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Freie Sicht

Heimunterricht muss erlaubt sein

Warum verteidigt der Staat in Deutschland die Schulpflicht mit Zähnen und Klauen? Die Antwort ist leider nicht schmeichelhaft.
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Anna ist Schulphobikerin, verbrachte zwei Jahre vor ihrem 16. Geburtstag zwischen Bett und Fernseher, die Eltern hatten Mühe, sie dem polizeilichen Zugriff zu entziehen, ein Psychiater brachte die erlösende Entlastung. Ihre Eltern durften sie unterrichten.

Eine Ausnahme in Deutschland. Im Gegensatz zu Österreich, Schweiz, Belgien und Dänemark, wo eine Bildungspflicht besteht, aber nicht eine Schulpflicht, oder zu Irland, Italien und Spanien, wo Hausunterricht sogar verfassungsrechtlich gesichert ist, und im Gegensatz zu den USA, wo die Schulpflicht abgeschafft und durch die Möglichkeit zu Homeschooling ersetzt wurde, leistet Deutschland sich die Kontinuität einer Zwangsbeschulung. Die hat einmal ihren guten Sinn gehabt. Friedrich der Große führte nämlich die Schulpflicht ein, um den Kindern der Analphabeten eine Chance zu geben, die den damals in Adel und Bürgertum üblichen Hausunterricht durch „Hofmeister“ nicht bezahlen konnten und zur eigenen Unterweisung ihrer Kinder nicht in der Lage waren.

Das ist lange her. Solche Verhältnisse gelten nur noch für einen verschwindend kleinen Teil der Bevölkerung, kein Grund also, die Schulpflicht nicht durch eine Bildungspflicht zu ersetzen. Sie besteht in Österreich zum Beispiel darin, dass zu Hause unterrichtete Kinder regelmäßig von einer staatlichen Schule geprüft werden. Bestehen sie diese Jahresprüfung nicht, müssen sie auf eine staatliche Schule wechseln. Die USA lösen das Problem der Qualitätssicherung durch ein normiertes Medienangebot für den häuslichen Unterricht, und in Dänemark gibt es schon seit 150 Jahren keine Schulpflicht mehr.

Ich frage mich, warum der Staat in Deutschland die Schulpflicht mit Zähnen und Klauen verteidigt. Die Antwort ist leider nicht schmeichelhaft: Adolf Hitler führte das Verbot des Hausunterrichts 1938 aus leicht durchschaubaren Gründen ein. Er wollte keine Bereiche entstehen lassen, die der staatlichen Kontrolle entzogen wären. Und dann? Was für Ulbricht und Honecker noch gegolten haben mag, ist für das wiedervereinte Deutschland schwer verständlich. Vor welcher Freiheit hat man Angst? Machen wir uns nichts vor: Die Zahl von Politikern, die die Bevölkerung gern bevormunden, steigt, der Kampf gegen Religionsunterricht zeigt dieses ebenso wie wiederkehrende Debatten über eine Zensur des Internets. Und: Es kommt doch wohl darauf an, was Kinder gelernt haben, aber nicht durch wen. Das sollten Eltern entscheiden dürfen. Und: Während der Schüler einer Staatsschule jährlich bis zu 10 000 Euro kostet, gibt es Homeschooling kostenfrei. Schauen wir einmal, welche Chancen die Finanzkrise noch bietet.

Der Autor ist Erziehungswissenschaftler und schreibt jeden dritten Montag über aktuelle Themen und Debatten. In der kommenden Zeit blickt er auf das Bildungswesen im Ausland.



(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 25.05.2009)
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von unbekannt | 25.5.2009 8:42 Uhr
Hausunterricht kann Leben retten
Ich freue mich für Anna und ihre Familie, dass sie einen Psychiater gefunden haben, der vermitteln konnte, wie wichtig es ist, dass Kinder die schulgeschädigt sind, zu Hause lernen dürfen. Nun kann sie sich wieder frei entwickeln.
In den vergangenen Jahren habe ich viele solcher Kinder kennen gelernt, die meisten überdurchschnittlich intelligent. Alle stammten aus fürsorglichen Familien und hätten gerne zu Hause gelernt. Die Familien wurden unter Druck gesetzt, die Kinder sollten sich an das System anpassen. Gelang das nicht, wurde auf eine Einweisung in eine psychiatrische Klinik (der Tagesspiegel berichtete mehrfach)gedrängt und den Eltern mit Sorgerechtsentzug gedroht. Manschmal wurden auch die ohnehin schon verängstigten Kinder durch die Polizei der Schule zugeführt. Nach dem Kindeswohl wurde nicht gefragt. Bei vielen dieser Kinder ist der Lebenswille gebrochen worden. Es wird Zeit, dass man auch in Deutschland Kinder zu Hause lernen läßt und nicht zur sinnlosen Durchsetzung der Schulpflicht Lebenswege zerstört,
insbesondere dann, wenn zu Hause eine intensivere Förderung stattfinden kann.
Vielen Dank für diesen Bericht.
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von Verena.Ahaus Verena.Ahaus ist gerade offline | 25.5.2009 10:32 Uhr
Freiheit und Vielfalt der Bildungswege
Die Kampagne für Freiheit und Vielfalt der Bildungswege - Für ein Menschenrecht auf Bildung ist hier:

http://www.bvnl.de/index.php/aktuelles/aktionen/51-allgemein/48-kampagne-fuer-freiheit-und-vielfalt-der-bildungswege

zu finden.
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von HelmutStuecher HelmutStuecher ist gerade offline | 25.5.2009 11:11 Uhr
Heimunterricht muss erlaubt sein
Ich kann das nur bestätigen. Drei Fälle sind mir bekannt, wo schulgeschädigte Kinder zu Hause wieder gesundeten und mit Freude mit einem Fernschulprogramm lernten. Zum Glück haben die Behörden diese Fälle nicht erfahren, weil sie in den Untergrund gingen oder sich ins Ausland absetzten. Das muss nicht sein. Es wird Zeit, dass in besonderen Fällen die Befreiung von der Schulpflicht, die in jedem Bundesland auf Grund des Ausnahmeparagraphen möglich ist, mehr genutzt wird. Die Schulämter haben hier einen Ermessensspielraum, den sie nicht nutzen, weil das von oben nicht gewollt ist.
fila
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von unbekannt | 25.5.2009 10:21 Uhr

Sehr schöner Artikel. Endlich wird in diese Richtung mal auf den Putz gehauen.
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von amme amme ist gerade offline | 25.5.2009 12:37 Uhr
60 000 Kinder in BRD unbeschulbar
Skandalös, dass Eltern der Zerstörung der Persönlichkeit ihres Kindes zusehen müssen bis - in seltensten Einzelfällen - eine alternative "Beschulung" genehmigt wird. Die Eröffnung einer Tagesschule für psychisch kranke Kinder vom Roten Kreuz in Berlin zeigt, dass man lieber im Zwangssystem verbleibt als eine andere, anderswo völlig selbstverständliche und im Übrigen mit den Menschenrechten konform gehende Lösung zu erlauben. Familienthemen werden auch im Superwahljahr 2009 nicht die Politik bewegen, da es nur noch in 25% der Haushalte überhaupt Kinder gibt und die Mehrzahl der Politiker ohne lebt.
Trotzdem muss die Bildungsfreiheit durchgesetzt werden - genauso wie die freie Entscheidung zur Betreuung von Kleinkindern zuhause. Wird der Bildungsauftrag in den Schulen schon nur mangelhaft erfüllt, versagt die vorschulische Betreuung komplett - u.a. aufgrund des viel zu hohen Betreuungsschlüssels. Dafür streiken die Erzieher. Die staatliche Verwahrung ist Verwahrlosung - in Schulen und Kindergärten. Solange Pflicht und Zwang bestehen, hat der Monopolist kein Interesse an einer Veränderung, die ja schließlich nur Kosten verursachen würde. So kostet es manchem Kind das Leben und manchen Eltern sehenden Auges den Verstand - wenn sie nicht die Möglichkeit ins Ausland zu gehen haben.
Danke für den Kommentar - aber auch Annes Eltern hätten sicher lieber 2 Jahre vor dem TV für ihre Tochter vermieden. Die geschilderte Geschichte ist -trotz "happy end" - ein skandalöses Drama!
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von konstrukteur konstrukteur ist gerade offline | 25.5.2009 13:49 Uhr
Zweite Seite der Medaille
Ich glaube durchaus auch an die Möglichkeiten in der Freiheit, aber wie viele Eltern wird es geben, die „genau wissen was gut ist“ für ihre Sprösslinge und sich für den Heimunterricht aus ganz anderen Gründen entscheiden? … wie viele Kinder wachsen sozial gestört auf, weil sie kaum bis keinen Kontakt mit Gleichaltrigen haben?
Freiheit ist ne feine Sache, wenn man damit umgehen kann und für den Rest gibt’s Gesetze … offenbar darf ja ein nachgewiesen Schulgestörter Jugendlicher zu Hause unterrichtet werden …
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von jetbundle jetbundle ist gerade offline | 25.5.2009 15:48 Uhr
Schutz der Kinder und der Gesellschaft
Ich kann mir vorstellen dass einige Eltern denken, sie koennten ihr Kind zu Hause besser unterrichten, vernab von sozialen Problemen, Gewalt, Kindern mit anderem Hintergrund und anderen Weltanschauungen, Autoritaeren Lehrern, festen Unterrichtszeiten und strukturiertem Schulalltag. Genau wie diejenigen Eltern, die denken ihre Kinder sollten lieber die Kinderkrankheiten "natuerlich durchleben" anstatt geimpft zu werden.

Es ist die Aufgabe des Staates, die Kinder, und die Allgemainheit vor diesen Mishandlungen (wenn auch womoglich wohl gemeinten) zu schuetzen. Natuerlich kann man um die Form der Schule und um Privatschulen streiten, und es gibt sicherlich verbesserungsmoeglichkeiten. Aber letztendlich ist die Schule wichtig, nicht nur um Lerninhalte zu vermitteln, sondern auch um das Leben in unserer Gesellschaft zu erlernen. Kinder muessen halt auch soziale Faehigkeiten erlernen, Freunde machen, lernen mit Problemen und Konflikten umzugehen, sich mit anderen Ansichten auseinader zu setzen. auch muessen sie Arbeitsdisziplin lernen, und lernen mit Ungerechtigkeiten, Willkuer und Authoritaet umzugehen. Auch muessen sie in das professinelle und gesellschaftliche leben, und in naechste Ausbildungsschritte eingefuehrt werden.

Es mag wenige Eltern geben die in der Lage waeren dies zu tun, aber der Grossteil der potentiell Heimlehrenden Eltern wuerde seine Kinder scheitern. Leider ist es halt so, dass ein Gesetz immer mehr Menschen Einschraenkt als in Retrospekt notwendig, aber damit muessen wir zum Wohle unserer Gesellschaft und der beschuetzten Kinder - und damit auch zu unserem eigenen Wohle - leben.
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von Verena.Ahaus Verena.Ahaus ist gerade offline | 25.5.2009 17:16 Uhr
Bitte keine Totschlagargumente im Sinne eines Schulzwanges
Bessere Informationen gibt es hier:

http://www.sfev.de/
Comment
von jetbundle jetbundle ist gerade offline | 25.5.2009 18:45 Uhr
@Verena.Ahaus
Meinen Sie "Bitte keine Argumente gegen meine Meinung"? Viel Spass auf der naechsten Masernparty noch.
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von amme amme ist gerade offline | 25.5.2009 19:22 Uhr
Friss oder stirb
"Es mag wenige Eltern geben die in der Lage waeren dies zu tun, aber der Grossteil der potentiell Heimlehrenden Eltern wuerde seine Kinder scheitern."
Seit wann werden in einer Demokratie alle in Haft genommen für die wenigen, die etwas falsch machen?
Die Nachbarländer zeigen, dass es sowieso nur wenige Heimlerner gibt - allerdings mit stark steigender Tendenz aufgrund des Verfalls der öffentlichen Schulen (besonders in GB).
Die heftigsten Verteidiger der Schulpflicht sind doch die Lehrer, die glauben, dass sie etwas besonders Einzigartiges, Unwiederholbares leisten. Allerdings sind es häufig auch Lehrerfamilien, die sich für Homeschooling entscheiden (im Ausland), weil sie Insider-Erfahrungen mit dem Schulbetrieb haben. In Berlin galt es in der Lehrerausbildung lange Jahre als offenes Geheimnis, dass die Seminarleiter (die, die die JunglehrerInnen ausbilden) ihre Kinder nur in Privatschulen schicken.
Comment
von jetbundle jetbundle ist gerade offline | 25.5.2009 20:58 Uhr
@amme


Zitat von amme

Seit wann werden in einer Demokratie alle in Haft genommen für die wenigen, die etwas falsch machen?


Z.B. seit Betaeubungsmittel verboten sind, es Tempolimits, TUeV und Fuehrerscheinpflicht; Impfflicht fuer Polio und Sozialvesicherungen gibt?

Wenn Sie meinen die oeffentlichen Schulen bringen's nicht, dann schicken Sie ihre Kinder eben zur Privatschule oder gruenden eine solche.
Comment
von unbekannt | 25.5.2009 20:43 Uhr
Argumente für Schule
Wenn Schule so gut für Kinder ist,
...warum kommt dann das Ministerium für Bildung und Forschung zu folgendem Ergebnis:
bmbf.de/pub/das_informelle_lernen.pdf
Seite 9/10

"Die Kinder, die noch alles wissen wollen, was in ihrer Umwelt vorgeht, und die die Erwachsenen ständig mit ihren „Warum?“-Fragen nerven, verlieren diese Neugierde meist nach den
ersten Schuljahren. Und sie verlassen die Schule oft überfüttert mit Antworten, nach denen sie nie gefragt haben und die sie auch in ihrem Leben nie interessieren und brauchen werden.
Das macht die Wiederbelebung der natürlichen Wissbegierde und die Motivation zum freiwilligen Weiterlernen im Erwachsenenalter besonders schwierig" ?
...warum bekommt die Mehrzahl der Kinder Nachhilfe?
(die Eltern, die ihre Kinder nicht zu Hause unterrichten können,können auch die Nachhilfe nicht bezahlen)
"Den Jahresumsatz auf dem Nachhilfemarkt beziffert Dohmen
bundesweit mit 0,9 bis 1,2 Milliarden Euro" (Quelle ebenfalls BMFBF)
...und warum haben wir in Deutschland 4 Millionen Menschen, die die Schule als Analphabeten verlassen haben?
...und warum gibt es immer mehr Fälle von Legasthenie und Dyskalkulie?
...und warum beschweren sich die Arbeitgeber über den geringen Wissenstand der Schulabgänger
...warum gibt es immer mehr Verordnungen von Ritalin und ähnlichen Medikamenten?
...warum gibt es dann so viele Schüler mit schlechtem Sozialverhalten?
...warum sprechen Psychiatrische Kliniken davon, dass für jedes Kind dem sie helfen konnten zehn neue mit Schulangst kommen?
...und warum leiden so viele Lehrer unter burn out?

Warum sind so viele Homeschooler in Amerika in Elite-Universitäten willkommen und erfolgreich?

Freue mich über Erklärungen.
Comment
von heiko.cochius heiko.cochius ist gerade offline | 25.5.2009 22:30 Uhr
Schutz der Gesellschaft mit Gewalt?


Zitat von jetbundle

Es ist die Aufgabe des Staates, die Kinder, und die Allgemainheit vor diesen Mishandlungen (wenn auch womoglich wohl gemeinten) zu schuetzen.



Wenn jetbundle der Meinung ist, dass seine Kinder auf einer Schule am besten aufgehoben sind, würde ich das voll unterstützen. Er hat das Recht auf die Freiheit, nach seinen Überzeugungen zu handeln, solange er nicht offensichtlich seine Kinder damit ruiniert.
Würde er die Fairness besitzen, mir dasselbe Recht zugestehen? Ich bin der Überzeugung, dass meine Kinder zu Hause am besten lernen. Ich möchte auch nach meiner Überzeugung handeln, sonst ist die Freiheit der Überzeugung nichts wert. Soll ich nun mit Geldbußen und letztlich mit Polizistenpistolen bedroht werden, bloß weil ich anderer Meinung bin? Solange ich meine Kinder nicht offensichtlich ruiniere, muss ich doch nach meiner Überzeugung handeln dürfen. Mit welchem Recht soll mich jemand daran hindern dürfen? Wäre das nicht völlig intolerant?

Freie Grüße
Heiko Cochius
Comment
von jetbundle jetbundle ist gerade offline | 26.5.2009 2:43 Uhr
Kinder muessen gerade...
...in Situationen geschuetzt werden, wo die Eltern uneinsichtig auf "ihrer Ueberzeugung" beharren. Seien es extremkonservativ-Religioese (sowohl Muslime als auch Christen), ethnisch-kulturell verschlossene oder leichtglauebig besserwisserische Eltern. In der Praxis waeren die Mehrheit der Faelle derartige Situationen.
Comment
von Verena.Ahaus Verena.Ahaus ist gerade offline | 2.6.2009 20:54 Uhr
Diskriminierung von Mitmenschen oder Ergebnisse repräsentativer Studien?
@jetbundle

Es würde mich sehr interessieren auf welchen Daten diese Ihre Einschätzung beruht und wie genau sie diese erheben.
Comment
von jumping.higher jumping.higher ist gerade offline | 25.5.2009 22:55 Uhr
Also auch alle Säuglinge ins Säuglingsheim?
Zum Glück werden nicht alle Säuglinge in Kinderheime gesteckt, nur weil einige Eltern sie misshandeln oder gar töten. Mit der Schulpflicht verhält es sich völlig analog. Es gäbe zahlreiche Möglichkeiten, zu überprüfen, ob ein Kind zuhause angemessen spielen, lernen und sich sozialisieren kann. Daher ist eine Bildungspflicht statt Schulpflicht völlig ausreichend.
Comment
von jetbundle jetbundle ist gerade offline | 26.5.2009 2:38 Uhr
In der Praxis...
...wissen wir doch wie effizient die Aemter bei derartigen Ueberpruefungen sind.

Mit der Schulpflicht ist es halt nicht wie mit der allgemeinen Erziehung, da Heimunterricht intrinsisch nicht die angemessene ganzheitliche Bildung und Enwicklung wie die Schule bietet.
Comment
von Verena.Ahaus Verena.Ahaus ist gerade offline | 6.6.2009 14:04 Uhr
Diskriminierung von Mitmenschen oder Ergebnisse repräsentativer Studien? 2
@jetbundle

Auch hier interessiert es mich sehr, auf welchen Daten diese Ihre Einschätzung beruht und wie genau sie diese erheben.
Comment
von hungrige_Ratte hungrige_Ratte ist gerade offline | 26.5.2009 0:28 Uhr
Familiärer Unterricht bitte nicht nur für die Begabten!
Wenn Kinder in der Schule sehr schlecht sind, obwohl sie sich Mühe geben; wenn sie keinen Abschluss machen oder einen so schlechten, dass sie nicht ausbildungsfähig sind: ist das das ein Beweis dafür, dass die Schule schlecht war? Oder haben die Eltern versagt? Oder gibt es nicht auch Kinder, die akademisch schlechte Leistungen zeigen, weil sie minderbegabt sind oder an Legasthenie, Dyskalkulie, Aufmerksamkeitsstörungen, auditiver Merkschwäche, Sprachbehinderungen, Autismus, Asperger ... leiden? Gerade für diese ist familiärer Unterricht eine Chance. Die Eltern sind aber nicht Jesus, und werden deshalb i.A. keine Wunder tun. Es ist also zu erwarten, dass auch bei bestem familiären Unterricht manche Kinder eins oder mehrere akademische Ziele nicht erreichen, selbst wenn sie mehr erreichen, als es in der Schule möglich wäre. Für viele ist gerade die Abkehr von einem starren Curriculum eine notwendige Voraussetzung für den Erfolg.

Es ist also nicht gesagt, dass es für ein Kind, das in Tests schlecht abschneidet, besser wäre, in die Schule zu gehen.

Sinnvoller als Tests wären deshalb vertrauensvolle Gespräche zwischen Eltern und Experten.

Als Bemerkung an die Hausschulgegner: In Ländern, in denen diese Unterrichtsform erlaubt ist, finden sich meines Wissens nicht überproportional viele ehemalige Hausschüler in Gefängnissen oder psychiatrischen Einrichtungen. Sie beziehen auch nicht übermäßig häufig Sozialhilfe. Es gibt keine Hinweise, dass diese Bildungsform schädlich ist.

Einige Studien dazu können Sie hier finden:

http://www.netzwerk-bildungsfreiheit.de/html/studien.html

Die pauschale Unterstellung, Hausschuleltern würden ihren Kindern schaden, grenzt deshalb an diffamierende Diskriminierung.
Comment
von konstrukteur konstrukteur ist gerade offline | 26.5.2009 10:01 Uhr
Sanierung statt Heimunterricht
@ hungrige_Ratte

„Als Bemerkung an die Hausschulgegner: In Ländern, in denen diese Unterrichtsform erlaubt ist, finden sich meines Wissens nicht überproportional viele ehemalige Hausschüler in Gefängnissen oder psychiatrischen Einrichtungen. Sie beziehen auch nicht übermäßig häufig Sozialhilfe. Es gibt keine Hinweise, dass diese Bildungsform schädlich ist.“

Da sollte man vielleicht nicht die Statistiken, oder Eltern fragen, sondern ehemalige „Hausschul-Kinder“ … alle erfolgreich und gut erzogen … vielleicht nicht immer sozial und dadurch noch ein wenig erfolgreicher … die fast alle sagen, dass sie in ihrer Kindheit am meisten die Spielkammeraden vermisst haben
… überzeugte Eltern werden Zeit ihres Lebens die Augen vor diesem Argument verschliessen

… ich bin Mutter, kein Lehrer … erfolgreich trotz Legasthenie … habe Schule manchmal genau so gehasst wie mein Sohn jetzt … mag manchmal auch meine Arbeit nicht und halte es für einen wichtigen Teil des Lernens Dinge zu tun die ich nicht mag, einfach weil es notwendige Übel sind … mit Menschen umgehen zu können die ich nicht mag, einfach weil mich sicher auch nicht jeder mag … zu wissen, dass ich nicht alles kann, was ich nicht kann und das dann ohne Probleme zu zugeben … dieser Teil des Lernens ist wohl in der Kindheit der schmerzhafteste.
Schule ist manchmal schmerzhaft … das ist Leben und ich will das mein Kind lebt! - mit allen Höhen und Tiefen, denn nur dann ist es in der Lage alles das fühlen und nachfühlen zu lernen.
Ich gebe zu, wir haben uns in Deutschland ebenfalls für eine Privatschule entschieden. In der Schweiz ist er nun auf einer ganz "normalen" staatlichen Schule - das geht! Und steht in keinem Zusammenhang mit der Schulpflicht, sondern mit der Aufmerksamkeit, die ein Staat der Schule als Einrichtung für Aufenthalt und Bildung der nächsten Generation zukommen lässt.

Statt Heimunterricht sollte in Deutschland die vollumfängliche Sanierung und Neuausstattung unserer Schulen gefordert werden!
Comment
von unbekannt | 26.5.2009 11:46 Uhr
Vom Defizit zur Differenz
Sehr geehrter Autor,

ich danke Ihnen sehr für diesen Artikel!

Ich finde ihn gerade auch gut, weil er auf mich nicht wertend oder stimmungsmachend wirkt.

Ich bin Erzieherin und widme mich meinen 4 Jahren und 19 Monate alten Kindern. Es macht mir Freude und ich wünsche mir sehr die Freiheit, dass meine Erziehungs- und Bildungsarbeit nicht einfach durch einen Schulzwang beendet wird.

Es ist doch meine zuförderst obliegende Pflicht und mein Recht und ich sollte es doch nicht delegieren MÜSSEN.

Dabei werte ich nicht einfach Schule oder Kindergarten ab. Wo stehen wir denn eigentlich, wenn wir so argumentieren müssen? Ich finde, da schiessen die Zwangsbefürworter, wie auch die Regierung eher ein Eigentor. (Also, wenn ich erst beweisen muss, dass der Staat und seine Einrichtungen versagt haben...) Weiterhin sind wir alle Gemeinschaft und wir alle gestalten mit. Warum und wie lange soll ich denn abwarten und prüfen ob die Bildungsinstitutionen versagt haben? Wie viele Schäden möchte ich in Kauf nehmen? Was soll das?

Das ist doch total uneffektiv und weder im Sinne des Staates, noch einer gesellschaft, die mündige und leistungsbereite und -fähige Bürger braucht.

Ich finde durchaus auch, dass Bildungseinrichtungen saniert werden könnten- UND, wann könnte das geschehen?
Das Geld ist doch einfach nicht da.

Da ist doch der Heimunterricht wirklich GANZ EINFACH eine sehr hochwertige weitere Alternative. Eltern, die ihre Kinder selbst unterrichten wollen, können dieses gut tun und werden ja sowieso geprüft.
Das Geld, dass die Gemeinschaft so spart, kann für die Sanierung und Aufwertung der Bildungseinrichtungen eingesetzt werden. So profitieren doch alle und alle in Freiheit und in Beibehaltung ihrer Rechte und Pflichten.

Im Sinne der Regierung, der Gemeinschaft und erst Recht der Kinder und Jugendlichen wünsche ich mir, dass es nicht erst so weit kommen muss, dass Kinder oder Jugendliche zu Psychiatern gehen müssen, die ihnen dann erst die Entwicklungsmöglichkeiten NACHT
Comment
von hungrige_Ratte hungrige_Ratte ist gerade offline | 26.5.2009 23:18 Uhr
Hausschulkinder sind glücklich
@ Konstrukteur

Ich weiß nicht, woher Sie die Info haben, dass Hausschulkinder lieber in die Schule wollen, um Freunde zu haben. Wir kennen eine ganze Reihe Home-Education-Familien, sowohl in unserer Wahlheimat England als auch illegale in Deutschland sowie deustche Familien, die deshalb das Land verließen. Ich kenne niemanden, der sein Kind nicht in die Schule gelassen hätte, wenn es das wollte. Viele betreiben Home Education gerade deshalb, weil die Kinder in der Schule unglücklich waren. Und manche homeschoolen in der zweiten Generation, weil sie ihre Kindheit als glücklich in Erinnerung haben.

Schule ist keine Garantie für Freundschaft, und Gleichaltrige treffen und Freunde finden kann man auch außerhalb der Schule. Hier in England gibt es auch zahlreiche regelmäßige selbstorganisierte Aktivitäten unter Home Education Familien.

Es ist gut für Sie, wenn Sie Schule als Nettogewinn betrachten, mit allen Höhen und Tiefen - für manche ist sie, akademisch und/oder sozial ein Nettoverlust. Es muss nicht sein, dass Familien mit verzweifelten Kindern über die Grenzen fliehen - deshalb sollte die Option auch in Deutschland legal sein.

Wenn Sie sich informieren wollen, wie Home Education oft aussieht:

http://www.lifelearningmagazine.com/read.html

Viele Grüße

hungrige_Ratte
Comment
von unbekannt | 26.5.2009 11:51 Uhr
Vom Defizit zur Differenz II
....
(Entwicklungsmöglichkeiten NACH)TRÄGLICH ermöglichen, die sie brauchen. Die Last und das Leid, sowie Feindschaften für Eltern und Kinder wird dadurch ja auch viel größer als wenn von vornherein Bildungsfreiheit herrschen würde.

Meine Hochachtung, für die Eltern und Kinder, die diese Aufgabe dennoch zu meistern vermögen!

Wie gesagt, ich bin Erzieherin und ich weiss, dass viele Eltern ihre Verantwortung lieber abgeben, da sie den Anforderungen und auch Zwängen nicht gewachsen sind. SCHADE! Denn Eltern und Kinder verlieren dabei viel. Und die Kinder der Kindeskinder haben es auch schwieriger, da ihnen das vertraute und RICHTIGE Vorbild der Eltern fehlt.....

Zu den Gleichaltrigenkontakten: Ich kann für mich nur sagen, dass ich immer Kinderkontakte für meine Kinder hergestellt habe und das auch heute noch tue.
Kinder brauchen Gemeinschaft und ich denke, dass sieht auch jede Mutter, die sich ihrem Kind widmen kann.

Gleichzeitig sehe ich aber auch, dass gerade durch die Bildungseinrichtungen Kinderkontakte AUCH verhindert werden, eben WEIL so viele - fast alle- Kinder in Bildungseinrichtungen sind, auch schon die Unter-3-Jährigen!
Und in der Schule sitzen sie zwar nebeneinander, aber sind nicht zwangsläufig in hochwertiger sozialer Gemeinschaft. Weiter auch in der schulischen Freizeitbetreuung. Es ist eben unfreiheitliche Gemeinschaft. Die Kontakte und Orte sind eingegrenzt. Ich bezweifle sehr, dass das wirklich ein so erstrebenswertes Ziel ist und ich bezweifle auch, dass diese Art der Durchführung dem Sinn von entwicklungs- und bildungsfördernder Gemeinschaft wirklich entspricht.

Meine ältere Tochter besucht den Kindergarten. Ich nutze das Angebot. Sie geht aber nicht täglich und nicht volle Tage. Ich sehe den Kindergarten als wichtige und wertvolle ERGÄNZUNG und nicht als ERSATZ meiner Erziehungs und Bildungsarbeit. Ich führe meine Kinder in die Gesellschaft und auch die Kindererziehung ein.
Ich binde sie in Haushalt und Alltag ein.
Ich schaffe Tierkontakte un
Comment
von unbekannt | 26.5.2009 11:53 Uhr
Vom Defizit zur Differenz III
Ich binde sie in Haushalt und Alltag ein.
Ich schaffe Tierkontakte und erkunde Natur.

Der Kindergarten ist wertvoll UND er kann gewisse Teile, die ich wichtig finde einfach nicht leisten und ist nicht flexibel und individuell genug.

Ähnlich ist es auch mit unserem Schulsystem. Manche Teile kann es leisten, manches eben nicht.

Ich denke, die Eltern, die Freude an der Erziehung ihrer Kinder haben, haben auch eine Vorstellung, was sie ihren Kindern beibringen möchten und werden achtsam und reflektiert die Ziele erreichen wollen. Sie werden sicher nicht eingeschränkt und starrköpfig sein, weil ich weiss, dass das einfach zu Problemen führt und wiederum nicht den Zielen eines mündigen und leistungsbereitem, liebe- und verantwortungsvollen Menschen entspricht.
Comment
von unbekannt | 26.5.2009 11:54 Uhr
Vom Defizit zur Differenz III
Ich binde sie in Haushalt und Alltag ein.
Ich schaffe Tierkontakte und erkunde Natur.

Der Kindergarten ist wertvoll UND er kann gewisse Teile, die ich wichtig finde einfach nicht leisten und ist nicht flexibel und individuell genug.

Ähnlich ist es auch mit unserem Schulsystem. Manche Teile kann es leisten, manches eben nicht.

Ich denke, die Eltern, die Freude an der Erziehung ihrer Kinder haben, haben auch eine Vorstellung, was sie ihren Kindern beibringen möchten und werden achtsam und reflektiert die Ziele erreichen wollen. Sie werden sicher nicht eingeschränkt und starrköpfig sein, weil ich weiss, dass das einfach zu Problemen führt und wiederum nicht den Zielen eines mündigen und leistungsbereitem, liebe- und verantwortungsvollen Menschen entspricht.

Und Apropos Verantwortung und Vorbild: Kinder lernen eben Verantwortung, wenn ihnen Verantwortung vorgelebt wird.

Sie lernen Verantwortungslosigkeit - auch im Sinne von Ohnmacht -, wenn Verantwortung ihnen nicht vorgelebt werden kann, weil die Eltern unter Zwang gestellt werden.

Hier bin ich dann wieder bei IHREM Artikel, geschätzter Autor: Verantwortung und Bankenkrise... Vertrauen und Freiheit.... Achtsamkeit und Sorgfalt....
Die Kinder lernen am Vorbild!
Was für eine Gesellschaft wollen wir?

Hochachtungsvoll,

Katja
Comment
von dali dali ist gerade online | 1.6.2009 2:14 Uhr
Das gibt's doch nicht,
hier schlagen plötzlich pressure groups auf und wollen den Eindruck erwecken, ihre doch etwas sehr individuellen Auffassungen hätten irgendetwas mit vorherrschender Meinung zu tun?
Glücklicherweise hat ja wenigstens jetbundle, dessen Texten ich ja oft mit herzlicher Abgeneigtheit verbunden bin, versucht, dieses Bild zu entkräften.
Und hier nr mal so zur Information:
auch heute schon ist Hausunterricht, so er medizinisch oder psychosozial geboten ist, möglich und wird sogar vom Staat bezahlt.
Ebenfalls braucht man um eine private Schule zu begründen nur 6 Kinder und Lehrer, die die geeigneten Qualifikationen haben.
Unterricht durch die Eltern ist grottenfalsch, umso mehr bei Einzelkindern, da die psychosoziale Situation nur noch weiter in Richtung einer Hyper-Individualisierung verschärft wird.
Letztlich hat der fast Namensvetter von Lenzen JMR Lenz schon vor mehr als 200 Jahren sehr genau die psychologischen Probleme sowohl des Lehrers (oder wie man ihn damals nannte Hofmeister) als auch der Beschulten herausgearbeitet...
Comment
von LOA LOA ist gerade offline | 1.6.2009 23:27 Uhr
Undemokratisch und überholt
Was würde tatsächlich passieren, wenn man in der BRD Hausunterricht zulassen würde? Würde das Schulsystem kollabieren? Müssen wir Chaos und Anarchie fürchten? Warum kommen dann demokratische Länder damit zurecht?

Achtung Schule: Podcast zum Thema Homeschooling

Wir bekommen täglich Anrufe von Eltern, deren Kinder große Probleme in staatlichen aber auch in privaten Schulen haben. Mobbing und Gewalt durch Schüler und Lehrer sind leider keine Seltenheit, aber aufgrund der Schulpflicht müssen die Kinder weiterhin die Schule besuchen. Viele erkranken, müssen umgeschult werden oder enden in der Statistik der "Schulversager". Die Suizidrate unter Schülern ist höher als die der übrigen Jugendlichen und nicht selten berichten uns Eltern von Suizidgedanken ihrer GRUNDSCHULkinder.

Homeschooling könnte viel Schaden verhindern, denn selbst einer Studie zufolge ist die Schule der Unglücksfaktor Nr. 1 für deutsche Kinder.

Warum also die Angst?
Warum der undemokratische und unzeitgemäße Schulzwang?

Kann es sein, dass eine kontrollierte Bildungspflicht schlicht und einfach sehr rasch belegen könnte, dass es funktionierende Alternativen zum bisherigen Schulwesen gibt?

Fürchtet unser verstaubtes Bildungswesen, das sich -getrieben von hysterischer Testeritis- in blindem Aktionismus von einem Reförmchen zum nächsten hangelt gar die Konkurrenz?

Konkurrenz belebt das Geschäft - im Schulwesen würde es mit Sicherheit die Qualität erhöhen. Wer seine Kundschaft nicht mehr zwangsweise zugeführt bekommt, muss sich dem Wettbewerb stellen und so würden am Ende nicht nur die Homeschooler vom Fall der Schulpflicht zugunsten der Bildungspflicht profitieren - er wäre geeamtgesellschaftlich von großem Wert.

Mit freundlichen Grüßen

Angelika Bachmann
Lernen ohne Angst e.V.
Comment
von Verena.Ahaus Verena.Ahaus ist gerade offline | 2.6.2009 8:44 Uhr
Brauchen Kinder den täglichen mehrstündigen Aufenthalt in einem Raum mit einer Klasse / Gruppe anderer Gleichaltriger, um sich gesund zu sozialisieren?
Vor kurzem hat der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Franco REST hierzu Stellung genommen:

Gutachterliche Stellungnahme
Prof. Dr. Franco Rest, Professor für Erziehungswissenschaften am Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften der FH-University of applied sciences and arts, Dortmund (Januar 2009)

den vollständigen Text finden Sie hier:

http://www.cecilia-x.de/docs/Gutachten_Prof_Rest%20Sozialisation.pdf
Comment
von dali dali ist gerade online | 2.6.2009 13:35 Uhr
Passt mal uff, liebe "Gäste"
es ist hier unüblich, dass spezielle Interessen-Gruppen dieses Forum missbrauchen, um ihre sehr spezielle Auffassung eines Themas zur quasi "Öffentlichen Meinung" zu machen.
Dass Ihr Euch hier so breit machen könnt, habt Ihr dem zu verdanken, dass die Schul-Interessierten hier das Thema nicht ernst genommen haben.
Solltet Ihr also weiterhin das Forum missbrauchen, informiere ich per PN diese Schul-Interessierten und die werden Euch dann die angemessenen Antworten geben......
Comment
von Verena.Ahaus Verena.Ahaus ist gerade offline | 2.6.2009 18:19 Uhr
Don't feed trolls!
"Während einige bei derartigen Beiträgen vor allem den Wunsch zur Störung sehen, sehen manche Trolle sich selbst als Warnende, die auf gekonnt subtile bis provokante Art auf Missstände hinweisen und etwa ein Forum vor der Übermacht einer einseitigen Meinung bewahren."

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Troll_(Netzkultur)
Comment
von dali dali ist gerade online | 2.6.2009 18:58 Uhr
Tja und @verena,
wir haben hier im Forum diverse Trolle, was auch niemanden stört, wenn hier aber Leute nur bei einem Thema aufschlagen, ist das Manipulation
und
DAS PASST MIR (aber auch anderen) NICHT!!!
Comment
von Verena.Ahaus Verena.Ahaus ist gerade offline | 2.6.2009 19:27 Uhr
Comment
von Verena.Ahaus Verena.Ahaus ist gerade offline | 2.6.2009 20:42 Uhr
Jeder hat seine Themen
Jeder hat seine Themen und bringt sich ein, wenn diese aufgerufen werden.

Eines meiner Themen ist Bildung ohne Schulbesuch. Meine Kinder entwickeln sich damit einfach prächtig und sind gern und viel unter Menschen unterschiedlichen Alters. Beide haben viel Schulleid wg. Langeweile, Monotonie und Unterforderung hinter sich und ich habe viele (im Nachhinein betrachtet zu viele) Jahre gezögert und alles Erdenkliche ausprobiert, ehe ich sie von der Schule abgemeldet habe, so wie sie es sich schon lange wünschten. Es dauerte im einen Fall ein halbes Jahr im anderen zwei Monate, bis sie wieder rundum glücklich und gesund waren. Für mich ist es ein wundervolles Erleben, mir jetzt gewiss sein zu können, dass sie eine starke, gute Kindheit haben und eine Zukunft, weil sie glücksfähig und leistungsstark sind. Mein Mut dazu musste lange reifen und ich habe alles gelesen, was ich zu unseren Fragen nur in die Hände bekommen konnte. Insofern war es eine Entscheidung aus unserem persönlichen Erleben heraus. Während der Jahre der Suche bekam ich auch Bestätigung durch die jährlich durchgeführten Tests zur Entwicklung durch Fachleute mit der eindeutigen Bestätigung in Gutachten: X ist in der Lage, sich selbstgesteuert und im Homeschooling zu bilden. Zum Bildungstechnischen: entgegen meiner Erwartungen und Befürchtungen ist das das kleinste Problem von allen. Das lässt sich sehr gut managen (würde wohl jetzt hier zu weit führen...). Ich kann aus der Praxis heraus voll und ganz bestätigen, was Annette Heinbokel über Homeschooler schrieb: Unis nehmen sie besonders gern, denn sie beherrschen ihre Grundlagen. Die alte Gedankenkette Schule=Bildung=Zukunft ist m.E. überholt. Wichtig ist Glück=Lernen=Bildung=Zukunft. Meine Kinder haben die Wahl: Sie können jederzeit in eine Schule, sollten sie dies wünschen.

Neulich fand ich ein Interview von R. Kahl mit P.Sloterdijk, das mir sehr gefallen hat: "Lernen ist Vorfreude auf sich selbst".
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von dali dali ist gerade online | 3.6.2009 14:29 Uhr
@verena
der Wahn nach "Selbstverwirklichung" mancher Eltern nimmt langsam chronisch-pathologische Züge an und endet nur zu oft (bei Eltern und Kindern) entweder langjährig auf der Couch der Psychiater oder in "Gruppen".
Dieser Drang nach Individualisierung ist nicht nur in der folge ein Zerstörer jeglicher Sozietät, sie führt regelmäßig zu sozialpädagogisch zu Betreuenden Seelenkrüppeln.
es ist gut, dass gerade in unserem Lande diesem Wahn Grenzen gesetzt sind...
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von LaraM LaraM ist gerade offline | 3.6.2009 16:30 Uhr
Sozialverhalten
@Dali

Menschen, die sich selbst verwirklichen konnten, sind meist gegenüber Andersdenkenden tolerant. Ihnen fehlen die Scheuklappen und sie haben eine freiere Sicht auf die Dinge. Auch haben sie meist soviel Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten, dass sie anderen Menschen mehr zutrauen. Beides gehört für mich zu gutem Sozialverhalten. Ich sehe kaum, dass Anhänger der Bildungsfreiheit Schulbefürworter angreifen - nur umgekehrt. Ebenso ist es mit Schulmedizin und Naturheilkunde.

Hier sprechen Statistiken und Zahlen für sich und auch Familienrichterin Seeliger hat erkannt, dass man häufig nicht zum Wohle des Kindes entscheidet, nur weil man einen Eingriff in vorhandene Machtgefüge befürchtet:
http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2008/0814/kinderpsychiatrie.php5

Leider sind die Schulkinder der heutigen Zeit die sozialpädagogisch zu betreuenden Seelenkrüppel und füllen die Praxen der Kinder-ärzte und Psychiater mit steigender Tendenz:
http://www.kinderkompetenz.com/index.php?pageid=060115003
Die Nachfrage ist derart gestiegen, dass mit langen Wartezeiten gerechnet werden muss.

Man wird aber in all den Ländern, in denen Homeschooling erlaubt ist, wenige dieser Kinder in Behandlung finden.
Dort macht man sich schon teilweise lustig, über die Deutschen, sie so an ihrer Schulpflicht festhalten.
Vielleicht möchten die Schulbefürworter die Anhänger der Bildungsfreiheit mundtot machen, damit die Wahrheit nicht ans Licht kommt?

Also - bleib mal locker, lieber Dali.

Schöne Grüße
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von Verena.Ahaus Verena.Ahaus ist gerade offline | 3.6.2009 17:10 Uhr
Empowerment im Angesicht globaler Veränderungen Teil 1
Dieses Zitat las ich beim Empowerment- Kongress 2007 in Magdeburg. Ich finde es sehr wichtig, um mir Rückmeldung zu geben, was ich tue, wenn ich mich gegen alle Schulzwängen für die Zukunft meiner Kinder entscheide.

" Was ist nun Empowerment genau? Empowerment meint die Stärkung von emotionalen und kognitiven Potenzen, von Selbstbemächtigung und Selbstbefähigung, von Selbstverfügung und Eigenkräften. Es will ein Bewusstsein für personale und soziale Kompetenzen schaffen und Ressourcen freizusetzen, die durch bestimmte Umstände daran gehindert worden sind, sich zu entfalten. Empowerment will für Menschen die Möglichkeiten erweitern, ihr Leben selbst zu bestimmen (Rappaport, 1985, S, 269). Empowerment rekurriert gleichermaßen auf individuelle und kollektive Kräfte. Es ist das Gegenteil der Aneignung von Macht durch die Entmächtigung anderer. Daraus ergibt sich ein konsequenter Verzicht auf die Schuldzuweisung an Schwächere.
Gemeinhin werden zwei Typen unterschieden: Die Einwirkung von Empowerment auf sich selbst (self-empowerment) und die Einwirkung auf Andere (to empower people). Im ersten Fall werden sich Menschen aus eigenem Antrieb, vielleicht aus der Reflexion von persönlichen Niederlagen und Widersprüchen, ihrer vermeintlichen Ohnmacht bewusst. Sie werden zu aktiv handelnden Akteuren, die ein Mehr an Selbstbestimmung, Autonomie und Lebensregie erstreiten. Sie entwickeln eine psychologische Gewissheit ihrer Selbstwirksamkeit und lernen, für die eigenen Bedürfnisse, Interessen, Wünsche und Phantasien aktiv einzutreten. Empowerment steht hier für einen emanzipatorischen, selbstinitiierten und eigengesteuerten Prozess, für Eigen-Sinn, Selbsthilfe und aktive Selbstunternehmung der Betroffenen (Herriger, 2006)."
Comment
von Verena.Ahaus Verena.Ahaus ist gerade offline | 3.6.2009 17:12 Uhr
Empowerment im Angesicht globaler Veränderungen Teil 2
Self-Empowerment fördert die Bereitschaft und die Fähigkeit, sich belastenden persönlichen Schwierigkeiten, gesellschaftlichen Problemen und bedrohlichen Umweltszenarien aktiv zu stellen und nicht zu Mustern der De-Realisation, Verleugnung und Vermeidung Zuflucht zu suchen. Das positive Kapital ermutigender Erfahrungen macht es den Menschen möglich, Resignation zu überwinden und sich mit der Vielfalt menschlicher Lebensentwürfe und Wirklichkeiten auseinander zu setzen sowie sich bei Bedarf auch offensiv einzubringen.
Im zweiten Fall geht es um die zivilgesellschaftliche Unterstützung von Autonomie und eigenverantwortlichem Lebensmanagement durch professionelle Helfer. Das Empowerment richtet sich an Menschen, die in Situationen des Mangels, der Benachteiligung oder der gesellschaftlichen Ausgrenzung leben. Die Helfer verzichten auf den Status von Experten und entmündigende normative „Fach“-Urteile. Sie regen Prozesse von Selbstgestaltung und Muster solidarischer Vernetzung an. Empowerment stellt somit ein Ausweg aus der "Fürsorge-Falle" der sich perpetuierenden institutionalisierten Hilfen und der erlernten Hilflosigkeit dar. Die Zunahme der Fähigkeiten zur Selbstorganisation von Menschen geht einher mit einem Wechsel im beruflichen Selbstverständnis der Helfer, zu einem weitreichenden Paradigmenwechsel. Sie führt zum Disempowerment traditioneller beruflicher Helfer, die ihre Klienten – oft ungewollt - in Abhängigkeit von sich bringen und sie bevormunden.
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von Verena.Ahaus Verena.Ahaus ist gerade offline | 3.6.2009 17:13 Uhr
Empowerment im Angesicht globaler Veränderungen Teil 3
Empowering people beruht auf der prinzipiellen Überzeugung, dass allen Menschen gleiche Rechte zustehen. Dazu gehören der Zugang zu Bildung, Gesundheit und sozialer Sicherung am Anfang des Lebens – gleichgültig was der Einzelne als Erwachsener im Laufe seiner Biographie schließlich daraus macht. Ebenso grundlegend ist das Vertrauen in die „Menschenstärken“, die Fähigkeit von Menschen zu Selbstaktualisierung und zu personalem Wachstum sowie der Respekt vor der Selbstverantwortung sowie unkonventionellen Lebensentwürfen. Empowering people hat zum Ziel, allen Menschen genügend inhaltliches und instrumentelles Wissen an die Hand zu geben, um über Gesellschaft bestimmen zu können. Sie sollen frei und gleich über die Verteilung der existentiellen „Lebensgüter“ mitbestimmen. Dies betrifft alle vitalen Bereiche („Think global, act local!“).
Naturgemäß wird den meisten Menschen indes die Gestaltung ihrer unmittelbaren Lebenswelt am nächsten stehen. Partizipationsverfahren, Verfahren der Bürgerbeteiligung, die allerdings erst noch entwickelt werden müssen, gewährleisten, dass die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen vor Ort die angemessene Berücksichtigung finden. Professionelles Empowerment, das als ermöglichendes Helfen auftritt, befördert die Beteiligung aller Bürger an ihren Angelegenheiten, an der Organisation von lokalen Dienstleistungen und Produktionsstätten unter rationalen wirtschaftlichen Bedingungen. Selbsthilfe, Selbstunternehmung und solidarische Ökonomie stellen dann zentrale Elemente lokaler Politik dar. Die kollektive Selbstregelung wird durch niedrigschwellige Verfahren in kleinen lokalen Zirkeln vorgenommen und in zivilgesellschaftlichen Verträgen festgeschrieben.
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von Verena.Ahaus Verena.Ahaus ist gerade offline | 3.6.2009 17:14 Uhr
Empowerment im Angesicht globaler Veränderungen Teil 4
Was tun? - Umsetzung des Empowerments
Wie gezeigt wurde, ist die postmoderne Bürgergesellschaft offensichtlich im Begriff auseinander zu fallen. Während der erste Teil über hoch angepasste Bildung, gutes Einkommen und beträchtlichen Besitz verfügt, bestimmen Mangel und Unsicherheit permanent das Lebensgefühl des zweiten. Dieser zweite Teil erlebt sich als schlicht ausgeschlossen. Er findet fast nirgends mehr Orte, wo er verlässlich seine Fähigkeiten und Talente einbringen kann. Akzeptieren wir widerspruchslos das Ende des Sozialstaats, der gemeinsamen Werte von Solidarität und Brüderlichkeit, die uns seit der französischen Revolution begleiten? Die Antwort kann vernünftigerweise nur nein heißen!
Was aber tun? Empowerment kann zu einem machtvollen Instrument werden, das hilft, die aufgezeigten Entwicklungstendenzen umzudrehen. Es versetzt die Bürger in die Lage, die Lösung ihrer Problemen selbst in die Hand zu nehmen. Dies bedarf unterschiedlichster Akteure und Strategien. Vor allem anderen aber braucht es eine professionelle »Kultur des Helfens«, die gleichermaßen über psychologische, gesundheitsfördernde sowie sozial-pädagogische, ökonomische und administrative Kompetenzen verfügt und darüber hinaus zur politischen Willensbildung im Kleinen und im Großen fähig ist. Diese professionelle »Kultur des Helfens« ist gekennzeichnet durch Klienten-, Lebenswelt- und Ressourcenorientierung sowie partizipative kommunale Entscheidungselemente. Die »Kultur des Empowerments« hat überall Platz, im partnerschaftlichen Dialog zweier Menschen und in thematischen Selbsthilfegruppen ebenso wie in Solidargemeinschaften im Stadtteil mit flachen Hierarchien, in umfassenden Projekten der Bürgerinitiativen ebenso wie in nichtstaatlichen Organisationen, die weltweit aktiv sind..."
Quelle: Meinrad M. Armbruster (2007): Vortrag am 2. Mai 2007 zur Eröffnung der Ringvorlesung „Empowerment“ an der Hochschule Magdeburg - Stendal (FH): Empowerment im Angesicht globaler Veränderungen – Philosophie und Handwerkszeug
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von Verena.Ahaus Verena.Ahaus ist gerade offline | 3.6.2009 18:03 Uhr
Gesellschaftlicher Nutzen von Bildung ohne Schulbesuch
Auch die Bürger, die ihre Kinder nicht zu Haus lernen lassen können, weil es ihr Beruf schlicht und einfach nicht zulässt, haben Anspruch auf das Elternwissen:
Wie mein Kind gesund geworden ist, nachdem ich es aus der Schule genommen habe.
Was Modediagnosen taugen, mit denen die Schulkummerursache Nummer 1 die Schule selbst immer und immer wieder auf die alleinigen "Fehler" von Familie und Kind wegerklärt werden.
Momentan werden dem Bürger genau diese Hospitationsräume und Erfahrungen verweigert, die er haben könnte, würde Bildung ohne Schulbesuch legalisiert. Die Angst davor ist groß. Perls sagte einmal: Wo die Angst sitzt, da gehts lang. Zusatz von mir: Zu neuen Erkenntnissen.

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