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TALK-COMEBACK

Sabine Christiansen: „Ich wollte Aust als alleinigen Moderator“

Aber Aust wollte ein Duo mit Sabine Christiansen. Ein Gespräch über Fernsehpausen, Wahl-Talks und Altersgrenzen für TV-Frauen
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In der Sat-1-Wahlarena. Sabine Christiansen (51) hat vor zwei Jahren als ARD-Talkerin aufgehört, ihre Nachfolgerin wurde Anne Will. Stefan Aust (63) war bis März 2008 Chefredakteur des »Spiegel«. Foto: Sat 1
Frau Christiansen, sind Sie froh, wieder auf der großen Fernsehbühne zu stehen?

Eigentlich wollte ich nicht zurück auf die große TV-Bühne, Stefan Aust, Torsten Rossmann und Guido Bolten haben mich dann doch überredet. Ursprünglich hatte ich das Format für „Ihre Wahl! Die Sat-1-Arena!“ mit meiner Firma TV21 entwickelt und Aust als alleinigen Moderator vorgeschlagen. Sat 1 und Stefan Aust haben aber gute Argumente für eine Doppelmoderation ins Feld geführt - auch, weil man die Gäste zu zweit besser in die Zange nehmen kann. Ich habe das dann erst mit meinem Mann diskutiert, weil ich jetzt für zwei Monate von Paris weg bin. Er hat gesagt, dann komme eben ich ab und an nach Berlin. Et voilà.

Zwar haben Sie für n-tv und CNBC moderiert, aber für einen Großteil des Publikums waren Sie nun zwei Jahre nicht auf dem Schirm. Was erfährt man in einer solchen Fernsehpause über sich selbst als Fernsehmensch?

Mehr als vorher. Erst mal hatte ich mehr Zeit, mir andere Formate anzuschauen und zu vergleichen. Außerdem habe ich Abstand gefunden, was auch ganz gut ist, weil nicht jede kleine Aufregung unter der Berliner Käseglocke zu einem großen Sturm führt. Ich wohne in Paris, da betrachtet man die Dinge alleine durch die örtliche Ferne mit größerer Gelassenheit.

Sind Sie persönlich gelassener geworden?

Ich war früher auch kein besonders aufgeregter Mensch. Aber wenn man hier im politischen Zentrum von Berlin sitzt, macht man schnell jedes Thema zu einer großen Sache, insbesondere, wenn man eine wöchentliche Talkshow moderiert.

Sie sind wegen Vermischung von Journalismus und Nebentätigkeit von der ARD im Streit geschieden. Jetzt gab es eine neue Debatte um Ihren „Tagesthemen“-NachNach-Nachfolger Tom Buhrow – ohne Konsequenzen. Fühlen Sie sich im Nachhinein ungerecht behandelt?

Wir sind nicht im Streit geschieden. Warum auch? Ich habe gerade ein Feature über Kuba für die ARD gedreht. Zur aktuellen Debatte um die Nebentätigkeiten: Ich habe 20 Jahre lang die meisten Angebote für Moderationen etc. abgelehnt, auch als ich bereits seit zehn Jahren keine festangestellte Mitarbeiterin der ARD mehr war. Soweit ich weiß, hat auch Tom Buhrow nach klaren Regeln gehandelt. Er hat einen Antrag auf Nebentätigkeit gestellt, und der wurde genehmigt. Was daran ist verwerflich? Wenn es verwerflich sein sollte, dann müssen die Genehmiger einen Antrag begründet ablehnen. Der Rest ist auch eine Neiddebatte, die gern via Medien geführt wird.

Die ARD-Talkshow war nach Ihnen benannt, jetzt arbeiten Sie bei Sat 1 unter dem Label „Ihre Wahl! Die Sat-1-Arena“. Steckt automatisch weniger Christiansen drin?

Klar: Wir moderieren zu zweit – also fifty-fifty. Generell finde ich es richtig, wenn ein Talk über den Namen der Moderatorin oder des Moderators zu identifizieren ist, sonst wären die rund 30 Talkshows wöchentlich kaum zu unterscheiden. Aber wir machen jetzt eine Spezialsendung zur Wahl, das hat erst mal nichts mit unseren Namen zu tun, selbst wenn wir beiden dafür einstehen.

Sie beide waren früher Solospieler, Sie als Moderatorin der wichtigsten Talkshow, Stefan Aust als Chefredakteur des wichtigsten Nachrichtenmagazins. Funktionieren Sie überhaupt im Duo?


Selbstverständlich, außerdem habe ich früher auch schon zu zweit oder viert moderiert, beispielsweise die Fernsehduelle der beiden letzten Bundestagswahlen.

Was überzeugt Sie, dass Stefan Aust ein guter Talker ist?


Der „Talk im Turm“ mit Moderator Stefan Aust war vom Format her nicht gelungen. Seine Rolle in der „Wahlarena“ ist aber weniger die des Talkers. Er übernimmt mit mir gemeinsam die Interviews, die Konfrontation von Guttenberg mit Linken-Chef Oskar Lafontaine – und das kann er. Absolut.

Aust war nicht immer Ihr größter Fan, der „Spiegel“ hat Sie auch während seiner Chefredaktion kritisiert. Jetzt ist Aust Ihr Protegé, eine gute Gelegenheit ihm zu zeigen, wo der Hammer hängt?


Das ist in einer langjährigen und engen Bekanntschaft kein Thema. Das konnte ich immer professionell unterscheiden. Oder ich sage persönlich den Print-Kollegen: Hey, was macht Ihr denn da? Das war’s. Ressentiments sind mir fremd.

Früher saß der Zuschauer im Publikum und hatte zu klatschen, am besten so viel wie möglich. Jetzt soll er in den Talkshows selber aktiv und interaktiv werden, die Sendung mit Fragen und Anmerkungen bestücken. Was hat den Moderatoren die Autorität genommen?

Bei einem „Townhall-Format“, wie es jetzt RTL zeigte, gibt es diesen Autoritätsverlust, weil die Aufgabe der Moderatoren tatsächlich nur darin besteht, die Fragen der Zuschauer an den Gast weiterzugeben. Bei uns ist die Einbindung der Zuschauer aber nur eine Option. Die ersten 20 Minuten sprechen wir Moderatoren ohnehin alleine mit dem Gast, im zweiten und dritten Teil nehmen wir die Fragen der Zuschauer auf, wenn sie interessant sind. Aber wenn im schlimmsten Fall keine interessanten SMS oder Mails zum Thema eintreffen, dann würde es die Sendung nicht kaputt machen, weil wir selber genug Fragen und Konfrontationsmöglichkeiten haben.

Das „Townhall-Meeting“ mit SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier bei RTL hatte bescheidene 810 000 Zuschauer. Wollen Zuschauer Politik bei den Privaten einfach nicht sehen?

Das geringe Interesse hat nicht zuerst etwas mit dem Sender zu tun. In diesem Wahlkampf fehlen schlichtweg die großen Themen, es gibt keinen Streit. Man wagt kaum, von einer heißen Phase zu sprechen. Aber tatsächlich ist es wohl so, dass die Zuschauer den Privatsendern etwas misstrauischer gegenübertreten, wenn es um politische Formate geht. Das ist gelerntes Verhalten. Auch beim TV-Duell zwischen Steinmeier und Merkel am 13. September wird das Erste wohl wieder den höchsten Zuschaueranteil einfahren. Aber warum sollen die Zuschauer nicht umlernen können?

Sie waren über viele Jahre ein öffentlich-rechtliches Publikum gewohnt. Wie wird sich das Sat-1-Publikum unterscheiden?

Wir wollten natürlich vorab wissen, für wen wir die Sendung machen und waren deshalb zuerst in der Sat-1-Zuschauerforschung. Die Erkenntnis: Die Sat-1-Zuschauer sind mehr Osten, sie sind jünger und vor allem weiblich, familienorientiert – und in dieser Kombination überraschenderweise auch technisch sehr interessiert.

Das bedeutet?

Sat-1-Zuschauer nutzen technische Medien, auch gerne mehrere zur gleichen Zeit. Sie sitzen beispielsweise vorm Fernseher, surfen gleichzeitig im Netz und verschicken nebenbei noch SMS. Für unser interaktives Konzept sind solche Vorlieben natürlich nur von Vorteil.

Der Sat-1-Zuschauer ist also eher technikaffin als politikaffin?

Na, für Karl-Theodor zu Guttenberg, laut einer jüngsten Umfrage „sexiest man in politics“, interessieren sich sicher auch politikferne Schichten – interessanterweise.

Die Sat-1-„Wahlarena“ läuft parallel zu „Anne Will“ in der ARD. Was macht diese Entscheidung zu einer klugen Entscheidung?

Natürlich ist das ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Aber Sat-1-Geschäftsführer Guido Bolten hat zu Recht angemerkt, dass Sat 1 auf diesem Sendeplatz mit „Talk im Turm“ eine Tradition hat. Und suchen Sie zweitens mal einen Primetime-Sendeplatz im deutschen Fernsehen, auf dem Sie konkurrenzlos ein politisches Format platzieren können – den finden Sie nicht.

Bei einem Privatsender zählt vor allem die Einschaltquote.


Unser Format kommt auch aus Imagegründen ins Sat-1-Programm und nicht nur aus Quotengründen.

Heißt: Nach der Wahl bleibt das „Dream-Team“ Christiansen/Aust sich selbst und Sat 1 treu?


Dass Stefan Aust und ich irgendwann einmal für besondere Ereignisse wieder zur Verfügung stünden, das ist überhaupt nicht der Punkt. Da gibt es keine Absprachen. Ich würde gern den eingeschlagenen Weg weitergehen, mich auf den Job als Produzentin und Autorin zu konzentrieren und nur wenige Wirtschaftsformate oder Sondersendungen zu moderieren.

Sandra Maischberger sagte einmal, dass Frauen im Fernsehen ein Verfallsdatum haben.


Ich dachte, ich hätte meines längst erreicht. Wo es genau liegt, kann ich nicht sagen, das teste ich gerade aus. Im Ernst: Heute gibt es diese Altersgrenze für Frauen nicht mehr. Allerdings hängt es auch davon ab, was sie auf dem Bildschirm machen. Schönheitssendungen oder Magazine wie „VIP Live Exklusiv“ sind schwierig. Wenn man aber bei sich bleibt, in seinem Metier, meinetwegen in seiner Schublade, dann hat man das erreicht, was man über Fernsehmänner gesagt hat: Jetzt ist er grauhaarig, jetzt ist er ein erfahrener Fernsehmann. Also: Warum soll es heute keine erfahrene Fernsehfrau geben?

Bleibt die haarige Schlussfrage: Ist Stefan Aust geliftet?


Er trägt das Haar kurz, also würde man es sehen. Nein, Stefan Aust ist naturschön.

Das Gespräch führten Joachim Huber und Sonja Pohlmann.

„Ihre Wahl! Die Sat-1-Arena“, um 22 Uhr 15, Sat 1




(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 23.08.2009)
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Kommentare [ 9 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von talkingkraut.peterson talkingkraut.peterson ist gerade offline | 22.8.2009 17:23 Uhr
Sabine, wir haben Dich so vermisst
Auch wenn sie jetzt nicht den eingeschlagenen Weg weitergeht, sondern bei sich bleibt, nicht örtlich entfernt, sondern in örtlicher Nähe, zur Primetime in einem neuen Format, mit dem sexiest man in politics talkt zusammen mit dem Mann vom Spiegel, dem Print-Kollegen, dem und den anderen Print-Kollegen sie persönlich sagt: Hey, was macht ihr denn da?
Comment
von slider slider ist gerade offline | 23.8.2009 8:48 Uhr
Wirtschaftskrise, Wahlkrampf 2009 und...
nun Frau Christiansen und Co.

In diesem Sommer bleibt uns wohl nichts erspart.
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von kaleu kaleu ist gerade offline | 23.8.2009 12:30 Uhr
Richtig slider, noch nicht einmal.....
...das Geplapper von Leuten, die Frau Christiansen, nicht im Entferntesten, jemals das Moderatorenwasser reichen könnten.
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von stachel.v.tagesigel stachel.v.tagesigel ist gerade offline | 23.8.2009 12:35 Uhr
Was kann der Christiansen schon passieren?
Anne Will und Maybritt Illner sind weniger als Mittelmaß. So wird sie mit einer Durchschnittsleitung glänzen können. Welch prtachtvolle Parallele zum Wahlkampf, passt doch hervorragend!
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von uwemohrmann uwemohrmann ist gerade offline | 23.8.2009 13:02 Uhr
ach kaleu
aber bestimmt Ihrer Ansicht nur wenn sie mit Ihrem Duzfreund Guido Kaffepläuschchen im Fernsehen hält oder meinetwegen auch mit ihrem Freund Wowereit, aber wehe es kommt was böses für Ihre Freunde raus, dann sind Sie bestimmt böse. "Journalisten", die zu viel Nähe zu Politikern haben, sind mir sehr suspekt und nicht glaubwürdig.
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von nurmi nurmi ist gerade offline | 23.8.2009 13:44 Uhr
Erinnerung
Ich erinnere daran, wie Christiansen im Bundestag gemeinsam mit Liz Mohn und Friede Springer im Bundestag der Angela Merkel zugejubelt hat. Alles klar? Aust passt ganz hervorragend in diese Schiene. Das soll Journalismus sein?
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von walper walper ist gerade offline | 24.8.2009 14:14 Uhr
was sind "Osten"
im Interview sagte Frau Christiansen


Zitat von Christiansen im TSp-Interview

Die Sat-1-Zuschauer sind mehr Osten, sie sind jünger und vor allem weiblich, familienorientiert – und in dieser Kombination überraschenderweise auch technisch sehr interessiert. Die Sat-1-Zuschauer sind mehr Osten, sie sind jünger und vor allem weiblich, familienorientiert – und in dieser Kombination überraschenderweise auch technisch sehr interessiert.


Gerne wüsste ich: was oder wer sind Osten?
jung/weiblich/familienorientiert und in dieser Kombination überraschenderweise technisch interessiert ...
Und die Sendung hat für mich meine Erwartung bestätigt, dass ich es bei dem einen Mal belassen kann. Herr Aust diente wohl eher dekorativen Zwecken.
Comment
von jubelkron jubelkron ist gerade offline | 24.8.2009 18:19 Uhr
BERUF UND BERUFUNG
Als Nachrichten Sprecherin und Redakteurin war Sabine Christiansen nicht besser oder schlechter wie die anderen Nachrichtenvermittler. Erst mit der Sendung, wo sie politische Gespräche führen dürfte, hatte sie eine Chance bekommen eine Sendung ihrem Namen eine Bedeutung zu verleihen.

Daraus wurde es nichts. Sie war nicht nur langweilig, sondern nie versucht die Basar-Einfälle im Griff zu kriegen. So blieb sie ganze Jahre in Kielwasser des Schiffes namens „The political correctness“. Was den Zuschauer immer interessiert, ein Streitgespräch mit den Auseinandersetzungen und kritischen Betrachtungen des Geschehens, kam nie bei S. C. nie zustande, denn das nicht nur Intellekt sondern oft auch Mut erfordert.

Ein Journalismus ohne Esprit mit bedeutungslosen Quatsch ist ja ein besten Weg eine Kariere zu machen. Wenn aber von einem Journalisten etwas in der Geschichte bleibt, wie z. B. vor einem Monat gestorbenen Walter Cronkite, dann liegt es daran, dass für Cronkite war sein Engagement in der Presse eine Berufung, für S. C. doch nur ein Beruf. Wenn es Schicksal der Frau Christianasen nun noch eine Chance gibt, dann wäre ich der erste die Sie gratuliert, falls sie diese Chance nutzt.

Ich gehöre nicht zu denen, die Menschenveränderung leugnen.
Comment
von juergenbraeunlein juergenbraeunlein ist gerade offline | 26.8.2009 10:05 Uhr
"Die hohe Kunst der Journaille"
http://braeunlein.blogspot.com/2009/08/die-hohe-schule-der-journaille.html

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