MALEREI„Künstlerfürsten: Liebermann. Lenbach. Stuck“ : Gipfeltreffen

Bernhard Schulz

Lange Zeit besaß das Wort „Künstlerfürst“ einen negativen Beigeschmack. Man dachte an Makart und seinen Pomp. Der „wahre“ Künstler hatte demgegenüber „ganz seiner Sache verpflichtet“ zu sein. In jüngerer Zeit hat sich dieses Urteil gewandelt, denn siehe da: Auch unsere Zeit kennt Malerfürsten.

Max Liebermann (Abb.: Selbstporträt von 1912) mit diesem Begriff zu belegen, würde einem dennoch nicht in den Sinn kommen – zu preußisch-nüchtern war er. Und doch: Der enorme gesellschaftliche Rang, der ihm aufgrund seiner Kunst zuteil wurde, entspricht dem der früheren Generation von Malerfürsten meist süddeutscher Provenienz. Nun versammeln sie sich im Liebermann-Haus in Idealkonkurrenz: der Hausherr mit Franz von Lenbach und Franz von Stuck, den Protagonisten der Münchner Kunstwelt des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Die Stiftung Brandenburger Tor widmet ihre diesjährige kunsthistorische Ausstellung diesem Trio, den Werken und dem Ambiente. Und so fern stehen sie einander nicht. Alle drei pflegten die Selbstinszenierung, in ihren Wohnräumen, die von zahllosen Gästen frequentiert wurden, wie in ihren Selbstbildnissen, die ihren Habitus vermitteln. Lenbach wurde durch seine Bismarck-Porträts bekannt und führte ein Haus nach Vorbildern der Renaissance. Stuck pflegte die Dekadenz der Jahrhundertwende und machte sein Atelierhaus zu einem Gesamtkunstwerk. Allein Liebermann pflegte ein – allerdings höchst erlesenes – Understatement. Und seinen Berliner Witz, den nicht zuletzt der Wahl-Münchner Thomas Mann so liebte. Bernhard Schulz

Stiftung Brandenburger Tor,

4. 4. bis 5. 7., Mo, Mi-Fr 10-18 Uhr,

Sa/So 11-18 Uhr, 6 €, erm. 4 €

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben