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Medien

„Emma“ feuert Chefin

Kurzer Auftritt, schneller Abgang: Das Magazin "Emma" schmeißt Chefredakteurin Lisa Ortgies raus - mit denkbar schlechtem Zeugnis. Alice Schwarzer konnte ihr Heft nicht loslassen, heisst es aus Ortigies Umfeld - sie revidierte die redaktionellen Entscheidungen der neuen Chefin.
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Wechsel bei "Emma": Alice Schwarzer (links) und Lisa Ortgies. - Foto: dpa
Unternehmerkinder kennen das Schicksal nur zu gut, unter dem jetzt auch Lisa Ortgies zu leiden scheint. Die Söhne oder Töchter sollen die Firma übernehmen, doch der Familienpatriarch lässt sie keinen Schritt alleine tun – es kommt zum Riesenstreit, zur Trennung.

Auch Lisa Ortgies hat sich überworfen. Mit der „Emma“, Deutschlands feministischem Magazin, das sie als Chefredakteurin in die Zukunft führen sollte. Doch Matriarchin und „Emma“-Herausgeberin Alice Schwarzer, Gründerin und Chefredakteurin seit 30 Jahren, will ihr Heft nicht aus der Hand geben. Nach nur zwei Monaten Einarbeitungszeit trennt sich die „Emma“ von Ortgies als Chefredakteurin – mit harten Worten: „Zu unserem Bedauern eignet sich die Kollegin (...) nicht für die umfassende Verantwortung einer Chefredakteurin“, teilte Schwarzer gestern mit. Dabei war es Ortgies, die um vorzeitige Auflösung ihres Vertrags bat.

Schwarzer kann nicht loslassen

Offensichtlich hat sie es in der „Emma“-Redaktion in Köln nicht mehr ausgehalten. Und hatte wohl auch gar keine Chance, als neue Chefredakteurin überhaupt anzukommen. In der aktuellen „Emma“-Ausgabe Mai/Juni taucht Ortgies im Impressum nicht auf – obwohl sie offiziell seit dem 1. Mai Chefredakteurin ist. Stattdessen wird dort unter Redaktion noch immer Schwarzers Name als erster genannt. Die Herausgeberin könne ihr Heft nicht loslassen, heißt es aus Ortgies Umfeld. Ortgies war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Dabei sah im Dezember noch alles nach glücklicher Übergabe aus. Ortgies, 41 Jahre und zweifache Mutter, sei eine „Frau, die an der Front der aktuellen Herausforderung moderner Frauen steht“, die „Kinder und Karriere“ vereint, sagte Schwarzer. Sie werde „die Erfahrungen der Mehrheit der Töchter der Emanzipation“ bei „Emma“ einbringen. Doch müsste die Mutter die Tochter auch lassen.

Ortigies brachte neue Ideen, Schwarzer machte sie rückgängig

Zwei Jahre lang hatte Ortgies bereits als Kolumnistin für das Blatt gearbeitet und für den Westdeutschen Rundfunk die Reihe „Frau TV“ moderiert. Sie sollte die „Emma“ modernisieren, kam mit neuen Ideen in die Redaktion – aber offenbar gelang es ihr nicht, diese gegen Schwarzer durchzusetzen. Schwarzer habe redaktionelle Entscheidungen von Ortgies revidiert und sich vehement gewehrt gegen neue, weniger „feministische Rubriken“, die moderne Frauenliteratur und -musik betreffen. Unter solchen Voraussetzungen sei es für Ortgies unmöglich, die „Emma“ als Chefredakteurin zu gestalten. Sie bat um Vertragsauflösung.

Jetzt will die 65-jährige Schwarzer wieder die Regie als Chefredakteurin übernehmen, so lange, bis eine passende Nachfolgerin gefunden ist. Fraglich nur, ob in Schwarzers Augen überhaupt jemand jemals für diesen Job geeignet ist und sie sich als Herausgeberin aus den redaktionellen Entscheidungen heraushält, heraushalten kann.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 31.05.2008)
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Kommentare [ 2 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von dido07 dido07 ist gerade offline | 31.5.2008 11:45 Uhr
War doch zu erwarten
Das war ja klar, das Alice das nicht schafft, andere Göttinnen neben sich zu dulden. Da ist sie genauso wie ein alter Mann! :)
Comment
von dannyschultz dannyschultz ist gerade offline | 1.6.2008 11:16 Uhr
Alleinvertretungsanspruch der Alice S.
Das Problem der Suche und "Sucht" nach Meinungsmacht hatte Alice S. schon seit jeher, nimmt sie doch für sich in Anspruch, die Interessen der Frauen - immerhin der Mehrheit der Bevölkerung - am besten zu kennen und zu artikulieren. Leider wird sie medial in Deutschland wie eine offizielle und allein legitimierte Sprecherin der Frauen wahrgenommen - obwohl es auch unter (freilich ebenfalls selbst ernannten) Feministinnen auch Abtreibungsgegnerinnen, Prostitutionsbefürworterinnen und Pornokonsumentinnen geben mag. Dass Charlotte Roche mit ihrem Intellektuellenporno hier auf so viel erstaunt gehobene Augenbrauen stößt, mag daran liegen, dass es ob des bisherigen Schwarzer-Meinungsmonopols in Deutschland als Überraschung gilt, dass offensichtlich emanzipierte Frauen so etwas produzieren können. Woanders überrascht das niemanden. Es wird Zeit, dass sich Medien zunehmend auch innerhalb einzelner Interessengruppen nicht nur stets einen Repräsentanten heraussuchen.

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