22.01.2018 15:51 Uhr

RÜCKBLENDE

HEUTE vor 5  Jahren: Jozef Glemp, Primas von Polen, starb

Glemp wurde 1929 in Inowroclaw (Hohensalza) in der Wojewodschaft Bydgoszcz (Bromberg), ehemals Westpreußen, geboren. Großvater und Vater, beide Bergleute, kämpften als deutsche Soldaten bei Sedan und Verdun. Die Nazi-Okkupation prägte sein Nationalempfinden. Nach der Ausbildung zum Priester zwischen 1950 bis 1956 promovierte Glemp in Rom über Kirchenrecht, lehrte Theologie in Gnesen und Warschau, wurde juristischer Berater des unbeugsamen Kardinal Wyszynskis - und auf dessen Wunsch 1981 sein Nachfolger als Erzbischof von Gnesen und Warschau. Unser Bild stammt aus dem Jahr 1983.
Das Taktieren war eine Schwäche Glemps. Jedesmal, wenn Polens oberste kirchliche Autorität bei sensiblen Streitfragen mutig hätte Partei gegen Hasstiraden und Intoleranz ergreifen müssen - "nationale Werte" contra Überfremdung, antisemitische Äußerungen aus dem Klerus usw. - wartete der Primas ab, äußerte gar Verständnis für manchen Nationalpopulisten. So auch 1998, beim Streit um Kreuze, die fanatische Katholiken auf dem Gelände des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz aufgestellt hatten. Der übergroße Teil der dort ermordeten Menschen waren Juden. Deshalb empfanden jüdische Vertreter das Kreuz das weithin sichtbares Symbol der Gedenkstätte als unangemessen. In rechten Kreisen wurde der jüdische Protest als Versuch diffamiert, Polen regieren zu wollen. - Seit dem Holocaust gibt es kaum noch Juden in Polen. Die meisten Überlebenden haben nach antisemitischen Kampagnen 1946 und 1968 das Land verlassen. cmv

Foto: Imago