[Kommentare: 13]

Great Firewall

China verlangt Zensur-Programm auf allen Rechnern

Computerfirmen, die mit Peking Geschäfte machen, werden künftig zu Gehilfen der Zensoren. Ab Juli ist auf jedem Computer eine Filtersoftware Pflicht.
Anzeige
Bild vergrößern
In China surft niemand unbeobachtet. - Foto: dpa
Berlin -  Was aus Sperrlisten werden kann, wie sie gerade das Bundeskriminalamt im Auftrag der Bundesregierung plant, ist derzeit in China zu besichtigen. Die dortige Regierung verlangt ab dem 1. Juli von Computerherstellern, ein Filterprogramm zu installieren oder als Installationssoftware beizulegen, wenn sie ihre Geräte in China verkaufen wollen.

"Grüner Damm – Jugendschutz" heißt das in China entwickelte Programm, das Pornografie und ungenannte weitere Themen blockieren soll. Ganz im Sinne des maoistischen Ideals vom großen Landesvater, der seine unmündigen Kinder vor Unbill schützt, soll es eine "grüne, gesunde und harmonische Internetumgebung aufbauen und verhindern, dass schädliche Informationen junge Menschen im Internet beeinflussen und vergiften können", wie das Wall Street Journal aus einer chinesischen Regierungserklärung zitiert.

Das System funktioniert ähnlich wie die Zensurliste des BKA, nur auf anderer Ebene. Die Entwicklerfirma der Software, die Jinhui Computer System Engineering Corporation, pflegt im Auftrag der Regierung eine Liste mit zu blockierenden Seiten. Rechner, auf denen das Programm läuft, greifen via Internet auf die Liste zu und sperren dann diese Seiten im Browser des Nutzers, sollte er versuchen, sie aufzurufen.

Genauso arbeiten auch Kinderschutzfilter, die in verschiedenen Browsern vorhanden sind und Eltern die Möglichkeit geben, das Surfverhalten ihrer Kinder zu steuern. Wie diese soll es beim "Grünen Damm" möglich sein, eigene Filterlisten zu erstellen, und sie der zentralen Liste hinzuzufügen, wie der Chefentwickler der Firma, Zhang Chenmin, in einem offiziellen Webportal des China Internet Information Center zitiert wird.

Die Kritik an einem solchen System ist immer die gleiche: Es ist nicht transparent, was warum blockiert wurde, ein thematischer Ausbau ist jederzeit möglich und nicht kontrollierbar, der Nutzer wird durch sie entmündigt.

Das Programm ist nur ein Baustein in der "Großen chinesischen Firewall", wie im Ausland der Versuch genannt wird, den Informationsfluss des Internets zu kontrollieren. Zwar soll es möglich sein, es im Zweifel wieder zu deinstallieren und von den Firmen fordert die chinesische Regierung auch nicht, es vor Verkauf auf die Rechner zu spielen. Doch es zeigt, in welches Dilemma Unternehmen geraten, die mit China Geschäfte machen wollen. Bereits bei den bisherigen Zensurbemühungen haben westliche Firmen manchmal nur zu bereitwillig geholfen, um dort Geld verdienen zu können. Wofür Cisco, Yahoo oder Google weltweit gescholten wurden.

Das waren allerdings Einzelfälle. Nun aber wird die Kooperation bei der Zensur von allen Hardware-Herstellern richtiggehend gefordert. Laut Wall Street Journal hat die chinesische Regierung allen Computerherstellern mitgeteilt, dass die Software künftig Bedingung ist. Es sieht so aus, als sei man sich der eigenen Marktmacht wohl bewusst und versuche, sie einzusetzen. Immerhin wurden im vergangenen Jahr dort fast 40 Millionen Computer verkauft, Tendenz steigend. Außerdem gibt es in China geschätzte 250 Millionen Internetnutzer, ein riesiger Markt. Kein Wunder, dass die größten ausländischen Anbieter dort, HP und Dell, für Kommentare nicht zur Verfügung standen.

Im Gegensatz zum "Grünen Damm" will das BKA hierzulande nur kriminelle Inhalte blockieren. In China geht es nicht um Kriminalität, sondern um alle "Onlinepornografie". Doch zeigt die Software die gefährlichen Möglichkeiten dieser Idee, vor denen immer wieder Kritiker warnen. Hierzulande macht sich verdächtig, wer auf einem Stoppschild landet, egal, wie er dahin kam. In China wäre dann suspekt, wer auf eine gesperrte Seite zugriffe, ist der Filter doch obligatorisch, auch wenn er "natürlich" wieder deinstalliert werden können, wie Zhang zitiert wird. (ZEIT ONLINE)
Sie interessieren sich für dieses Thema und wollen keinen Artikel im Tagesspiegel dazu verpassen? » Informieren | » Login

Aus anderen Ressorts

Bundesregierung:

Bafögsätze sollen steigen
Die Bundesregierung will zum 1. Oktober 2010 das BAföG erhöhen. Gleichzeitig soll ein nationales Stipendiensystem für besonders leistungsstarke Studenten eingeführt werden.

Umweltschutz:

Entsorgungsfragen

Untersuchungsausschuss:

Spreedreieck-Affäre: Strieder rechnet mit Nachfolgern ab
Ex-Bausenator Strieder will beim Spreedreieck frühzeitig gewarnt haben. Nachbarn des Areals klagen erneut.

Kommentare [ 13 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von nielas.aran nielas.aran ist gerade offline | 10.6.2009 13:58 Uhr
Na mal sehen...
... wann Gewisse Politiker in China aus Einkaufstour gehen. Eine Überwachung von Autos wurde ja durch einige Politiker in Europa bereits vorgeschlagen, in dem in jeden Auto als Pflicht eine Blackbox installiert werden soll.
Ich glaube es ist nur eine Frage der Zeit bis auch hier in Deutschland Stimmen aufkommen, dass eine Überwachungssoftware zwangsweise auf Computern zu installieren ist.
Ich würde mir nur wünschen, dass die Parteien endlich intern konsequenzen ziehen und solche Abgeordneten nicht länger in ihren Landeslisten aufstellen oder, wie im Falle von Wiefelpütz ihn endlich nicht mehr als Direktkandidaten aufstellen!
Comment
von cmeyer cmeyer ist gerade offline | 10.6.2009 14:31 Uhr
Chinesische Verhältnisse
Ich denke man kann gar nicht oft genug betonen, wie sehr sich das jetzt beschlossene deutsche und das von uns so hypokritisch gescholtene chinesische System gleichen.

Vielen Dank an die christlichen Fundamentalisten um Herrn zu und Frau von, die uns vor aller Welt lächerlich machen und der Heuchelei überführen.
Comment
von hebold hebold ist gerade offline | 10.6.2009 14:57 Uhr
Kommunistische Methoden
Wen wunderts - kommunistische Überwachungsmethoden in einem kommunistischen Staat. Das mit den geplanten deutschen Beschränkungen zu vergleichen, darf getrost als Witz abgetan werden. Hierzulande geht es um Kinderpornos und um eine paar Radikale der Linken, der Rechten und aus der islamischen Ecke. In China dagegen um Grundrechte, die hier seit 6 Jahrzehnten selbstverständlich sind.
Comment
von guybrush guybrush ist gerade offline | 10.6.2009 17:31 Uhr
Hmm


Zitat von hebold

Hierzulande geht es um Kinderpornos und um eine paar Radikale der Linken, der Rechten und aus der islamischen Ecke



was macht Sie da so sicher? Es ist keine demokratische Kontrolle vorgesehen. Außerdem: wer entscheidet, was radikal ist und was dem mündigen Bürger vorzuenthalten ist?



Zitat von hebold

In China dagegen um Grundrechte, die hier seit 6 Jahrzehnten selbstverständlich sind.



Noch selbstverständlich. Aber es wird schon kräftig dran geschraubt, sich Orwellschen Verhältnissen anzunähern.
Comment
von columbo columbo ist gerade offline | 10.6.2009 15:20 Uhr
Ein bisschen zensur, ein bisschen Folter?
Da sieht man mal wieder, wohin das führt. Nämlich in Teufels Küche.

Wie kann man China ernsthaft anprangern, wenn gleichzeitig Zensursula v.d.L. kräftig an unserer Informationsfreiheit kratzt? Erst war es Kinderpornographie (nicht, weil man Kinder schützen wollte, sondern weil man hier wohl den wenigsten Widerstand erwartete), jetzt ist es Extremismus, links, rechts, islamisch, morgen ist es vielleicht schon die Kapitalismuskritik, "drogenverherrlichende" Seiten, Anti-Atomkraft-Inhalte oder was der Regierung dann noch so alles einfällt.

Nein, es kann nur ein totales Verbot geben, das gilt für die Zensur ebenso wie für Folter. Da müssen wir hart bleiben. Dann dürfen wir auch mit den Finger auf die Chinesen zeigen.
Comment
von bengue bengue ist gerade offline | 10.6.2009 16:38 Uhr
Masse
Diese Blacklist würde ich gerne sehen.
Sie kann ja nicht gerade "klein" sein. Es gibt millionen Internetseiten, auf denen diese gewissen Inhalte zu sehen sind.

Das würde ja bedeuten, dass der Explorer ständig diese gigantische Liste laden müsste, um dann zum CheckUp zu kommen und anschließend Seite xy aufruft oder blockt...

Wie lange würde so ein Prozess dauern?
Betrifft das generell alle eingehenden Verbindungen oder nur die, die man aufrufen möchte (Werbung / Popups von solchen Seiten sind auch auf "sauberen" Seiten zu finden, wie man inzwischen ungewollt mitbekommt)?

Dann gibt's ja immernoch 'nen Proxy...
Comment
von jetbundle jetbundle ist gerade offline | 10.6.2009 17:50 Uhr
Ein guter Grund...
...nicht die Linken zu waehlen. Wir wissen ja, wie es laeuft: Zuerst kommt der Sozialismus, dann markt man das der Sozialismus nicht klappt und die Leute wegrennen, und dann kommen Stasi und Zensur.

Ein Blick nach China ist ein gutes Argument, gegen jene, die meinen die DDR war kein unterdrueckerischer Unrechtsstaat und gegen solche die meinen man muesste das Experiement noch einmal versuchen.
Comment
von zp zp ist gerade offline | 10.6.2009 19:44 Uhr
....nur dass es die braunen, schwarzen und konservativen waren.,....
.......die die welt zwei mal in schutt und asche gelegt und über 6 millionen menschen auf ihren gewissen haben.....
Comment
von utkiek utkiek ist gerade offline | 10.6.2009 22:22 Uhr
ich will ja nicht gegenrechnen,
... aber Stalin, Mao, Pol Pot sowie die Kim-Bande in Nordkorea haben auch so einige Millionen auf dem "Gewissen".
Comment
von jetbundle jetbundle ist gerade offline | 10.6.2009 22:58 Uhr
das stimmt bezueglich braun aber nicht bezueglich Konservativ und schwarz
... und ich wuerde auch ein entsprechendes Kommentar bezueglich der NPD schreiben. Allerdings kann man die Verbrechen des Holocaust nicht als verschoenigung des Unrechts des Kommunismus "anrechnen" - und gegenwaertig hat die ex-SED 8% und die NPD 1-2%, von daher sehe ich Links z.Zt. als eine schlimmere Bedrohung.
Comment
von marel marel ist gerade offline | 10.6.2009 18:38 Uhr
Filter muß vorinstalliert sein
Die Information dieses Artikel scheint bereits veraltet. Laut Golem.de reicht es nicht, die Software nur beizulegen.

http://www.golem.de/0906/67662.html

http://rconversation.blogs.com/rconversation/2009/06/original-government-document-ordering-green-dam-software-installation.html

http://rconversation.blogs.com/.a/6a00d8341c609853ef01156fe19d45970c-pi
Comment
von zp zp ist gerade offline | 10.6.2009 18:46 Uhr
man kann es nicht oft genug widerholen:
china ist ein totalitär geführtes folter- verschlepper- und mörderregime.

wer jetzt immer noch geschäfte mit diesen entführern, folterern und mördern macht, macht sich auch mitschuldig an diesen verbrechen.

und allen die hier meinen, das "von der leyensche kinderpornogesetz" verhindert kinderpornografie, der glaubt auch dasss zitronenfalter zitronen falten.
Comment
von texasdario texasdario ist gerade offline | 19.6.2009 12:38 Uhr
Ich muss doch bitten!
Wir leben doch selbst im größtem Terrorregime. Wir bringen die Leute zwar nicht direkt um, doch unterlassene Hilfestellung ist auch nicht viel besser. Dieses "Regime" es tötet jährlich so viele Menschen, aber das schlimmste ist; es ist Akzeptiert.

China ist nicht viel schlimmer als wir Hochentwickelten westlichen Ländern. Chinas Maske ist nur noch nicht so ausgereift.

Kommentar hinzufügen Neue Community-Funktionen Richtlinien


Sie können noch Zeichen schreiben.
Kommentare werden nicht sofort angezeigt. Beachten Sie hierzu unsere Richtlinien.

Um diesen Beitrag absenden zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Benutzername  
Passwort  
     
Sie haben noch keinen eigenen Account? Dann bitte
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
Email:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 43 - 10 = 


Anzeige
Weitere Themen

Oprah Winfrey: Die Herzzerreißende Lesezeichen hinzufügen

Von Sebastian Moll, New York
Manche halten sie für mächtiger als den Papst und den Präsidenten: Oprah ... mehr...

„Man kann jeden reinlegen“ Lesezeichen hinzufügen

Frank Elstner über Lagerfeuerfernsehen, Spaß-Immunität und Harald Schmidt mehr...

Chrome – Googles künftiges Glanzstück Lesezeichen hinzufügen

Kai Biermann
Google sieht die Zukunft der Computer im Netz. Jetzt baut der Internetkonzern ... mehr...

Allein gegen rechts Lesezeichen hinzufügen

Von Kurt Sagatz
ZDF-Kommissar Stubbe ermittelt im braunen Milieu mehr...

Zweiter Versuch Lesezeichen hinzufügen

Joachim Huber
Sat 1 verlegt „Kerner“ von Montag auf Donnerstag mehr...