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Wissenschaft nur noch online

Die „Public Library of Science“ konkurriert mit Fachverlagen
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Affen können einen Roboterarm allein mit ihren Gedanken steuern. Das hat der amerikanische Forscher Miguel Nicolelis kürzlich herausgefunden. Über das Ergebnis berichtete der Neurologe der Duke-Universität in North Carolina aber nicht in einer der traditionellen Fachzeitschriften. Der Artikel erschien ausschließlich in der Online-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Plos Biology“.

Die Abkürzung „Plos“ steht für „Public Library of Science“ – ein Internet-Verlag, der erstmals eine Zeitschrift herausgegeben hat. Initiiert wurde das Projekt von dem New Yorker Krebsforscher Harold Varmus. Der Nobelpreisträger für Medizin des Jahres 1989 kämpft gegen die traditionelle Art des Publizierens. Er ist entschlossen, die Macht der Verlage zu brechen, die mit den Resultaten von Forschern viel Geld verdienen.

Nun sieht Varmus Geldverdienen nicht als verwerflich an. In diesem Fall jedoch gehe das Geschäft zu sehr auf Kosten der Autoren. Die Forscher erbringen nicht nur die wissenschaftliche Leistung, sie müssen zudem für die Veröffentlichung bezahlen und den Verlagen das unbefristete Recht zur weiteren Verwertung des Artikels einräumen.

Auch die Nutzer der Zeitschriften sieht Varmus zu sehr zur Kasse gebeten. Abonnements kosten oft Tausende von Dollar. Einzelne Artikel aus dem Internet herunterzuladen, kostet wieder Gebühren – selbst für den Autor. Aus öffentlichen Geldern finanzierte Wissenschaft müsse frei zugänglich sein, fordert Varmus. Das Paradebeispiel ist für ihn das Humangenomprojekt, das die Daten des menschlichen Genoms im Internet für alle verfügbar machte.

Die Verlage sollten ein paar Monate nach dem Erscheinen die Artikel kostenlos online zur Verfügung stellen, forderte Varmus schon vor drei Jahren. Und mehr als 30000 Forscher schlossen sich ihm an. Die Antwort fiel negativ aus. Varmus reagierte mit der Gründung der „Public Library of Science“.

Bezahlen müssen die Autoren allerdings auch hier, denn es fallen Kosten etwa für Technik und Gutachter an. „Eine Veröffentlichung kostet 1500 Dollar“, sagt Mark Patterson, der die Londoner Abteilung des Online-Verlages betreut. Es seien aber Rabatte oder Preiserlass möglich. Die Resonanz sei bei der Premiere überwältigend gewesen, erklärt Patterson. Der Nicolelis-Artikel über die „denkenden Affen“ wurde in den ersten Tagen mehr als 75 000 Mal heruntergeladen.

Der Erfolg ermutigt Wissenschaftler wie Robert Schlögl vom Berliner Fritz-Haber-Institut, eine Einrichtung der Max-Planck-Gesellschaft (MPG). Die MPG gehört zu den insgesamt 19 nationalen und internationalen Wissenschaftsorganisationen, die vor kurzem in der „Berliner Erklärung“ ebenfalls einen „freien und kostenlosen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen“ gefordert haben.

„Es geht nicht darum, Verlage kaputt zu machen“, erklärt der MPG-Chemiker. Allerdings gebe es ein „Oligopol von drei bis vier Verlagen“. Deren „Reingewinnen von bis zu 50 Prozent“ stünden keine entsprechenden Leistungen gegenüber. So müssten die Autoren ihre eigenen Werke zurückkaufen.

Zukünftig sollten die Urheberrechte nur befristet an die Verlage gehen, bevor sie nach ein paar Monaten wieder zurückfielen. Danach sollten die Resultate öffentlich geförderter Forschung ins Internet gestellt werden. „Auch Online-Artikel müssen sorgfältig begutachtet werden“, sagt Schlögl. Nur so ließen sie sich von dem „vielen Müll“ unterscheiden, der auch im Internet zu finden sei. Ein Anfang ist mit dem „Edoc-System“ der MPG bereits gemacht.
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