Computerfirmen, die mit Peking Geschäfte machen, werden künftig zu Gehilfen der Zensoren. Ab Juli ist auf jedem Computer eine Filtersoftware Pflicht.
Berlin -
Was aus Sperrlisten werden kann, wie sie gerade das Bundeskriminalamt im Auftrag der Bundesregierung plant, ist derzeit in China zu besichtigen. Die dortige Regierung verlangt ab dem 1. Juli von Computerherstellern, ein Filterprogramm zu installieren oder als Installationssoftware beizulegen, wenn sie ihre Geräte in China verkaufen wollen.
"Grüner Damm – Jugendschutz" heißt das in China entwickelte Programm, das Pornografie und ungenannte weitere Themen blockieren soll. Ganz im Sinne des maoistischen Ideals vom großen Landesvater, der seine unmündigen Kinder vor Unbill schützt, soll es eine "grüne, gesunde und harmonische Internetumgebung aufbauen und verhindern, dass schädliche Informationen junge Menschen im Internet beeinflussen und vergiften können", wie das Wall Street Journal aus einer chinesischen Regierungserklärung zitiert.
Das System funktioniert ähnlich wie die Zensurliste des BKA, nur auf anderer Ebene. Die Entwicklerfirma der Software, die Jinhui Computer System Engineering Corporation, pflegt im Auftrag der Regierung eine Liste mit zu blockierenden Seiten. Rechner, auf denen das Programm läuft, greifen via Internet auf die Liste zu und sperren dann diese Seiten im Browser des Nutzers, sollte er versuchen, sie aufzurufen.
Genauso arbeiten auch Kinderschutzfilter, die in verschiedenen Browsern vorhanden sind und Eltern die Möglichkeit geben, das Surfverhalten ihrer Kinder zu steuern. Wie diese soll es beim "Grünen Damm" möglich sein, eigene Filterlisten zu erstellen, und sie der zentralen Liste hinzuzufügen, wie der Chefentwickler der Firma, Zhang Chenmin, in einem offiziellen Webportal des China Internet Information Center zitiert wird.
Die Kritik an einem solchen System ist immer die gleiche: Es ist nicht transparent, was warum blockiert wurde, ein thematischer Ausbau ist jederzeit möglich und nicht kontrollierbar, der Nutzer wird durch sie entmündigt.
Das Programm ist nur ein Baustein in der "Großen chinesischen Firewall", wie im Ausland der Versuch genannt wird, den Informationsfluss des Internets zu kontrollieren. Zwar soll es möglich sein, es im Zweifel wieder zu deinstallieren und von den Firmen fordert die chinesische Regierung auch nicht, es vor Verkauf auf die Rechner zu spielen. Doch es zeigt, in welches Dilemma Unternehmen geraten, die mit China Geschäfte machen wollen. Bereits bei den bisherigen Zensurbemühungen haben westliche Firmen manchmal nur zu bereitwillig geholfen, um dort Geld verdienen zu können. Wofür Cisco, Yahoo oder Google weltweit gescholten wurden.
Das waren allerdings Einzelfälle. Nun aber wird die Kooperation bei der Zensur von allen Hardware-Herstellern richtiggehend gefordert. Laut Wall Street Journal hat die chinesische Regierung allen Computerherstellern mitgeteilt, dass die Software künftig Bedingung ist. Es sieht so aus, als sei man sich der eigenen Marktmacht wohl bewusst und versuche, sie einzusetzen. Immerhin wurden im vergangenen Jahr dort fast 40 Millionen Computer verkauft, Tendenz steigend. Außerdem gibt es in China geschätzte 250 Millionen Internetnutzer, ein riesiger Markt. Kein Wunder, dass die größten ausländischen Anbieter dort, HP und Dell, für Kommentare nicht zur Verfügung standen.
Im Gegensatz zum "Grünen Damm" will das BKA hierzulande nur kriminelle Inhalte blockieren. In China geht es nicht um Kriminalität, sondern um alle "Onlinepornografie". Doch zeigt die Software die gefährlichen Möglichkeiten dieser Idee, vor denen immer wieder Kritiker warnen. Hierzulande macht sich verdächtig, wer auf einem Stoppschild landet, egal, wie er dahin kam. In China wäre dann suspekt, wer auf eine gesperrte Seite zugriffe, ist der Filter doch obligatorisch, auch wenn er "natürlich" wieder deinstalliert werden können, wie Zhang zitiert wird.
(ZEIT ONLINE)
Kommentare [ 13 ] Kommentar hinzufügen »
Ich glaube es ist nur eine Frage der Zeit bis auch hier in Deutschland Stimmen aufkommen, dass eine Überwachungssoftware zwangsweise auf Computern zu installieren ist.
Ich würde mir nur wünschen, dass die Parteien endlich intern konsequenzen ziehen und solche Abgeordneten nicht länger in ihren Landeslisten aufstellen oder, wie im Falle von Wiefelpütz ihn endlich nicht mehr als Direktkandidaten aufstellen!
Vielen Dank an die christlichen Fundamentalisten um Herrn zu und Frau von, die uns vor aller Welt lächerlich machen und der Heuchelei überführen.
was macht Sie da so sicher? Es ist keine demokratische Kontrolle vorgesehen. Außerdem: wer entscheidet, was radikal ist und was dem mündigen Bürger vorzuenthalten ist?
Noch selbstverständlich. Aber es wird schon kräftig dran geschraubt, sich Orwellschen Verhältnissen anzunähern.
Wie kann man China ernsthaft anprangern, wenn gleichzeitig Zensursula v.d.L. kräftig an unserer Informationsfreiheit kratzt? Erst war es Kinderpornographie (nicht, weil man Kinder schützen wollte, sondern weil man hier wohl den wenigsten Widerstand erwartete), jetzt ist es Extremismus, links, rechts, islamisch, morgen ist es vielleicht schon die Kapitalismuskritik, "drogenverherrlichende" Seiten, Anti-Atomkraft-Inhalte oder was der Regierung dann noch so alles einfällt.
Nein, es kann nur ein totales Verbot geben, das gilt für die Zensur ebenso wie für Folter. Da müssen wir hart bleiben. Dann dürfen wir auch mit den Finger auf die Chinesen zeigen.
Sie kann ja nicht gerade "klein" sein. Es gibt millionen Internetseiten, auf denen diese gewissen Inhalte zu sehen sind.
Das würde ja bedeuten, dass der Explorer ständig diese gigantische Liste laden müsste, um dann zum CheckUp zu kommen und anschließend Seite xy aufruft oder blockt...
Wie lange würde so ein Prozess dauern?
Betrifft das generell alle eingehenden Verbindungen oder nur die, die man aufrufen möchte (Werbung / Popups von solchen Seiten sind auch auf "sauberen" Seiten zu finden, wie man inzwischen ungewollt mitbekommt)?
Dann gibt's ja immernoch 'nen Proxy...
Ein Blick nach China ist ein gutes Argument, gegen jene, die meinen die DDR war kein unterdrueckerischer Unrechtsstaat und gegen solche die meinen man muesste das Experiement noch einmal versuchen.
http://www.golem.de/0906/67662.html
http://rconversation.blogs.com/rconversation/2009/06/original-government-document-ordering-green-dam-software-installation.html
http://rconversation.blogs.com/.a/6a00d8341c609853ef01156fe19d45970c-pi
wer jetzt immer noch geschäfte mit diesen entführern, folterern und mördern macht, macht sich auch mitschuldig an diesen verbrechen.
und allen die hier meinen, das "von der leyensche kinderpornogesetz" verhindert kinderpornografie, der glaubt auch dasss zitronenfalter zitronen falten.
China ist nicht viel schlimmer als wir Hochentwickelten westlichen Ländern. Chinas Maske ist nur noch nicht so ausgereift.