Der Tagesspiegel : Manfred Stolpe: "Er lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen"

M. Mara / T. Metzner

"Der wesentliche Unterschied zwischen Biedenkopf und Stolpe ist, dass der sächsische Regierungschef keinen Beitrag zur Klärung der Nachfolgefrage leistet, während Stolpe und die SPD das längst entschieden haben." Jeder wisse, dass Matthias Platzeck einmal Brandenburg regieren werde, während Biedenkopf aus Eitelkeit die Zukunft seiner Partei verspiele, so SPD-Landesgeschäftsführer Klaus Ness. Deshalb könne Stolpe seinen 65. Geburtstag am Mittwoch auch "ganz entspannt" feiern. Stolpe und Biedenkopf regieren seit fast elf Jahren, sind dienstälteste Ministerpräsidenten Deutschlands, zwei profilierte "Landesväter", die oft verglichen werden.

Gerade jetzt sind die Unterschiede nicht zu übersehen, wie auch Christdemokraten eingestehen. Einerseits Diadochenkämpfe um "König Kurt", dessen Souveränität und Akzeptanz rasant schwinden. Andererseits ist Stolpe die unangefochtene Nummer Eins in Brandenburg: Der gebürtige Pommer steuert die große Koalition geschickt, lässt sich auch von seinem Vize Jörg Schönbohm nicht aus dem Takt bringen, der zum Ärger junger Christdemokraten "fast ehrfurchtsvoll zu Stolpe aufschaut". Auch das Grollen in der SPD nach der 99er Wahlniederlage und Stolpes "Abtauchen" danach ist verstummt, seit es in den Umfragen wieder aufwärts geht. Ebenso die Klage, Stolpe tanze nach Schönbohms Pfeife: "Er lässt sich die Butter nicht vom Brot nehmen", loben Genossen. Das habe sich nicht nur beim Streit um die Steuer- und Rentenreform gezeigt".

Anders als in Biedenkopfs Reich gibt es in Brandenburg keine Debatte in SPD und Bevölkerung, dass Stolpe zu alt fürs Regieren sei: "Es macht sich bemerkbar, dass er sechs Jahre jünger als Biedenkopf ist", so ein Sozialdemokrat. In Stolpes Umfeld meint man, Biedenkopf habe den Fehler gemacht, seinen Rücktritt noch vor Ende der Legislaturperiode in Aussicht zu stellen. Stolpe selbst erklärte, er nenne kein Datum, weil dann über seine verbleibenden Tage das "Bandmaß" angelegt und sein Einfluss schwinden würde. Seine Genossen gestehen zu, dass er keinen Grund habe, jetzt über Termine zu sinnieren: Seine Popularitätswerte seien um Längen besser als die jedes anderen märkischen Politikers, von Amtsmüdigkeit sei nichts zu spüren.

"Manfred Stolpe ist gut, und wenn er nicht mehr gut ist, dann ist Matthias Platzeck da", begründet ein SPD-Vorstandsmitglied die derzeit "gelassene Grundstimmung" in der Partei. Dazu beigetragen habe auch, dass sich Stolpe im Gegensatz zu Biedenkopf "nie als autoritärer Monarch mit Hofstaat inszeniert" habe, sondern moderat und preußisch anspruchslos geblieben sei.

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