Marilyn Manson : Der Bürgerschreck malt

Schockrocker Marilyn Manson hat in Köln die erste Ausstellung seiner Aquarelle in Europa eröffnet.

Markus Peters[ddp]
Marilyn Manson
Marilyn Manson. -Foto: dpa

KölnDer Meister fröstelte. Als US-Schockrocker Marilyn Manson am Mittwochabend in einem Kölner Hotel die erste Ausstellung seiner Aquarelle in Europa präsentierte, war die Klimaanlage voll aufgedreht. Der schmächtige, weiß geschminkte Mann mit der übergroßen Sonnenbrille wirkte zerbrechlich, seine Stimme heiser. Doch einige Flaschen des von ihm so geschätzten Absinth auf dem Pult ließen die Laune Mansons sichtbar steigen, der sich prompt angesichts der zahlreichen Mikrofone an die "Dreharbeiten zu einem Porno-Film" erinnert fühlte.

Angesprochen auf seine Kunst, war es mit der Zotigkeit vorbei. In Köln präsentierte sich der 38-Jährige, der mit bürgerlichem Namen Brian Hugh Warner heißt, als Künstler im Umbruch: "Ich bin sensibler geworden, das spiegelt sich auch auf meinem neuen Album 'Eat me, drink me' und natürlich in den Bildern."

Die Galerie Brigitte Schenk zeigt 33 seiner Arbeiten aus den Jahren 1999 bis 2006. Es falle ihm schwer, sich von seinen Werken zu trennen, räumte Manson ein. Lange Zeit habe er sie niemandem zeigen wollen. Doch heute könne er in der Malerei das ausdrücken, was er in seinen Liedern nicht auszudrücken vermöge.

Harte Kost

Das darf mitunter auch harte Kost sein. Im "Selbstportrait" schmeichelt sich der Künstler nicht, das Haupt gebeugt, anstelle der Haare offenbar das blanke Schädeldach und im Gesicht eine Mischung aus Kupfer-Patina und Verwesung. Die "Blumen des Bösen", die der Kölner Schau auch den Titel geben, malt Manson klatschmohnrot als Mischung aus Herz und Totenschädeln.

Immer wieder befasst er sich mit bizarren Morden oder ungewöhnlichen Krankheiten. Die Werke haben Titel wie "Mouth of War" oder "Pornography Becomes A Sport". Manson kann allerdings auch anders: Die "Sleeping Beauty" fesselt mit türkisfarbenen Augen und einem sinnlich-roten Mund. Kontroverser Höhepunkt der Kölner Schau ist das Werk "Deutsche Kämpferin", eine transsexuelle Hitler-Mutation mit schlaffen Brüsten und wenig imposantem Gemächt.

Egon Schiele als Vorbild

Marilyn Manson
Marilyn Manson. -Foto: ddp

Als Kind wäre er gerne Cartoon-Zeicher geworden, verriet Manson. Seine ersten Versuche als Maler unternahm er mit einem Kinderwasserfarbkasten. Häufig habe er nur mit dem benutzten Wasser für die Pinsel gemalt, deswegen seien die Bilder grau und dunkel geworden. Erst schrittweise arbeitete er sich an Materialien wie Acrylfarbe oder Tusche heran: "Lange Zeit habe ich keine Augen gemalt, weil ich dachte, ich könnte das nicht. Jetzt ist es für mich ein zentrales Element meiner Bilder". Als Maler sieht sich Manson in der Tradition der Expressionisten, von denen besonders Schiele schätzt.

Bei seiner Musik und den Bildern habe er oft das Gefühl, besonders obskur sein zu müssen: "Aber jetzt will ich etwas weg davon und lieber konkreter werden." Dazu wolle er auch sein Leben "jenseits der Bühne" neu ordnen: "Jahrelang habe ich meine Gefühle in der Öffentlichkeit vor wildfremden Menschen ausgebreitet, nicht aber den Menschen, die mir am nächsten stehen."

"Ich habe mein Leben geändert"

Die Ehe mit der Burlesk-Tänzerin Dita von Teese ist womöglich auch daran gescheitert. Manson ist jetzt mit der 19-jährigen Schauspielerin Evan Rachel liiert. "Ich habe mein Leben geändert. Ich bin wieder ich", stellte Manson in Köln fest, der sich über seine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit absolut im Klaren ist: "Die Welt braucht Menschen, die etwas lächerlich sind, und ich bin eigentlich immer etwas lächerlich gewesen".

So weiß er natürlich, was er seinem Ruf als Bürgerschreck schuldig ist. Prompt wurden in Köln Passanten und Fotografen freundlich mit gestrecktem Mittelfinger gegrüßt. Der aus Amerika mit angereiste Begleittross konnte zufrieden sein.

Aquarelle von Marilyn Manson kosten zwischen 1000 und 55.000 Dollar. Die Schau in der Galerie Brigitte Schenk ist noch bis zum 5. August zu sehen.