Es muss bei einem solchen Turnier immer einen geben, bei dem Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinanderklaffen, dass es ein Vergnügen ist, ihn beim Scheitern zu beobachten. Verständlicherweise ist diese Rolle unter den Spielern nicht besonders beliebt. Sie entspricht in etwa jener des Klassenclowns oder des FDP-Chefs. Deshalb wurde in der Vergangenheit oft per Stein-Schere-Papier (Ribéry) oder nach Anzahl der Tätowierungen (Beckham) entschieden, wer nun den Ikarus geben darf. Diesmal aber hat der Schwede Zlatan Ibrahimovic diesen Part geradezu selbstlos übernommen - zumindest am ersten und zweiten Spieltag. Den Anspruch, in Polen und der Ukraine nun endlich in die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen vorzustoßen, knotete er sich dabei gut sichtbar als Samurai-Zopf ins Haupthaar. Und zelebrierte die eigene Dekonstruktion anschließend als große Oper. Aufstieg, Fall und Wiederaufstieg im Zeitraffer. Erst schoss er die Führung gegen die Ukraine, um Minuten später den Siegtreffer durch Schewtschenko zu verschulden. Als dann bereits alles egal war, schoss er gegen Frankreich das schönste Tor des letzten Gruppenspieltags. Passt das ins Bild? Irgendwie schon. Auch Clowns sind ja angelegentlich gute Artisten