Der Tagesspiegel : Manfred Stolpe: "Auch meine Seele braucht gelegentlich Lob"

Michael Mara

"In Dresden hätte man bei einem solchen Anlass die Semper-Oper gemietet", konterte Staatskanzlei-Chef Rainer Speer Spitzen von Journalisten über den preußisch-bescheidenen Empfang zu Manfred Stolpes 65. Geburtstag. Der Regierungschef, den Wolfgang Thierse nicht ganz ernst gemeint in die Tradition preußischer Herrscher einreihte, wolle keinen Pomp. So musste der nüchterne "Brandenburg-Saal" in der Staatskanzlei, einst Betsaal der kaiserlichen Kadetten, genügen. Und Sekt statt Champagner, ein paar Häppchen statt eines üppigen Buffets. 350 Gratulanten kamen, unter den wenigen Prominenten Walter Scheel, Reinhard Höppner, Lothar de Maiziere, Friede Springer. Der Kanzler hatte keine Zeit, auch Generalsekretär Müntefering nicht.

Innenminister Jörg Schönbohm, nach dem Protokoll als Vize-Premier Gastgeber, eröffnet den Laudatoren-Reigen auf "unseren Ministerpräsidenten". Stolpe habe das "Wir-Gefühl" der Brandenburger gefördert, er sei "ein Glücksfall" für das Land. Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen bekannte, von Stolpe gelernt zu haben, auf welch verschlungenen Wegen man zum verabredeten Ziel kommen könne. Diepgens Wunsch: 2009 die Fusion vollziehen und dann gemeinsam die Brandenburg-Hymne "Steige Hoch du roter Adler" anstimmen - "in welchen Funktionen auch immer". Erst nach den CDU-Politikern kam Matthias Platzeck zum Zuge, der offiziell nicht als "Kronprinz", sondern "als Bürgermeister, Parteivorsitzender und begeisterter Brandenburger" sprach. Jeder Genosse wisse, "was er an Ihnen hat. Viel, sehr viel". Stolpes Geheimnis sei Moderation und Entscheidung - ohne Menschen zu verletzen. Er kenne jeden Winkel des Landes, jeden Dorfgasthof und höre den Menschen zu, sei "Bürgerpräsident".

Der Jubiliar, der selten in sein Inneres blicken lässt, offenbarte: "Es tut einfach gut. Auch meine Seele braucht gelegentlich das Lob." Dies erleichtere, eigene Schwächen zu benennen: So sei sein Optimismus oft größer als die Lebenswirklichkeit. Er habe oft erlebt, dass nicht erfüllte Hoffnungen zu Enttäuschungen führen. Auch seine freundliche Rede werde oft missverstanden. Trotzdem könne er nicht versprechen, sich zu bessern, aber er werde sich bemühen, Unangenehmes künftig lieber zweimal zu sagen. Das Geheimnis, wie lange er noch regieren wird, verriet Stolpe nicht. Er machte nicht einmal eine seiner üblichen Andeutungen. Seine Frau warnte er allerdings: Er sei ein Arbeitstier, die Aussichten auf Besserung seien nicht übermäßig groß. Spricht so einer, der bald aufhören will? Schönbohm gab die Antwort: "Wer Sie erlebt, kann sich noch alles vorstellen. Ich auch."

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