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Jan Josef Liefers

"Ich bin schon aus Faulheit so"

35 Jahre "3 nach 9": Jan Josef Liefers über Talkshows, Authentizität und Gäste, die zu persönlich werden.
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Der geborene Dresdner Jan Josef Liefers sprach bei der Berliner Großdemo am 4. November 1989. - Foto: dpa
Herr Liefers, mal ehrlich, ein Talkshowauftritt oder Dreharbeiten – was ist Ihnen denn lieber?

Drehen ist mir lieber, inzwischen ist der ganze Rummel um andere Dinge so groß geworden, dass ich schon fast Urlaubsgefühle bekomme, wenn ich ganz normal zur Arbeit fahre. Talkshows besuche ich, wenn ich etwas zu erzählen habe, dass kommt im Jahr öfter als drei Mal, aber seltener als dreizehn Mal vor.

Dreharbeiten sind dank Drehbuch ja eigentlich viel vorhersehbarer für einen Schauspieler. Live-Talkshows wirken zwar oft spontan, sind aber sicher auch teils inszeniert, geplant. Bei vielen Prominenten hat man das Gefühl, dass bestimmte Fragen und Themen krampfhaft ausgeklammert werden.

Grenzen gibt es nur im Privaten. Ansonsten darf jeder alles fragen, ich muss ja nicht alles beantworten. Was die Vorhersehbarkeit angeht, die ist trotz Drehbuchs auch beim Film nicht das Maß aller Dinge.

Inwiefern?


Das Unvorhersehbare schreckt mich nicht ab, im Gegenteil, das kann es sehr spannend machen. Ich habe längst nicht zu allem was zu sagen und finde, einfach mal die Schnauze zu halten manchmal das bessere Entertainment.

Werden Sie lieber von einer Frau oder von einem Mann befragt?

Das ist mir egal. Es ist jedenfalls schön, wenn jemand sie stellt, der mitdenkt und die Kunst der Verführung zum Nachdenken beherrscht.

Verführerisch kann es auch sein, einen Star so zu erleben, wie er wirklich ist. Stichwort Authentizität. Was denken Sie: Gucken die Zuschauer deswegen bei Talkshows zu, weil Sie wirklich glauben, den Prominenten, den Star so zu erleben, wie er abseits seiner Rollen ist?

Es könnte Stars geben, die man gar nicht so erleben will, wie sie wirklich sind. Gute Talkshows sind wie ein Blutbild, wie eine Momentaufnahme. Authentizität ist in den Medien eine harte Währung, mit der man immer noch am weitesten kommt, denn sie ist krisenfest und dauerhaft.

Verstellen Sie sich nie?

Ich habe so viel in der Öffentlichkeit zu tun, dass ich schon aus Faulheit lieber so bin, wie ich bin. Alles andere wäre mir zu anstrengend.

Die dienstälteste Talkshow „3 nach 9“ mit Charlotte Roche und Giovanni di Lorenzo feiert am Freitag 35-jähriges Jubiläum. Wenn sie denn öfters in Talkshows gehen. hat sich das Procedere in den vergangenen Jahren sehr verändert?


Ich glaube, ich war erst einmal bei „3 nach 9“ Gast, damals führte Amelie Fried das Gespräch und attestierte mir unter anderem einen Dackelblick.

Es gibt Schlimmeres.


Mal sehen, was Charlotte Roche an mir auffällt. Vielleicht unterhält sich aber diesmal auch Giovanni di Lorenzo mit mir. Ich finde, beide sind interessante Menschen, weil sie sich für Menschen interessieren. Daran hat sich nichts geändert. Alles andere kann ich nicht wirklich beurteilen, und auch in diesem Fall gilt: lieber die Klappe halten!

Das Interview führte Markus Ehrenberg

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 06.11.2009)
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