McLaren-Mercedes : Alonso und Hamilton - Feinde im Team

Der Fahrer-Streit bei McLaren-Mercedes eskaliert. Alonso will nicht mehr mit Hamilton sprechen. Den stört das nicht.

Christian Hönicke[Budapest]
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Weltmeister Alonso und der neue Shooting-Star Hamilton. -Foto: dpa

BudapestEs war der zweite Sieg in Folge, über den sich Ron Dennis nicht freuen konnte. Nach dem wegen der Spionageaffäre mit Ferrari wenig begeisternden Erfolg seines Fahrers Fernando Alonso am Nürburgring war es diesmal die Boxenaffäre, die dem Teamchef von McLaren-Mercedes die Freude an Lewis Hamiltons Sieg in Ungarn verdarb. „Ich bin ausgelaugt, da ist es schwierig, noch Emotionen zu zeigen“, sagte Dennis. „Es ist hart, solch außergewöhnliche Talente wie Fernando und Lewis zu managen.“ Der Zwist der beiden Titelanwärter war nach der kontroversen Blockadeaktion Alonsos, mit der er Hamilton auf dem Hungaroring in der Qualifikation um eine letzte schnelle Runde gebracht hatte, offen eskaliert. Nun droht er, Dennis’ Rennstall zu spalten.

Hamilton durfte sich mit der Bestrafung Alonsos durch die Rennkommissare und dem ungefährdeten Sieg auf den ersten Blick als Gewinner fühlen. Auf lange Sicht aber wird es ihm wenig helfen, dass er sich nicht nur mit Alonso, der ihn seither mit Nichtachtung straft, sondern auch mit seinem Mentor und Teamchef Ron Dennis anlegte. Der Kontrollfreak war sauer auf Hamilton, weil der in der Qualifikation mehrfach die Aufforderung ignoriert hatte, Alonso passieren zu lassen und damit die ganze Teamtaktik über den Haufen geworfen hatte. Auch weil Dennis Alonso ausdrücklich von jeder Schuld freisprach, drängte sich der Verdacht auf, dass die Teamspitze den Weltmeister angewiesen habe, seinen Gegner in der Boxengasse auszubremsen. „Ich habe sofort gedacht, Ron will mir eine Lektion erteilen“, sagte Hamilton.

So sah es auch die Rennleitung, die Alonso als ausführendes Organ einer verbotenen Stallregie nur um fünf Startplätze nach hinten versetzte, McLaren hingegen mit dem Abzug aller in Ungarn gewonnenen Punkte für die Konstrukteurs-WM bestrafte. Haug fand das Urteil „sehr hart. Anzunehmen, dass wir uns gegenseitig blockieren würden, ist hanebüchen.“ Er sprach von einem „Missverständnis“.

Trotzdem konnte McLaren die Theorie, dass der ungehorsame Hamilton intern diszipliniert worden war, nicht hinreichend entkräften. Zumal das Team den Vorfall später als Bemühungen hinstellte, „den Geist des Fairplay und der Gleichbehandlung in unserem Team zu erhalten, was missverstanden wurde“.

Unter anderem von Hamilton, der Dennis per Funk beschimpfte, ihm Vorsatz unterstellte und später auch Alonso mit einer offiziellen Kriegserklärung in Form eines ausgestreckten Mittelfingers bedachte. „Manchmal denke ich, Fernando wird bevorteilt, und dann ist es wieder umgekehrt“, sagte Hamilton. „Es ist sehr schwer, fair zu bleiben.“ Wenn Alonso nun nicht mehr mit ihm sprechen wolle, „dann ist das eben so. Ich bin offen, aber ich werde ihm nicht hinterher rennen.“

Nun hat Ron Dennis neben der Schlammschlacht mit Ferrari um die WM und geheime, ausspionierte Daten eine zweite Front im eigenen Haus. „Wir machen kein Geheimnis daraus, dass es Spannungen im Team gibt“, erklärte Dennis. „Ich muss jetzt versuchen, die Leute zu beruhigen.“ In der Vergangenheit ist ihm das nur bedingt gelungen. Ende der 80er Jahre konnte er nicht verhindern, dass sich seine Starpiloten Ayrton Senna und Alain Prost sogar gegenseitig von der Strecke rempelten. Prost ergriff damals entnervt die Flucht. Es mache keinen Sinn, zwei so starke Fahrer im gleichen Team zu haben, sagte der Franzose. „Die Reibungsverluste sind einfach zu groß.“ Ron Dennis erkannte zumindest „gewisse Muster“ aus der Vergangenheit wieder. „Dennoch sind die beiden verschiedene Charaktere, die Umstände sind unterschiedlich und das Ergebnis, was immer es sein mag, höchstwahrscheinlich auch.“ Norbert Haug nahm ebenfalls optimistisch an, „dass die beiden klug genug sind zu wissen: Wenn es kracht, stehen sie ohne Punkte da.“

Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, wollen Dennis und Haug die dreiwöchige Sommerpause dazu nutzen, „den Dampf vom Kessel zu nehmen“. Interne Sanktionen schloss Haug zwar aus, doch Dennis schickte seinen Streithähnen eine Warnung mit in den Urlaub: „Es mag Frust und manchmal auch Misstrauen zwischen ihnen geben, aber wir halten an der Gleichberechtigung fest. Wenn jemand unsere Werte nicht teilt, egal an welcher Position er arbeitet, steht es ihm frei zu gehen.“ Hamilton fühlte sich nicht angesprochen: „Ich kenne Ron seit fast zehn Jahren. So etwas wird unsere Beziehung nicht belasten.“ Vielleicht war es nur ein weiteres Missverständnis, dass Alonso etwa zeitgleich auf die Frage, ob er noch nach dieser Saison im Team sein werde, sagte: „Das werden wir sehen.“