Malerei : Kurioser Zufall um Van Gogh

In einem australischen Museum hat sich ein vermeintliches Gemälde von Vincent van Gogh als nahezu wertlos herausgestellt. In den USA wurde dagegen fast zeitgleich ein bislang unbekanntes Werk des holländischen Malers entdeckt.

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Das Bild "Kopf eines Mannes" wurde bislang fälschlicherweise van Gogh zugeschrieben -Foto: AFP

Amsterdam/Den Haag/MelbourneDie Nationalgalerie im australischen Melbourne hat mehr als 60 Jahre lang ein vermeintliches Gemälde von Van Gogh ausgestellt, das in Wahrheit gar nicht von dem holländischen Künstler gemalt wurde. Eine Expertengruppe kam nach eingehender Untersuchung zu dem Schluss, dass das Bild "Kopf eines Mannes" von einem unbekannten Zeitgenossen des Malers angefertigt wurde. Museumsdirektor Gerard Vaughan zeigte sich enttäuscht, unterstrich jedoch, dass es sich nicht um eine Fälschung handelt: "Es gibt keinen Grund zu vermuten, dass jemand das Bild gemalt hat, um es im Nachhinein als Werk Van Goghs auszugeben."

Im vergangenen Jahr hatten britische Experten Zweifel an der Authentizität des Werkes geäußert, als das Gemälde leihweise zu einer Ausstellung in Edinburgh geschickt wurde. Den Kennern war aufgefallen, dass der Stil des auf das Jahr 1886 datierten Bildes von den üblichen Werken des Künstlers abwich. Der Wert des Gemäldes wurde bislang auf 15 Millionen Dollar (rund elf Millionen Euro) geschätzt. Obwohl es mit der jüngsten Entdeckung erheblich an Wert einbüßen dürfte, soll es laut Vaughan weiter in Melbourne ausgestellt werden.

Gemälde von Van Gogh unter anderem Bild entdeckt

Eine überraschende Entdeckung anderer Art gab es unterdessen im Museum of Fine Art in Boston (USA): Das dort hängende Gemälde "Schlucht" ist nicht nur ein echter Van Gogh - es sind zwei. Der niederländische Künstler hat die düster wirkende Schlucht auf ein anderes seiner Bilder gemalt, auf die "wilde Vegetation".

Experten des Bostoner Museums und des Van Gogh Museums in Amsterdam, das die Neuigkeit bekannt gab, waren durch Zufall auf den doppelten Van Gogh gestoßen. In Boston hatten sie Röntgenaufnahmen von der in typischer Van-Gogh-Manier mit runden Schwüngen gemalten "Schlucht" gemacht. "Dabei entdeckten sie, dass die Struktur der Oberfläche nicht immer den Pinselstrichen entsprach", sagte Konservator Leo Jansen vom Van Gogh Museum.

Dicke Pinselstriche aus einer unteren Schicht wurden erkennbar. Sie zeigten eine starke Ähnlichkeit mit der Zeichnung "Wilde Vegetation", die zum Bestand des Van Gogh Museums gehört. Sie ist Teil einer Serie von insgesamt zehn Zeichnungen, die Van Gogh von eigenen Gemälden angefertigt hat. Da neun von ihnen den Gemälden zugeordnet werden konnten, vermuteten Fachleute schon länger, dass auch die gezeichnete "wilde Vegetation" eine gemalte Entsprechung haben musste. In Boston wurden sie jetzt fündig.

"Neues" Bild lässt sich nicht freilegen oder reproduzieren

Doch das im Juni 1889 entstandene Gemälde bleibt für immer unsichtbar. Die vier Monate später gemalte "Schlucht" soll nicht zerstört werden. "Aber es ist auch gar nicht möglich, ein mit Ölfarbe übermaltes Ölbild freizulegen", erläuterte Jansen. Selbst mit modernster Technik ließe sich auch keine Reproduktion herstellen. Pigmentproben hätten zwar ergeben, dass Van Gogh für die "wilde Vegetation" helle Farben benutzt hat. Aber die genauen Farbverläufe ließen sich nicht mehr rekonstruieren.

Vermutlich war ein Lieferproblem der Grund dafür, dass Van Gogh das Bild übermalte. In seinen jungen Jahren fehlte ihm aber oft einfach das Geld für neues Material. "Manchmal bemalte er deshalb die Rückseite einer schon benutzten Leinwand", berichtete Jansen. Und manchmal hat er einfach eigene Bilder übermalt. "Nach dieser jüngsten Entdeckung ist es sicher nicht ausgeschlossen, dass noch weitere folgen", sagte der Konservator. Zumal es in schriftlichen Äußerungen Hinweise auf Bilder Van Goghs gibt, die noch nicht entdeckt worden sind. (mit dpa/AFP)