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Was können Geisteswissenschaftler?: Die Todesfrage

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Am Anfang ist das Wort: Es verführt junge Menschen zu einem von den praktischen Seiten des Daseins eher abgewandten Leben, einem Leben für die Bücher. Am Ende werden sie Geisteswissenschaftler. Und wenn sie dann an sich herunterblicken, fragen sie sich vor allem eins: "Was kann ich eigentlich?" Auf der Suche nach einer Antwort zog es in der letzten Woche etliche von ihnen in die Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin, deren Konferenzraum schnell so überfüllt war wie die Kurse an der Uni.

"Für welchen Zweck bilden Sie Ihre Studenten aus?" wollte der Moderator der Podiumsdiskussion, Oliver Lubrich, Literaturwissenschaftler an der FU, als erstes von Hartmut Böhme wissen, der Professor für Kulturwissenschaften an der Humboldt-Universität ist. "Das ist ja gleich die Todesfrage", antwortete dieser. Schließlich seien die Geisteswissenschaften "ein Großgebilde", und die Universitäten wüssten nur wenig darüber, wo ihre Absolventen schließlich unterkommen: "So gut wie kein Geisteswissenschaftler ist Literaturkritiker bei der FAZ, aber dennoch arbeiten Tausende", sagte Böhme.

Seiner Ansicht nach geht es in den Geisteswissenschaften jedenfalls nicht darum, "kanonisierte Bestände von Wissen" zu vermitteln, die dann einfach abgerufen werden können. Die Studierenden könnten an der Uni aber "das Lernen lernen". "Eine absolut begünstigende Voraussetzung" für den späteren Berufseinstieg sieht Böhme aber in Praktika und Jobs während des Studiums: "Die Praxis kann nicht in der Uni stattfinden, Uni-Mitglieder sind nun mal keine Spezialisten fürs Leben." Deswegen gebe es auch genug gute Forscher, die nun einmal keine guten Lehrer seien.

Mit dieser Haltung will sich Martin Spiewak, der als Geisteswissenschaftler und Redakteur der "Zeit" neben Böhme auf dem Podium saß, nicht zufrieden geben: "Die Hochschulen bilden für die Wissenschaft aus, auch wenn es dort kaum Stellen gibt." Besonders frustresistente Studenten würden dennoch ihren Weg machen, der Mehrheit tue man damit aber keinen Gefallen. Die Studentinnen Elisabeth Lack und Indre Zetsche, die zum Career Service Network der FU gehören, das die Veranstaltung organisiert hatte, sehen das in mancher Hinsicht auch so: Wer an die Uni kommt, ohne bereits gut formulieren und analysieren zu können, wird es dort kaum lernen, meinten sie. Auch spielten die in Eigeninitiative ergatterten Praktika als Studienleistung keine Rolle.

"Ich habe das deutsche System Gott sei Dank erst nach dem Grundstudium kennen gelernt", sagte der Niederländer Tom van der Lubbe, der bei der Unternehmensberatung Mc Kinsey arbeitet. Für Studienanfänger erschwere die große Freiheit an deutschen Unis den Einstieg. Die niederländischen Kommilitonen beginnen das Studium der Geisteswissenschaften dagegen mit einem Propädeutikum, in dem Arbeitstechniken gelehrt werden. "Man sollte die Studenten erst nach und nach von der Leine lassen", sagte er, und bekam dafür Applaus.

Sobald es möglich war, sei er selbst im Studium allerdings nur seinen Interessen nachgegangen, alles andere habe er in der Vereinsarbeit gelernt: "Was man studiert, ist fast egal. Bei McKinsey nehmen wir lieber einen guten Indologen als einen schlechten BWLer, denn nach drei Wochen im Job wird der Indologe den BWLer doch wieder abgehängt haben."
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