Studentenprotest
Charité-Bibliothek besetzt
Etwa hundert Medizinstudierende haben am Mittwochabend nach eigenen Angaben die Bibliothek der Charité im Bettenhochhaus in Mitte besetzt. Sie wollten damit gegen eine bevorstehende Einschränkung der Öffnungszeiten protestieren, erklärte Sebastian Lange von der Fachschaftsinitiative der Charité.
Statt bis 20 Uhr solle die Bibliothek künftig nur noch bis 17 Uhr geöffnet sein. Rund vierzig der Protestierenden hätten die gesamte Nacht zu Donnerstag in der Bibliothek verbracht. Am Donnerstag habe man die Besetzung unterbrochen, um den Kommilitonen das Lernen zu ermöglichen. In der Nacht zu Freitag wollte man aber weitermachen, sagte Lange. Die Protestierenden würden sich auch mit dem Bildungsstreik solidarisieren. Sie forderten eine größere soziale Durchlässigkeit im Studium sowie mehr Transparenz und Mitbestimmung. Im Medizinstudium müsse es mehr Zeit für ein Studium generale geben. „Wir wollen Bildung statt Fachidiotie“, sagte Lange. Die Charité teilte mit, die Fakultät und die Bibliotheksleitung würden mit den Studierenden intensive Gespräche über ihre Anliegen führen. Die Charité nehme die Anliegen der Studierenden ernst. Das Klinikum sehe sich aber angesichts des finanziellen Drucks gezwungen, auch die Bibliothek in die nötigen Sparmaßnahmen einzubeziehen. tiw
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 27.11.2009)

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Kommentare [ 5 ] Kommentar hinzufügen »
Das verstehe ich nicht, daß an einem Ausbildungs-Klinikum
ausgerechnet bei der Bibliothek gespart wird.
Wo sonst sollen die Studierenden in Ruhe nachlesen?
Dagegen läßt die Charité zu, daß Millionen € für angebliche
Nebentätigkeiten von Professoren, an diese verschenkt werden.
Anstatt einzufordern.
Charité-Profs verdienen Millionen mit Nebentätigkeiten
Andere Punkte sind das Selbstverständnis der Medizinstudierenden: Das zu Propagandazwecken zitierte schlechte Abschneiden Berliner Studierender im 2. Teil der Ärztlichen Prüfung mag an schlechter Lehre und mangelnden Öffnungszeiten der Bibliotheken liegen. Wahrscheinlicher jedoch ist der Grund in der Motivation, der Leistungsbereitschaft und der Idiosynkrasie der in dieser Stadt einmaligen Studierendenpopulation zu suchen. Zur Verbesserung der Prüfungsergebnisse sollte an diesen Punkten min. ebenso gearbeitet werden wie an der Bibliotheksausstattung. Leider wird dieser Punkt öffentlich nicht erwähnt.
Ich finde es weiterhin unprofessionell, als zukünftige Mediziner mit solch polemisch geführten Diskussionen und Aeusserungen wie derjenigen, Professoren sollten ihre Rabattmoeglichkeiten bei Verlagen für die Anschaffung von Fachbüchern nutzen oder Abschaffung der Anwesenheitskontrolle bei Patientenunterricht in der Öffentlichkeit aufzutreten. Es wird dabei verkannt, dass von Medizinstudenten schon während des Studiums ein professionelleres Verhalten erwartet wird als von Studierenden andere Fächer.
MedStudent
Es kann sein, dass es bisher möglich gewesen ist sein Studium zu absolvieren ohne ein Buch zu kaufen. Dies wird sich jedoch ändern, denn Fakt ist dass die Bibliothek in Zukunft stark einsparen muss. Diese Einsparungen betreffen nicht nur das Personal der Bibliothek sondern auch die Anzahl der Neuanschaffungen. Es wird zu drastischen Verkürzungen der Öffnungszeiten, wie im Artikel genannt kommen. Dadurch ist die Situation auf die mein Vorredner anspricht nicht mehr gegeben.
Desweiteren möchte ich klarstellen, dass die Menge der BesetzerInnen und der FSIler disjunkt ist.
Die Behauptung, dass die Leistungen der Studenten im 2. Teil der Ärztlichen Prüfung im direktem Zusammenhang mit der Lokalität stehen, ist so nicht tragbar, da nicht bewiesen. wenn ein Zusammenhang bestehen würde, müsste dies meiner Meinung nach auch die Leistungen der Studierenden im Physikum betreffen. Dies ist nicht der Fall.
Zum Schluss fordern die Besetzer nicht eine Abschaffung der Anwesenheitskontrolle, sonder der AnwesenheitsPFLICHT. Diese Anwesenheitspflicht betrifft momentan jedes Seminar und jedes Praktikum. Dies ist bereits in der Vorklinik so in der es kein Unterricht am Patientenbett gibt. Die Besetzer fordern auch die Abschaffung des verschulten Systems und fordert sogar explizit ein selbstständiges Lernen, wie sich leicht auf der Homepage (www.sparite.de) nachlesen lässt. Der Sinn hinter dieser Forderung ist es den Medizinstudenten zu einer mündigen Person zu erziehen die selbstverantwortlich ihr Verantwortung in die Hand nimmt und so später zu einem sehr guten Arzt wird.
Ich hoffe ich konnte einige Unklarheiten damit beseitigen.
Ein Student an der Charité
Ich will diese Behauptung auch belegen: Ich stelle nicht in Frage, dass es Einsparungen geben wird, allerdings wird es, auch bei einer Reduktion der Neuanschaffungen und der Öffnungszeiten, weiterhin möglich sein, das Studium mit dem vorhandenen Bestand zu meistern - wobei es mit größeren Unannehmlichkeiten als jetzt verbunden sein wird. Mein Vorredner versucht in diesem Punkt zu polemisieren und verkennt die Realität.
Die Aussage, die Menge der Besetzer und der 'FSIler' sei disjunkt, d.h. ohne gemeinsames Element, ist schlichterwegs falsch, insofern als dass die Schnittmenge der beiden angesprochenen Mengen nicht leer ist. Es zeugt von Unbedachtheit, Unwissen oder mutwilliger Falschinformation, soetwas zu behaupten. Stellungnahme?
Mit Bezug auf den 3. Absatz meines Vorredner kann ich sagen, dass ich keine Behaubtung aufstellte, sondern den Blick auf eine weitere mögliche Erklärung zu lenken versuchte: Die Studierenden selbst. Möchte mein Vorredner behaupten, diese Möglichkeit sei ausgeschlossen? Dies erschiene mir doch etwas kurzsichtig und undifferenziert, wenn es so wäre.
Ich befürworte das Bekenntnis zu Mündig- und Verantwortlichkeit, bezweifle jedoch, dass dieses Ziel durch eine Abschaffung der Anwesenheitspflicht erreicht wird und befürchte eher, dass das Leistungsniveau abfallen wird; eine Aussage hierrüber kann erst nach sinnvoller Evaluation getroffen werden.
Ich hoffe, die 'Besetzer' werden die Diskussion in Zukunft selbstkritisch, unpolemisch und konstruktiv führen, ihre Argumente an der Realität ausrichten und nicht versuchen, mit bewussten Falschaussagen und Übertreibungen die öffentliche Meinung zu manipulieren. Das erschiene mir unprofessionell und dem Status als Medizinstudent nicht angemessen.
Ich finde es bemerkenswert und bin stolz darauf, dass die Charitéstudenten einen konstruktiven, das Lernen unterstützenden Beitrag zum Streik leisten und sich nciht wie andernorts zu zerstörerischen Akten hinreissen lassen.
Aber es ist auch klar, dass man nach der ersten Aufregung die Frage der Bibliotheksöffnungszeiten jetzt durchdacht und demokratisch angehen muss und sich vor allem nicht in andere Themen verlieren darf. Jetzt geht es darum, die Forderung auch unter Leistung eigener Opfer realistisch umzusetzen. Dazu bedarf es vor allem der langfristigen Unterstützung durch möglichst viele Studenten-dann wird sich ja zeigen, wie ernst es ihnen damit ist.Ich denke nämlich, je mehr Eigeninitiative wir zeigen desto deutlicher wird, wie wichtig uns die Bibliothek ist und desto eher können wir eine Wiederaufstockung der Mittel erwarten.