Mai-Randalen : Berlin zieht bittere Bilanz

Knapp 300 Festnahmen und fast ebenso viele verletzte Polizisten: Die Straßenschlachten der letzten Nacht im Berliner Bezirk Kreuzberg waren deutlich aggressiver als in Jahren zuvor. Auch in Hamburg kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Linksautonomen und der Polizei.

Berlin/HamburgDie Bemühungen um einen friedlichen 1. Mai in Berlin haben nach Ansicht von Innensenator Ehrhart Körting (SPD) einen Rückschlag erlitten. "Das Klima ist rauer geworden", sagte er zu den Gewaltausbrüchen von mehreren hundert Randalierern in Kreuzberg. "Das war eine andere Qualität als in den Vorjahren." Die Gewalteskalation sei unpolitisch gewesen. "Die Randale stand im Vordergrund."

289 Personen wurden festgenommen, teilte Polizeipräsident Dieter Glietsch mit. Im Vorjahr waren es 139. Die Zahl der verletzten Polizisten steig von 112 auf 273. Bis in die Morgenstunden seien Beamte mit Steinen und Flaschen attackiert worden. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas, Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Rund 6000 Polizisten waren allein in Berlin im Einsatz.

Hamburger Schanzenviertel erst am frühen Morgen befriedet

Auch das Hamburger Schanzenviertel war in der letzten Nacht zum zweiten Mal in Folge Schauplatz von Krawallen. Linksautonome bewarfen die Beamten über mehrere Stunden hinweg mit Flaschen und Steinen, auch ein Auto habe gebrannt, sagte ein Sprecher des Lagezentrums. Die Polizei ging mit Wasserwerfern gegen die Randalierer vor. Erst gegen 3.00 Uhr beruhigte sich die Lage in dem Szeneviertel. Ob es bei den Ausschreitungen Verletzte gab, war zunächst nicht bekannt. Etwa 20 Randalierer wurden vorläufig festgenommen.

In Berlin war es in den Vorjahren stets erst im Dunkeln zu Gewaltausbrüchen gekommen. Doch in diesem Jahr war der schwarze Block mit rund 400 Störern laut Augenzeugen größer als in der Vergangenheit. Im Vorjahr hatte es bei einem vorwiegend friedlichen 1. Mai 162 Festnahmen gegeben, 103 Polizisten waren verletzt worden.

Verwüstete Straßenzüge in Berlin

Einige Straßen der Hauptstadt boten am Morgen ein Bild der Verwüstung. Nicht nur Pflastersteine, auch Platten wurden aus Gehwegen als Wurfgeschosse herausgerissen. Ein unbeteiligter Fußgänger ging bei getroffen zu Boden. Müllcontainer brannten. Die U-Bahn-Station Kottbusser Tor wurde geschlossen.

Die Gewalt hatte sich zugespitzt, nachdem die Polizei die sogenannte revolutionäre 1. Mai-Demonstration mit rund 5000 Teilnehmern vorzeitig beendet hatte. Aus dem Zug, der gegen die Krise und den Kapitalismus protestieren wollte, waren schon zu Beginn Steine geflogen.

Schon in der Walpurgisnacht hatte es in Berlin erste Gewaltausbrüche gegeben. Laut Polizei wurden dabei 57 Personen festgenommen. 48 Beamte trugen leichte Verletzungen davon. (rf/dpa)