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Medien im Iran

„Ich wäre gerne geblieben“

Antonia Rados (RTL) und Halim Hosny (ZDF) haben den Iran verlassen, nur Peter Mezger (ARD) wartet noch ab.
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Lässt sich nicht einschüchtern. RTL-Korrespondentin Antonia Rados. Foto: RTL
Noch sitzt Peter Mezger in seinem Büro in Teheran und arbeitet an Beiträgen für „Tagesschau“, „Tagesthemen“ und die Magazine in der ARD. Seit Dienstag ist der ARD-Korrespondent der einzige deutsche Journalist, der für die Hauptnachrichten aus dem Iran berichten kann. Sowohl seine RTL-Kollegin Antonia Rados als auch ZDF-Korrespondent Halim Hosny haben das Land verlassen. Rados, weil ihr Visum am Montag ausgelaufen ist, Hosny flog freiwillig am Dienstagmorgen aus, nachdem ihm dazu verschiedene Seiten wie die für internationale Medien zuständige Regierungsstelle geraten hatten.

„Wichtig ist, dass ich nicht ausgewiesen wurde. Meine Aufenthaltserlaubnis läuft noch bis Februar nächsten Jahres. Indem ich das Land freiwillig verlassen habe, wollte ich das Visum nicht gefährden, um später auch kurzfristig wieder einreisen zu können“, sagte Hosny dem Tagesspiegel bei einem Zwischenstopp aus Istanbul. Zuletzt habe er ohnehin nur noch aus dem Büro heraus berichten können.

„Ich wäre gerne geblieben“, sagt Antonia Rados, die sich jetzt von Paris aus um ein neues Visum bemüht – obwohl in den vergangenen zwei Wochen immer wieder versucht worden sei, sie einzuschüchtern. „Ich bin alle zwei Tage aufgefordert worden, das Land zu verlassen, meinem Team wurde die Kamera weggenommen, wir wurden mit Flaschen beschmissen“, berichtet sie. „Klar habe ich Angst in solchen Situationen, aber ich lasse mich trotzdem nicht einschüchtern. Das habe ich denen auch ziemlich deutlich gesagt und weiter berichtet, auch über diese Angriffe.“

Allerdings sei die Pressefreiheit im Iran auch nicht erst seit dem Beginn der Unruhen eingeschränkt worden. Schon vor der Wahl hätten Journalisten Genehmigungen beim Ministerium für Information und islamische Führung einholen und mit von offizieller Seite abgestellten Übersetzern zusammenarbeiten müssen. Die neuen Direktiven nach der Wahl seien sehr vage geblieben. Ein offizielles Verbot, auf offener Straße zu drehen, habe sie nicht bekommen, sagt Rados. Allerdings die Ansage, nicht über Demonstrationen der Opposition zu berichten. „Ich gehöre aber nicht zu den Leuten, die aus vorauseilendem Gehorsam alles niederstrecken“, sagt Rados.

Wie man sich dann verhält, ist nach Ansicht ihres ZDF-Kollegen Hosny keine rein rationale Entscheidung. „Im Nahen Osten muss man häufig aus dem Bauch heraus entscheiden. Ich halte mich schon eine sehr lange Zeit in der Region auf und habe es bislang zumeist geschafft, die Stimmungslage richtig zu deuten“, sagte Halim Hosny.

Auch ARD-Mann Mezger bekommt immer wieder überraschend Besuch von iranischen Sicherheitskräften, berichtet „ARD-aktuell“-Chefredakteur Kai Gniffke. Zudem sei immer wieder kurz vor Beginn der „Tagesschau“ um 20 Uhr die Telefonleitung zwischen Hamburg und Teheran gestört – ob zufällig oder beabsichtigt, ist für Gniffke fraglich. Zwar könne Mezger wegen des Drehverbots keine eigenen Bilder mehr vor Ort drehen, aber als Korrespondent vor Ort beobachte er die Lage und schätze Entwicklungen ein. „Das ist wichtig, um die von uns verwendeten Amateurvideos und Fotos auf dem Internet auf ihre Plausibilität hin einschätzen zu können“, sagt Gniffke.

Zu den Quellen, die auch für die großen Agenturen immer wichtiger werden, gehört die Internetseite Demotix.org, die seit Anfang 2009 von London aus betrieben wird. Sie versteht sich als Plattform für Bürgerjournalisten. Derzeit wird Demotix.org von über 5600 freien Journalisten und Amateurfotografen aus 120 Ländern genutzt, um in Kontakt zu den Abnehmern aus den alten und neuen Medien zu treten. Die Erlöse werden je zur Hälfte zwischen Demotix und den Autoren, Fotografen und Filmen geteilt.Zu den Abnehmern gehören Agenturen wie Reuters, AFP und EPA sowie Zeitungen wie auch der Tagesspiegel, der am Montag das Demotix-Bild einer Auseinandersetzung von Oppositionellen und den Sicherheitskräften veröffentlichte. Von sich reden machte Demotix zuvor mit Berichten vom Israel-Gaza-Konflikt und Bildern vom Tod eine G-20-Demonstranten in London, jetzt ist es mit Websites wie Youtube, Facebook und Twitter eine der wichtigsten Quellen für Berichte aus dem Iran.

Wie lange Peter Mezger noch bleiben kann? „Die anderen sind weg, ich rechne damit, der Nächste zu sein. Meine Koffer sind gepackt“, sagt er.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 24.06.2009)
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