ihnen gehört und der gebetsmühlenartigen Wiederholung würdig wäre.
Mit anderen Worten, ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie recht bald mit einem in Deutschland wissenschaftlich ausgebildeten Imam zusammentreffen und aufgeklärte Gespräche führen können, z. B. über die Bedeutung der von Ihnen so gefürchteten dunklen Männerbärte.
Wenn wir nun aber Bedarf an Geistlichen haben, weil es Menschen gibt, die von diesem Axiom ausgehen, ist es mir lieber, dass wir hinsichtlich der Ausbildung von Geistlichen und der Bestimmung der Lehrinhalte nicht abhängig sind von irgendwelchen Religionsbehördepräsidenten in Ankara. Imame in Deutschland auszubilden hat keinen wissenschaftlichen Sinn (genauso wenig wie die Ausbildung von Geistlichen anderer Religionen - die christliche Lehre kann man auch, geht man selektiv vor, anders unterrichten; lesen Sie einmal die Bibel, vor allem die Stellen, die nicht in Predigten vorkommen), aber ein pragmatischer Sinn wohnt dem durchaus inne.
Denn wie Spieglein uns erinnert hat, die Staatsform der Türkei ist der Laizismus. Wir vergessen das zu schnell. Nicht alle Türken sind Muslime, und es gibt Muslime, die ihr Muslimsein so ablegen wie die Christen ihr Christsein. Dass dies im Einklang mit dem Koran geschieht, lehrt z. B. der islamische Theologe Yaşar Nuri Öztürk, Dekan der Theologischen Fakultät der Universität Istanbul.
Er hält es für den größten Irrtum, der in der islamischen Rechtslehre begangen worden sei, die Todesstrafe für Apostaten zum religiösen Dogma zu erheben. Er weist darauf hin, dass der Koran keine Strafe im Diesseits für den Abfall vom Glauben enthält, sondern nur die Strafe im Jenseits androht. Auch die Bewertung der Apostasie als Akt des Hochverrats lehnt Öztürk ab. Der Apostasievorwurf sei in jüngster Zeit zum Kampfbegriff eines politisierten und ideologisierten Islam geworden. Dies bezeichnet Öztürk als „islamische Inquisition“." Jedenfalls wird in der Türkei niemand mit Konsequenzen irgendwelcher Art bedroht, wenn er vom Islam abfällt.
Ich denke, dass sollte auch in Deutschland bekannt sein, macht es für den Islam an deutschen Universitäten, Schulen und im Privatleben leichter.
Da gebe ich dir Recht!
Aber dafür muss man doch diplomatische/kulturelle Beziehungen zwischen Deutschland und den muslimischen Ländern wie Saudi-Arabien, Syrien oder Oman usw. herstellen? Oder?
Nee man beliefert die Leute lieber mit Waffen. Das ist gut für das Geschäft:)
Themen wie Kultur und Religion interessiert doch niemanden.
Universitäten dienen der Wissensvermittlung und haben somit mit Glaubensfragen gar nichts zu tun. Sollen doch die Kirchen sich ihre eigenen Bildungsstätten bauen und dort die Leute ausbilden. Ich bin strikt gegen diese Möglichkeit.
Beste Antwort gibts bei Wikipedia:
Theologie versteht sich als wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Quellen des Glaubens.
Gerade wenn es um die unterdrückten Menschen geht - und darum geht es mir - ist die Einrichtung von islamischen Theologien nur zu begrüßen. Wie ich bereits schrieb, hat sie primär - genauso wie bei katholischen und evangelischen Theologien - keinen wissenschaftlichen Sinn, aber eben den pragmatischen, dass - ungeachtet der Unwissenschaftlichkeit der Prämisse "Gott existiert" - die wissenschaftliche Beschäftigung im universitären Umfeld zwangsläufig zu einer kritischen und reflektierten Beschäftigung mit der Religion führen, denn sonst würde die Disziplin nicht ernst genommen werden (dass dies auch im islamischen Kulturkreis - sogar im Mittelalter - möglich war, zeigt ein Blick auf die Geschichte der islamischen Philosophie). Insofern hat sie sekundär wissenschaftlichen Sinn. Die christlichen Theologien sind schon längst keine Theologien mehr - ungeachtet dessen, dass sie dies nicht merken oder merken möchten und sich weiterhin so nennen. Wenn die Texte tatsächlich noch als Worte Gottes gälten, dürften sie nicht auf ihre historische Bedingtheit befragt, keine text- und überlieferungskritischen Untersuchungen vorgenommen werden etc. Der christlichen Lehre zufolge ist die Frau dem Mann auch nicht gleichgestellt - aber praktiziert das noch irgendein Christ?
Überheblich finde ich es eher, mitten in Europa zu leben, in einer aufgeklärten Familie groß geworden zu sein, über Bildung und zahlreiche Informationsquellen zu verfügen etc. - und mit seiner Aufgeklärtheit Nabelschau zu betreiben, als sei es das eigene Verdienst. Manchmal frage ich mich, was aus solch arroganten und engstirnigen Menschen geworden wäre, wären sie in einem abgelegenen Dorf in Musteristan geboren. Aber ich will Sie auch nicht überzeugen. Schließlich kommt der Islam ja an die Universitäten, was gut für die Menschen ist.
Das darf wohl bezweifelt werden, dass das gut für die Menschen ist.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Jahreswechsel.
Alles Gute für 2010!
Ihnen auch alles Gute!
Das kann genausogut nach hinten losegehen, verhetes spiegelein. Sie hoffen auf einen kritischen Diskurs, aber Hoffnung reicht nicht als stichhaltiges Argument für diese Lehrstühle. Die angebliche kritische Reflektion innerhalb der islamischen Welt zu früheren Zeiten muss irgendwann auf dem Weg in die Gegenwart verloren gegangen sein, nicht wahr? Denn nirgendwo kann man einen nennenswerten kritischen Islam ausmachen. Überall sind Mädchen und Frauen absolut fremdbestimmt, bei Zuwiderhandlung drohen Züchtigung und Tod. Kritikerinnen werden verfolgt und eingesperrt. Das sind Tatsachen.
Sie sollten sich abgewöhnen, Ihre Leseschwächen und Bildungslücken zu verallgemeinern. Dann hätten Sie es auch nicht mehr nötig, Spieglein "ziemliche Selbstüberschätzung" vorzuwerfen oder mir Bücher zum Lesen zu empfehlen, die Sie nicht kennen, aber die ich selbst geschrieben habe (vgl. weiter oben).
Gegensätzliche Meinungen sind ein selbstverständlicher Bestandteil einer Debatte, doch sollte man auf Augenhöhe streiten und seinem Diskussionspartner gegenüber mit Respekt begegnen.
Nehmen Sie sich bitte meine Anregung zu Herzen. Nur so kann dieses häufig diskutierte Thema eine fruchtbare und interessante Debatte werden und auch das Interesse anderer Leser wecken.
Freundliche Grüße, Atila Altun
Da haben Sie zweifellos Recht.
Allerdings ist niemand für die Augenhöhe seiner Gesprächspartner verantwortlich, dafür müssen diese schon selber sorgen, sich gegebenenfalls helfen lassen durch deutliche Worte, mal ganz allgemein gesprochen; und die Feststellung fehlender Augenhöhe bedeutet nicht, seinem Diskussionspartner nicht mit Respekt zu begegnen, sich einer Respektlosigkeit schuldig zu machen, wenn es einer Tatsachenfeststellung ist. Es ist dann die Hilfe zur Selbsthilfe, ohne die kein vernünftiger Diskurs auskommt, also die bewusste Anerkennung des anderen als lernfähigen, bildsamen Menschen.
Jedenfalls ist durchaus interessant, dass die Gesprächspartner im Forum, die argumentative Defizite aufweisen, immer schnell beleidigt sind und anderen Fundamentalismus vorwerfen. Aber auch hier gilt, sollte es sich dabei um eine Tatsachenfeststellung halten, so ist an ihr nichts auszusetzen, darf sie nicht als Respektlosigkeit gewertet werden.
Denn auch Blödheit, Ignoranz und Borniertheit muss toleriert werden, wie John Stuart Mill zu schön in „Über die Freiheit“ seinen etwas weniger begabten Zeitgenossen gelehrt hat, so lange sie nicht zum Prinzip erhoben werden. Sollte man so etwas hier wirklich nicht feststellen dürfen? Sollte diese Feststellung tatsächlich Diskussionen nicht fördern, es sich um kein Argument handeln? Ich bin da eine andere Debattenkultur gewöhnt.
Herzliche Grüße, Berno Hoffmann
Es war eh nur eine Frage der Zeit, aber die schleichende Islamisierung ist schon längst im Gange und keiner kann etwas dagegen tun.
Immerhin wird der Genuss von Alkohol schon in öffentlichen Verkehrsmitteln verboten. Dass das Rauchen zum Tode führen kann steht schon lange auf den Verpackungen und seit wenigen Jahren wird angemerkt, dass Glücksspiel süchtig machen kann. Alles Dinge auf die der Koran seit 1430 Jahren die Menschen hinweist.
Es ist nur eine Frage der Zeit.
Oder?
- Für mich ist es unangenehm.
Das mit Alkohol, Zigaretten und Glücksspiel hat sicherlich nichts mit Islamisierung zutun. Da sind zum einen Gesetze, die durch die EU beschlossen wurde.
Und zu Islamisierung. Rennen die Muslime in Deutschland durch die Gegend und versuchen euch muslimische Werte aufzuzwingen?
Möchte mich hiermit entschuldigen!
Wir benötigen nichts dringender als Religionslehrer. Das ist wohl wahr. Das Leben ist augenscheinlich nur im Glaubenssuff zu ertragen.