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Weltklimarat

Erodiertes Vertrauen

Falsche Angaben zum Schmelzen von Gletschern, Honorare von großen Unternehmen für Beratungen: Rajendra Pachauri, Chef des Weltklimarats, gerät zunehmend in die Kritik. Soll er zurücktreten?
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Greifbar. Die grundlegenden Aussagen des IPCC-Berichts werden durch die falschen Angaben zum Gletscherschwund nicht beeinflusst. Eine lautet: In manchen Gegenden, die bisher ausreichend Regen erhielten, wird es zu langen Dürreperioden kommen. Foto: p-a/dpa dpa-Zentralbild
Das Vertrauen in Rajendra Pachauri sinkt. Hat der Chef des Weltklimarates IPCC wissentlich falsche Angaben zum Rückgang der Himalaja-Gletscher benutzt, um an Forschungsgeld heranzukommen? Hat er die Regeln seines Gremiums missachtet, die jeden Forscher verpflichten, zwar „politikrelevant, aber doch politikneutral und keinesfalls politikbestimmend“ zu sein? Einige Klimaforscher fordern bereits seinen Rücktritt. Andere sind zurückhaltender, wollen keinen offiziellen Kommentar abgegeben. Eine entschiedene Fürsprache ist allerdings auch nicht darunter.

In einem Interview, das am Freitag im Fachmagazin „Science“ veröffentlicht wurde, äußert sich der Vorsitzende des IPCC zu den Vorwürfen. Die Kritik fokussiert sich derzeit nicht nur auf den „Gletscherfehler“ (siehe Kasten), sondern auch auf seine Beraterhonorare, etwa 100 000 Euro von der Deutschen Bank oder 80 000 Dollar von Toyota.

Auf die Frage, ob er, zumal als IPCC-Vorsitzender, in Bezug auf die Beratertätigkeiten einen Interessenkonflikt sieht, antwortet Pachauri: „Ich sehe da überhaupt keinen Konflikt.“ Er sei ein bezahlter Angestellter des nichtstaatlichen Instituts für Energie und Ressourcen (Teri), nicht des IPCC, da könne er jeden auf der Welt beraten, sofern das Geld dafür an sein Institut fließt.

Auch das Renommé des Weltklimarates sieht er nicht in Gefahr. „Ich glaube, die Glaubwürdigkeit des IPCC kann nicht beschädigt werden. Wenn es ihn nicht gäbe, warum sollte sich dann jemand Sorgen über den Klimawandel machen? (...) Unsere Rechtfertigung liegt in unserer Leistung.“ Letztlich liege die Verantwortung aber bei ihm, sagt Pachauri. „Ich bin der Vorsitzende, ich werde mich nicht vor der Verantwortung drücken.“

Der Tag, an dem er die Konsequenz daraus ziehen muss, könnte kommen. Vor einer Woche forderten drei Wissenschaftler den Rücktritt Pachauris. In einer auf „Spiegel Online“ veröffentlichten Petition tragen Hans von Storch vom GKSS Geesthacht, der Nachhaltigkeitsforscher Richard Tol aus Dublin und Umweltforscher Roger Pielke Jr. aus Boulder ihre Argumente zusammen. Pachauri sei in den vergangenen Monaten offen als politischer Akteur aufgetreten. Etwa als er zu geringerem Fleischkonsum aufrief oder die US-Regierung aufforderte, eine bestimmte Klimapolitik zu beschließen. „Er hat nicht verstanden, dass man sich als wissenschaftlicher Berater aus dem politischen Prozess, den man berät, heraushalten sollte“, schreiben die drei.

Nicht nur an Pachauri üben die Autoren harsche Kritik. Der ganze Weltklimarat benötige eine tiefgreifende Reform, vom Begutachtungsverfahren der Publikationen bis zu transparenten Ernennungen und Entscheidungen. Über kurz oder lang würden „parteiische Ratschläge ebenso offenbar wie schlampige Forschung“.

Die Reaktionen von anderen Wissenschaftlern sind verhaltener. „Ich fordere erst mal keinen Rücktritt Pachauris“, sagt etwa Peter Lemke vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven und einer der führenden Autoren von Band 1 des jüngsten IPCC-Reports. „Welche Rolle Pachauri im Einzelnen bei dem Fehler um die Gletscherdaten gespielt hat, kann ich nicht beurteilen“, sagt er. Da der Vorsitzende des IPCC bisher einen guten Job gemacht habe, will ihn Lemke so schnell nicht fallen lassen.

Dennoch sieht er die Glaubwürdigkeit des Gremiums durch die aktuellen Geschehnisse gefährdet. Die Behauptung, dass vermutlich noch weitere Fehler gefunden werden, weil das bei einem derart umfangreichen Werk mit jeweils hunderten Fakten pro Seite nach den Gesetzen der Statistik nicht zu vermeiden sei, weist Lemke zurück. „Da widerspreche ich ganz entschieden! Zumindest bei der Arbeitsgruppe 1, der ich angehört habe, bin ich mir sehr sicher, dass keine Fehler gefunden werden.“ Zu fast 100 Prozent seien dort wissenschaftlich geprüfte Studien genutzt worden und nicht „graue Literatur“ wie es beim Gletscherfehler der Fall war. Zudem seien alle Aussagen dreimal durch eine Begutachtungsrunde gegangen.

Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sieht das etwas anders. „Es können immer Fehler passieren, die auch bei der Begutachtung übersehen werden“, sagt er. „Wir hatten vor drei Jahren in der Arbeitsgruppe 1 rund 30 000 Review-Kommentare, die muss man erst mal in den Griff bekommen.“ Was den Chef des IPCC betrifft, ist Rahmstorf ebenfalls zurückhaltend: „Ich habe mich damit nicht so genau befasst, das möchte ich nicht kommentieren.“

Anders fällt sein Urteil zur publikumswirksamen Rücktrittsforderung seines Kollegen aus. „Von Storch ist seit Jahren dafür bekannt, dass er gern in den Medien ist und politische Forderungen stellt.“ Die Fachkollegen würden das nicht so ernst nehmen. Er habe von keinem gehört, der die Forderung unterstütze. „In der Öffentlichkeit entsteht dadurch aber ein verzerrtes Bild“, sagt Rahmstorf.

„Offiziell haben wir vorerst keine weiteren Unterstützer gefunden“, berichtet von Storch per E-Mail aus den USA. „Aber ich habe gerade mit diversen internationalen Leitautoren der Arbeitsgruppe 1 des IPCC gesprochen und keiner hat Vertrauen zu Pachauri (oder „Pachi“ wie er hier genannt wird) geäußert.“

Letzte Woche hatte bereits der kanadische IPCC-Autor Andrew Weaver den Rücktritt Pachauris gefordert. Aber nicht nur wegen der jüngsten Vorkommnisse. Pachauri habe in den letzten Jahren mehrfach die gebotene Unabhängigkeit verloren und sich stark in die Politik eingebracht, sagte er „Canwest News Service“.

Mike Hulme von der Universität East Anglia formuliert es vorsichtiger. „Die Frage, ob Pachauri der geeignete Mann für die Führung des IPCC ist, müssen die 193 Staaten klären, die am Weltklimarat beteiligt sind. Es ist eine politische Entscheidung“, zitiert ihn die „Times“.

Mojib Latif vom IFM-Geomar in Kiel gibt sich ebenfalls diplomatisch. „Die Verwicklungen Pachauris mögen stimmen, vielleicht auch nicht, das kann ich nicht beurteilen.“ Der IPCC habe aber in jedem Fall Schaden genommen. „Fehler passieren, keine Frage.“ Wenn damit aber nicht offensiv umgegangen wird, entsteht der Eindruck, da solle etwas verheimlicht werden. „Und das ist hier geschehen, das muss in Zukunft unbedingt anders werden“, fordert Latif.

Wie alle Kollegen hebt er nochmals hervor: Die grundsätzlichen Aussagen des Reports – steigende Temperaturen, steigender Meeresspiegel, Rückgang des arktischen Eises – gelten nach wie vor. „Daran wird sich nichts mehr ändern.“

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 01.02.2010)
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Kommentare [ 10 ] Kommentar hinzufügen »

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von remember remember ist gerade offline | 31.1.2010 17:49 Uhr
Es geht um das liebe Geld
Das Klima ist doch vollkommen nebensächlich und dient nur dazu den Menschen Angst zu machen, sie mit Prophezeiungen zu schocken, die den nahen Untergang an die Wand malen und die Geldbörsen öffnen. Klimainstitute bekommen Milliarden, damit sie neue Prophezeiungen verbreiten, an die sich nach wenigen Jahren keiner erinnern kann. Der Mensch ist sehr vergesslich. Glaubt man all den Angaben, so hätten wir ja schon eine Waldlose Welt, mit sauren Böden, vergifteten Meeren und eine vor UV-Strahlung strotzende Atmosphäre. Die Prphezeiungen sind nicht eingetreten, da muss man doch etwas drehen können, damit wieder Geld locker gemacht wird.
CO2 war von Stund an die Parole und damit man sich nicht verzettelt, wurden alle Kritiker in den eigenen Reihen des IPCC gefeuert, zum Gehen gezwungen, bis man unter sich war - Der Guru steht nicht mehr in Frage.
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von kdb-hyb kdb-hyb ist gerade offline | 1.2.2010 14:02 Uhr
Sehr guter Kommentar @remember
Ein erster Indikator, dass irgendwas falsch läuft in einer wissenschaftlichen Hype, ist die Tatsache, dass Kritiker mundtot gemacht werden oder die Diskussion abgeblockt wird. Wenn viele in die gleiche Richtung laufen, ist das immer verdächtig, dass Massenhysterie dahinter steckt.
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von commentator commentator ist gerade online | 23.2.2010 12:29 Uhr
noremember


Zitat von remember

Klimainstitute bekommen Milliarden



Ich kann mich nicht remembern, dass auch nur ein einziges Klimainstitut Milliarden bekommen hätte.

Nennen Sie doch 'mal eines.
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von lindblom lindblom ist gerade offline | 31.1.2010 18:59 Uhr
Hellseher?


Zitat von Mojib Latif

Die grundsätzlichen Aussagen des Reports – steigende Temperaturen, steigender Meeresspiegel, Rückgang des arktischen Eises – gelten nach wie vor. „Daran wird sich nichts mehr ändern.“



Hr.Latif lehnt sich aber sehr weit aus dem Fenster...
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von aerosol aerosol ist gerade offline | 31.1.2010 19:40 Uhr
die Kuh muß gemolken werden!!
siehe auch Schweinegrippe und das Robert Koch Institut. Viel Lärm um nichts.
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von heinzgen heinzgen ist gerade offline | 1.2.2010 10:45 Uhr
Jaja, die Voraussagen des Herrn Latif


Zitat von Mojib Latif

Die grundsätzlichen Aussagen des Reports – steigende Temperaturen, steigender Meeresspiegel, Rückgang des arktischen Eises – gelten nach wie vor. „Daran wird sich nichts mehr ändern.“




Zitat von Mojib Latif im Jahr 2000

Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben

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von eilbekermicha eilbekermicha ist gerade online | 1.2.2010 17:45 Uhr
Weltklimarat IPCC korrigiert seine Berichte
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/1116939/
"Ausgerechnet ein ausgewiesener Kritiker des IPCC warnte denn auch am Wochenende vor übereilten Schlüssen. Der Weltklimarat sei zwar reformbedürftig, betonte Hans von Storch vom GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht bei Hamburg. Aber die aktuelle Fehlerdiskussion ändere nichts an der Tatsache, dass sich das Klima unter dem Einfluss des Menschen weiter erwärmen werde."
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von krebstakis krebstakis ist gerade offline | 2.2.2010 18:32 Uhr
Mojib Latif
äußerte kürzlich in einem Interview der "Berliner zeitung" auf die Frage,wie es denn trotz Erderwärmung zu dieser Kälte kommt:"Die Erderwärmung"hat zur Zeit eine Auszeit genommen.Nun dann kann man nur hoffen,das sie sich bei Herrn Latif abgemeldet hat und einen Urlaubsschein beantragt hat,die Pflichtbewußte Erderwärmung.
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von klasse35j3 klasse35j3 ist gerade offline | 3.2.2010 19:10 Uhr
Kaempfe in Inoffiziellen Ringen um Vorherrschaft
Dass in der Klima-Diskussion mit harten Banderolen in nicht oeffentlichen Ringen dann doch um die politisch relevanten Themen gekaempft wird, wird hier ganz nebenbei offenbar.
Wissenschaftler von Kernforschungs-Anlagen mit jetzt angeschlossenen Instituten fuer Umwelt-Fragen befuerworten den Ruecktritt eines Mannes, der gerade in seiner Erst-Leistung , der grossen Tagung in Bali vor 3 Jahren bewiesen hatte, dass auch von dem Lebensrecht der Minderheiten und Kultur-Provinzen gesprochen werden muss.
Dass dies den Firmen, die sich mit Schutz aus dem Weltraum vor Konkurrenten im grossen Space-Tourismus-Geschaeft beschaeftigen, nicht passt ist verstaendlich.
Denn die Nuklear-Wirtschaft und ihre Forschungs-Abteilungen sehen ja gerade in der Plasma-Triebwerks-Entwicklung fuer den benoetigten Anschub zu Mond, Mars und fernen Galaxien hier ihre neue Forschungs-Chance.
Und daher mussten bei der CO2-Diskussion gerade die uebrigen GHG ( die in Japan schon lange dem „Monitoring“ unterliegen und auch so empfohlen wurden) bisher aus der Diskussion herausgehalten werden.. Die Fest-Stoff-Treibstoffe ’der bewaehrten Shuttle-Art’ mit ihrem Chlorgehalt sind naemlich durchaus an den Ozon-Schicht-Schaeden ursaechlich mitbeteiligt (Space New Scientist 24.7.05 „Columbias Final Start“)
Und diese Offene Diskussion wurde auch von Herrn Pascuri gefordert.
Und dabei wuerde naemlich offenbar, dass die am Space-Tourismus Geschaeft interessierten und verdienenden Gruppen auf anderen Ebenen schon sehr gut zusammen-arbeiten mit denen, die auf der genetischen Ebene die Welt Ernaehrung zur Kontrolle der Welt-Bevoelkerung verwenden wollen. Fuer die erwarteten Zig—100 Millionen an neuen Krankheitsfaellen pro Kontinent muessen bewaehrte Medikamente bereitgestellt werden. Die damit verbundenen Pharma-Profite werden garantiert durch diese jetzt allenthalben frei produzierten schneller wachsenden Futter- und Nahrungs-Pflanzen und deren Produkte.
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von klasse35j3 klasse35j3 ist gerade offline | 3.2.2010 19:14 Uhr
Pachauri sollte seine Fragen weiter stellen duerfen
(Fotsetzung)
Das sind dann jene neuen Naehrmittel, die alle moeglichen frei-herumfliegenden „energie-reichen Gase aufnehmen und verwerten koennen , also. somit ‚gen-verbesserte’moderne Nahrungsmittel“. Diese muessen dann an die leider bisher noch nicht-anpassungsfaehigen Menschen verteilt werden. Wer dort diese ueberreichlich oder dauernd aufnimmt und v.a. die ohnehin hungernden und ueberbevoelkerten Gruppen werden dezimiert, ihre Reichen koennen sich die teuren Medikamente leisten, wodurch dort auch gleich das Welt-Armut-Problem geloest wird.
Das wird so nicht oeffentlich diskutiert, denn “wir wissen was im Pudding steckt“ und muessen nur vorsichtig sein, wem und wann wir das zugeben, wurde schon vor sechs Jahren in einer australischen GMO-Zeitschrift gewarnt.
Daher sind die Leitstellen fuer die Welt-Ernaehrung, die GMO Regierungsberater und die Nuklear-Wissenschafts-Berater aus den Gruppen zu besetzen, die die gleiche ‚kuehle’ Choreographen-Ideologie haben.
Und Aussenseiter wie Pachauri passen da leider nicht in die Landschaft. Er wuerde einige stoerende Fragen stellen wollen und koennen., die den Planern nicht schmecken wuerden.

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