22.05.2017 10:22 Uhr

Was ist eigentlich ...

WAS IST eigentlich ... ein Brückentag? // Marie Rövekamp erklärt die Freude und Sorge über zu viel arbeitsfreie Zeit

Wer in diesem Jahr geschickt plant und seine Urlaubstage früh genug einreicht, kann das übliche Urlaubskontingent von 30 Tagen mehr als verdoppeln. Grund sind die vielen günstig gelegenen Brückentage unter der Woche, so wie jetzt am kommenden Donnerstag. Während sich Arbeitnehmer über die freien Tage freuen, sind Arbeitgeber wenig begeistert, und Ökonomen sorgen sich sogar um die Wirtschaftskraft des ganzen Landes. Laut Christoph Schröder vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln beträgt die Wertschöpfung an einem Arbeitstag mehr als zehn Milliarden Euro. Selbst wenn ein großer Teil davon später nachgeholt wird, gingen bei einem freien Tag schnell 0,1 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung verloren. Daher prognostizierten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten für 2017 auch nur ein Wachstum von 1,4 Prozent, nach 1,9 Prozent im vergangenen Jahr. Der Grund: Die vielen, vielen Feier- und Brückentage. Wobei es regional recht große Unterschiede gibt. Ein Berliner hat nur neun Feiertage in diesem Jahr, ein Münchner 13, ein Augsburger sogar 14. Dieses Ranking spricht gegen die Panikmache vor dem Leistungsabfall Deutschlands: Bayern ist nämlich viel wirtschaftsstärker als Berlin. Peter Hohlfeld von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung widerspricht deswegen den verängstigten Ökonomen, wenngleich der Grund Arbeitnehmern nicht gefallen wird: Ein Tag mehr oder weniger werde durch Überstunden eben wieder herausgearbeitet. Der Brückentag kann also auch zum Stressfaktor werden.

Foto: Patrick Pleul/dpa