Mark Brandenburg : Kein Ort will schöner werden

Noch nie hat eine Gemeinde aus Brandenburg bei der Initiative "Unser Dorf hat Zukunft" gewonnen - die Motivation fehlt. Offenbar ist für viele Dorfbewohnern der Aufwand einer Teilnahme an dem Wettbewerb zu hoch.

Andreas Wilhelm
Pinnow
Mit Chancen für die Jugend: Pinnow kümmert sich um den Nachwuchs - nicht nur beim Brandenburgischen Dorf- und Erntefest. -Foto: pa/ZB

Potsdam - Wenn es um die Goldmedaillen geht, die beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ verteilt werden, war die Mark Brandenburg bisher nie dabei – nicht einmal in den vergangenen 17 Jahren. Sechsmal Silber, sechsmal Bronze bekamen seit 1991 die märkischen Gemeinden. Das geht aus einer Statistik des Bundeslandwirtschaftsministeriums hervor, das den Wettbewerb ausruft. Ganz anders sieht es dagegen im Bundesland Nordrhein-Westfalen aus: 117 Dörfer standen seit 1991 schon auf dem Siegertreppchen; 50 von ihnen holten Gold.

Die Siegerehrung des diesjährigen Wettbewerbs – Pinnow aus der Uckermark gewann Silber, Bendelin aus dem Kreis Ostprignitz-Ruppin holte Bronze – erfolgt im Rahmen der Abschlussveranstaltung im Januar 2008 bei der Grünen Woche in Berlin. Dann will Brandenburgs Landwirtschaftsminister Dietmar Woidke (SPD) zu mehr Beteiligung aufrufen. „Das Thema gehört in jede Gemeinde“, sagt Uwe Briese, verantwortlicher Mitarbeiter im Brandenburger Ministerium für ländliche Entwicklung.

„Außer in Nordrhein-Westfalen ist der Trend in allen Bundesländern rückläufig“, sagt Briese. Im Jahr 1993 hatten sich noch 232 Brandenburger Gemeinden bei ihren Kreisen beworben, 2005 seien es nur noch 129 Teilnehmer gewesen, sagt Briese. An der Landesspitze standen beim vergangenen Wettbewerb, der vor wenigen Wochen im September endete, die Landkreise Märkisch-Oderland mit 24 Bewerbern, die Uckermark mit 18 und Potsdam-Mittelmark mit 15.

Ein Grund für die abnehmende Motivation könnte sein, „dass abgelegene Gemeinden von vornherein keine Chance sehen“, vermutet Briese. „In anderen Orten denke man, die Ziele des Wettbewerbs schon erfüllt zu haben.“ Und woanders wiederum fehlten die Akteure oder im Dorf herrsche schlichtweg die Ansicht: „Wozu das Ganze überhaupt?“. Der Preis für die Landessieger in der Mark falle schließlich nicht so üppig aus: Pinnow in der Uckermark und Bendelin in der Prignitz bekamen in diesem Jahr je 2000 Euro und ein Holzschild vom Landwirtschaftsminister Dietmar Woidke (SPD) überreicht. Ein Sponsor stiftete zudem einen Baum. „Das reicht allenfalls für ein Dorffest“, sagt Brise.

Doch das Geld solle auch nicht der Anreiz sein. „Mit der Teilnahme am Wettbewerb erstellt die Gemeinde ein eigenes Leitbild, entwickelt einen Plan, wo sie hin will und schwört sich so auf ihre Ziele ein“, sagt Briese. Dennoch erwäge das Brandenburger Ministerium für den kommenden Wettbewerb, die Gewinnsumme ein wenig anzuheben, sagt Briese.

Auch die Geschichte kann ein Grund für das schlechte Abschneiden brandenburgischer Kommunen sein, sagt Theo Augustin, Referatsleiter für ländliche Entwicklung im Bundesministerium. „Märkische Kommunen waren in der Regel früher Agrargüter, später LPGs und haben mit enormen Altlasten zu kämpfen“, erklärt Augustin. Aber es gehe schließlich nicht nur darum, ob ein Dorf schöne Blümchen und Fachwerk hat, sondern auch um gute Ideen: „Was macht das Dorf aus dem, was es hat?“

In einem niedersächsischen Ort beispielsweise habe die Bevölkerung durch das Verteilen von Anteilsscheinen den Tante-Emma-Laden am Leben erhalten. „Und woanders haben die Einwohner einen Fahrdienst eingerichtet und so geschafft, dass die Kita offen bleibt.“

Pinnow in der Uckermark hat sich die Silbermedaille verdient, weil es nach Meinung der Bundesjury ein soziales Fundament gelegt, die Jugendarbeit durch Sportangebote verbessert und den Gutshof als zentrales Ensemble in die Dorfstruktur integriert hat. Das Bronze-Dorf Bendelin bestach durch seine „reizvollen Dreiseitenhöfe, die im Straßenbau verwendeten Natursteine und die Erhaltung der typischen Angerdorfstruktur“.

Briese hofft, dass Brandenburg beim nächsten Wettbewerb mehr als 100 Bewerber hat. Sonst darf das Land nur noch einen Landessieger weiterschicken.

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