Mathe-Test : Potsdams Schulen sind Landesspitze

Landesweite Vergleichsarbeiten haben ergeben: Innerhalb Brandenburgs gibt es deutliche Bildungsunterschiede. Besonders im Schulfach Mathematik ist das Gefälle eklatant - Frankfurt (Oder) ist Schlusslicht, Potsdam ganz vorn.

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In Brandenburg entsteht ein Bildungsgefälle. Einen neuen Hinweis darauf gibt der dem Tagesspiegel vorliegende offizielle Abschlussbericht zu den jüngsten landesweiten Vergleichsarbeiten 2009/2010 der rund 16 000 Sechstklässler in Deutsch und Mathematik (ZVA 6). Die Schüler der bessersituierten Landeshauptstadt Potsdam schnitten dort am besten ab, und zwar gleich in beiden Fächern. Schlusslichter sind mit Frankfurt (Oder) in Mathematik und Ostprignitz-Ruppin in Deutsch jeweils berlinferne Regionen, die an sozialen Problemen und Abwanderung leiden. Das wirkt sich mittlerweile auf das Bildungsniveau aus, wie verschiedene Analysen zeigen. So sind Uckermark, Prignitz und einige Gebiete der Lausitz mit Mecklenburg die Regionen Deutschlands, in denen mehr als jeder zehnte Schüler nicht einmal die 10. Klasse schafft.

Der „Evaluationsbericht“ zu den ZVA 6, den das Landesinstitut für Schule und Medien (LISUM) erstellt hat, wird am Donnerstag im Bildungsausschuss des Landtages beraten. In Mathematik etwa fällt der Abstand zwischen den Leistungen der Potsdamer Grundschüler und denen in Frankfurt (Oder) krass aus. In Potsdam überwiege der Anteil der guten Noten Eins und Zwei „deutlich“ den der schwachen Noten Vier bis Sechs, heißt es. „In Frankfurt (Oder) verhält es sich genau umgekehrt.“

Auch im Vorjahr lag der Speckgürtel bereits vorn. In beiden Fächern siegte damals der Kreis Potsdam-Mittelmark, zu dem das prosperierende südwestliche Berliner Umland mit Zuzugsgemeinden wie Kleinmachnow gehört. Diesmal liegt der Kreis mit Platz 3 in Mathe und Platz 5 in Deutsch unter den 18 Kreisen und kreisfreien Städten wieder in der Spitzengruppe. Allerdings weisen Experten darauf hin, dass dies nicht unbedingt für klügere Schüler oder bessere Schulen in Potsdam und Umgebung spricht, da dort auch private Nachhilfe boomt, die sich hier viele leisten können. Die Noten bei der ZVA 6 fließen in die Halbjahreszeugnisse ein, die für die Bewerbung auf die begehrten Gymnasien wichtig ist.

Auf Schlussplätzen in Mathe landeten jetzt auch die Schüler aus Uckermark (14), Ostprignitz-Ruppin (15), Oder- Spree (16) und Märkisch-Oderland, ebenfalls alles Randregionen. In Deutsch waren die Schüler in Brandenburg an der Havel (15), Märkisch-Oderland (16), Uckermark (17) hinten. Allerdings müssen die Ergebnisse in der Peripherie nicht zwangsläufig schlechter sein: In Deutsch etwa liegen die Cottbuser Schüler auf Platz 2, in Mathematik sind es Kinder aus Elbe-Elster in der Lausitz. Im Landesschnitt schrieben die Sechstklässler in Deutsch eine Note 2,5, in Mathe eine 3,1. Beides sind Problemfächer, bei denen Brandenburg in Bundesvergleichen regelmäßig hinten liegt.

Auffällig ist, dass 16 der insgesamt 492 Schulen in beiden Fächern „weit unterdurchschnittliche“ Ergebnisse erzielten. Wie berichtet, will Brandenburgs Bildungsministerium an 40 notorisch schlechte Schulen Krisenteams schicken – die die Lehrer zwei Jahre permanent fortbilden sollen.

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