28.11.2011 17:46 Uhr

Berlins neuer Senat

Mario Czaja, Senator für Gesundheit und Soziales. Auch jemand, der sich seit seinem 18. Lebensjahr vor allem der lokalen CDU widmet, kann schon mit 36 eine interessante Biografie haben. Das beweist Mario Czaja: Der künftige Senator für Gesundheit und Soziales hat eine rechtskräftige Verurteilung, einen Rauswurf durch die eigene Fraktion und eine Titel-Affäre hinter sich. 2000 D-Mark musste er als 21-Jähriger wegen zweifacher Fahnenflucht zahlen, die aber bei wohlwollender Betrachtung einfach ein Missverständnis mit dem Kreiswehrersatzamt gewesen sein könnte: Czaja hatte das Gerhart-Hauptmann-Gymnasium in Friedrichshagen in der 13. Klasse ohne Abitur verlassen und eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann begonnen, ohne den Papierkram mit dem Bund zu regeln. Schon als 18-Jähriger war er Kreisvorsitzender der Jungen Union Hellersdorf, später BVV-Vorsitzender – bis er sich über die „Blockflöten“ in seiner Fraktion ausließ, die ihn daraufhin rauswarf. 2003 wurde er trotzdem Kreischef in Marzahn-Hellersdorf. Noch bemerkenswerter ist das Direktmandat, das er im bürgerlich geprägten Hellersdorfer Süden schon 1999 gewann und auch in diesem Jahr verteidigen konnte. Zwei Themen dominieren seine Arbeit seit Jahren: Die Kliniklandschaft sowie die Abschaffung des „Straßenausbaubeitragsgesetzes“. Letzteres kann er als aktuellen Erfolg verbuchen. Und in der Gesundheitspolitik, in der Berlin laut Koalitionsvertrag weiter Richtung Europameister streben soll, kennt er sich dank langjähriger Arbeit im Gesundheitsausschuss aus. Dass er dabei eher durch Sachbeiträge auffiel als durch Gepolter, dürfte seinen Aufstieg zu Fraktionsvize und Unterhändler an der Seite von Henkel befördert haben. Wirtschaftlicher Sachverstand wird ihm nützen, wenn er künftig auch den Sozialbereich verantwortet, der nicht nur zu den größten Posten im Landeshaushalt gehört, sondern auch den Kitt bildet, der die Stadt zusammenhält.

Foto: dpa

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