Mallorca : Wie im Brennglas

Mallorca kommt nicht aus den Schlagzeilen. Doch die Veranstalter verzeichnen kaum Stornierungen.

Gerd W. Seidemann
291114_0_45f4f738.jpg
Abseits vom Ballermann. Son Marroig, einst Alterssitz des österreichischen Erzherzogs Ludwig Salvator, entzückt viele. -Foto: Mauritius

Mallorca macht sich jetzt ernsthaft Sorgen um sein Ansehen als sichere Ferieninsel. Der Eta-Anschlag ist ein gewaltiger, jedoch nur ein zusätzlicher Schlag, der dem Image der Hauptinsel der Balearen zumindest mittelfristig schaden könnte. Bis zur Bombe in Palmanova, einer im Wesentlichen von britischen Touristen frequentierten Gemeinde, war es vor allem der in ausländischen Medien veranstaltete „Virenalarm“, der den Insulanern Kopfschmerzen bereitete. Inzwischen ist der Fokus der Mallorca-Berichterstattung von „Schweinegrippe“ auf „Attentat“ geschwenkt, gewissermaßen von Pest auf Cholera. Somit stellt sich für Touristen die Frage „Soll ich oder soll ich nicht?“ gleich in doppelter Hinsicht.

Der Ruf, ein „Hort der Schweinegrippe“ zu sein, hat dem Ansehen der meistbesuchten Mittelmeerinsel mächtig zugesetzt, obwohl dort selbst nur wenige Krankheitsfälle gemeldet sind. Besonders die Boulevard-Schlagzeilen in Deutschland vor dem Bombenanschlag, die Mallorca immer wieder als „Keimzelle“ der Erreger dieser sogenannten Neuen Grippe nannten, seien schädlich für das Image der Insel gewesen, sagen die Tourismusverantwortlichen in Palma. Der balearische Ministerpräsident Francesc Antich wehrte sich in der vergangenen Woche denn auch heftig gegen die fortgesetzte Darstellung, Mallorca sei der Infektionsherd Nummer eins. Es dürfe keine Panikmache zu diesem Thema betrieben werden, sagte er.

Eher nüchtern stellt das Robert- Koch-Institut in Berlin fest, dass überwiegend bei Reiserückkehrern, „gegenwärtig vor allem aus Spanien“, Neue Influenza diagnostiziert werde. Das „Mallorca Magazin“ meldet gar, allein aus der Region Hannover seien 62 Fälle bekannt, in denen sich die meisten Betroffenen bei einem Aufenthalt auf Mallorca infiziert haben sollen, fast alle an der Playa de Palma. Jedoch seien bei den allerneuesten Fällen vermehrt Ferienrückkehrer vom spanischen Festland betroffen, teilte das Gesundheitsamt Hannover mit.

Die Mediziner am Robert-Koch-Institut lassen dennoch keinen Zweifel daran, dass eine Ansteckungsgefahr inzwischen überall auf der Welt herrsche. Es gebe jedoch keinen Grund, nicht zu verreisen. Wenn man sich an die simpelsten Hygieneregeln halte, sei die Gefahr in der Ferne nicht größer als zu Hause, heißt es.

Wer zurzeit eine Urlaubsreise plane, solle sich von der Schweinegrippe nicht verschrecken lassen. Zu diesem Fazit kommt auch das CRM Centrum für Reisemedizin, Düsseldorf, nach der Bewertung der aktuellen Entwicklung. „Das Schweinegrippe-Virus ist inzwischen weltweit verbreitet, deshalb ist es völlig gleichgültig, ob man sich in Deutschland, Spanien oder in den USA aufhält“, erklärt der wissenschaftliche Leiter des CRM, Tomas Jelinek. Wichtig sei es, betont auch Jelinek, überall „die allgemeinen Regeln der Hygiene zu beachten“. Mit wenig Aufwand könne jeder viel für die Vorsorge tun: indem er regelmäßig die Hände wasche sowie Menschenansammlungen und engen Kontakt zu Kranken vermeide. „Der Sinn einer Urlaubsreise ist die Erholung und Regeneration der Menschen. Wenn eine Reise gut vorbereitet ist, trägt sie zur Stärkung der körpereigenen Abwehr bei“, betont Jelinek.

Beratung suchen potenzielle Reisende offenbar auch bei dem Veranstalter, bei dem sie gebucht haben. „In Sachen Schweinegrippe rufen Kunden uns manchmal an, weil sie Informationsbedarf haben“, sagt Michael Blum, Sprecher bei Tui Deutschland in Hannover. „Wegen einer möglichen Ansteckungsgefahr – sei es in Spanien oder anderswo – wollte jedoch noch niemand seine Reise bei uns stornieren.“ Natürlich stehe es jedem frei, seine gebuchte Reise abzusagen, doch dann gälten die normalen Stornoregeln. Ob im Fall der Absage eine irgendwie geartete Reiseversicherung eintrete, liege bei dem Versicherer. Doch auch das jüngste Attentat auf Mallorca rechtfertige nicht, etwa kostenloses Stornieren oder Umbuchen einer Reise zu ermöglichen.

Beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft ist die Lage eindeutig: „Die übliche Reiserücktrittsversicherung wird ja nicht für den Fall abgeschlossen, dass irgendwo an einem Ziel eine Gefährdungslage besteht, sondern greift, wenn dem Versicherten selbst etwas passiert, bevor der die Reise antritt“, sagt Katrin Rüter, Sprecherin des Verbandes in Berlin. Es gebe im Bereich der Geschäftsreisen Spezialversicherungen, die möglicherweise auch potenzielle Gefahren wie Kidnapping, Attentate oder Infektionsgefahr abdeckten, doch im privaten Bereich sei ihr das nicht bekannt, sagt die Sprecherin.

0 Kommentare

Neuester Kommentar