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Die FU fällt in der Lehre zurück

Präsidium plant Offensive und überdenkt Bachelor
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Bewegte Zeiten. Soeben errang die FU - hier Blick in ihre Bibliothek - den Elitestatus, jetzt soll die Superuni kommen. - Foto: Thilo Rückeis
Die Freie Universität wird im kommenden Jahr eine siebenstellige Summe aus Landesmitteln verlieren, weil sie in der Lehre gegenüber der TU und der HU weniger leistungsfähig ist. Das teilte Dieter Lenzen, Präsident der FU, am Mittwoch im Akademischen Senat der Hochschule mit. Es handle sich um einen „massiven Einbruch“, die Summe entspreche 40 Mitarbeiterstellen. Berlins Unis erhalten einen wachsenden Teil ihres Landeszuschusses im Wettbewerb untereinander – im Jahr 2008 bereits 30 Prozent. Zu den Leistungskriterien des Senats gehört auch die Zahl von Absolventen, die die Unis in der Regelstudienzeit zum Ziel führen.

Das FU-Präsidium will nun eine „Qualitätsoffensive Lehre“ starten. In den Zielvereinbarungen mit den Fachbereichen sollen jeweils bestimmte Maßnahmen festgelegt werden. In einem Papier mit Eckpunkten schlägt die Uni-Leitung ein „Self-Assessment-Verfahren“ für Studienbewerber und studienvorbereitende Brückenkurse vor. Mentoringprogramme und die Studienfachberatung sollen ausgebaut werden. Die Fachbereiche sollen sicherstellen, dass Studierende nicht bestandene Prüfungen zeitnah wiederholen können. Die Fachbereiche sollen sich auch flexibler verhalten, wenn es darum geht, externe Bewerber zu Masterstudiengängen zuzulassen.

Warum beenden an der FU weniger Bachelor-Studierende als an den beiden anderen Unis ihr Studium in der Regelstudienzeit? Bestimmte Studiengänge müssen entrümpelt werden, sagte FU-Vizepräsidentin Christine Keitel-Kreidt. Aus Sicht des FU-Präsidiums ist für die häufige Überschreitung der Regelstudienzeit an der FU aber vor allem eine Spezialität des Studienprogramms verantwortlich.

An der FU kann der Bachelor anders als an allen anderen deutschen Universitäten mit einem Hauptfach und zwei Nebenfächern studiert werden (an der FU Kernfach und Modulangebote genannt). Andernorts ist höchstens ein Nebenfach im Bachelor möglich. Den Studierenden der FU steht damit zwar eine Fülle von Kombinationen offen. Doch aufgrund der Personalsituation kann unmöglich jede einzelne Kombination von der Uni so angeboten werden, dass sich Pflichtveranstaltungen der gewählten Fächer nicht doch überschneiden. Deshalb müssen die Studierenden ihr Studium verlängern. Im Sommersemester wählten die 464 Studierenden, die den Bachelor mit zwei Fächern studierten, 393 unterschiedliche Kombinationen. Nur fünf Kombinationen wurden von mehr als drei Studierenden belegt.

Problematisch ist aus Sicht der Uni-Leitung auch, dass viele Studierende sich ein Bachelorstudium zusammenstellen, das zumindest auf den ersten Blick nicht zu einem „definierbaren Qualifizierungsziel“ und zur im Bachelor verlangten Berufsbefähigung führt. So habe ein Studierender Niederlandistik zusammen mit Judaistik und ostasiatischer Kunstgeschichte gewählt, berichtete Beate Hammers, Leiterin der Abteilung für Lehr- und Studienangelegenheiten. Ein weiterer habe sich für Theaterwissenschaften, Chinastudien und Italienisch entschieden.

In der Regelstudienzeit bleiben aber zumal diejenigen Bachelorstudierenden, die nur ein Fach gewählt haben („Mono-Bachelor“). 67 Prozent derjenigen Studierenden, die jetzt pünktlich ihr Masterstudium aufgenommen haben, studierten im „Mono-Bachelor“. Nur 33 Prozent der Masterstudierenden haben Kombinationsbachelor studiert, unter diesen sind nur drei Studierende, die mit zwei Nebenfächern in der Regelstudienzeit fertig geworden sind. Die Uni-Leitung will den Drei-Fach-Bachelor jetzt „kritisch überprüfen“. Auch sollen bestimmte Fächer im Zwei-Fach-Bachelor die Gewichte deutlicher auf das Kernfach verschieben: auf 120 Leistungspunkte von jetzt 90 Leistungspunkten. Das Nebenfach hätte dann nur noch dreißig statt wie bisher 60 Leistungspunkte.

Als sich die FU für den Drei-Fach-Bachelor entschied, geschah dies, um die kleinen Fächer besser in die Studienreform integrieren zu können. Die Kapazitäten in den kleinen Fächern reichen oft nicht, um Studienangebote mit 60 Leistungspunkten bereitzustellen. Auch könnte die Schwelle für Studierende, ein Orchideenfach wie ostasiatische Kunstgeschichte zu wählen, kleiner sein, wenn es im Studium nur mit 30 Leistungspunkten als eines von zwei Nebenfächern zu Buche schlägt. Aus Sicht des Präsidiums wäre es jedoch eine bessere Lösung, wenn sich fortan jeweils zwei kleine Fächer zusammentun und sich auf ein gemeinsames Angebot mit 60 Punkten verständigen. Anja Kühne

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 21.12.2007)
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