Medien : Premiere zittert vor dem Bundesliga-Poker

Reine Vorsichtsmaßnahme: Für das Jahr 2008 traut sich der Bezahlsender Premiere keine Prognose abzugeben. Grund ist der neue Bieterwettbewerb um die Live-Rechte für die Fußball-Bundesliga. Der läuft allerdings auch noch, wenn die aktualisierte Prognose vorgelegt werden soll.

MünchenDas Bieterverfahren beginne voraussichtlich im April 2008 und damit deutlich später als erwartet, "für die Abwicklung wurde eine Agentur zwischengeschaltet", erklärte Premiere-Chef Michael Börnicke mit Blick auf das Engagement des früheren Medienmoguls Leo Kirch. "Wir können nicht ausschließen, dass diese neuen Rahmenbedingungen Einfluss auf das Verhalten bestehender und neuer Kunden haben." Deshalb wolle man die Entwicklung zunächst beobachten, bevor eine "aktualisierte Prognose" voraussichtlich zur Jahresbilanz am 14. Februar 2008 abgegeben werde. Börnicke sprach von einer "reinen Vorsichtsmaßnahme". Möglicherweise könnten die bisherigen Erwartungen für das kommende Jahr auch bestätigt werden.

Im dritten Quartal bewahrte nur ein Steuereffekt Premiere vor einem Verlust unter dem Strich. Mit rund 100.000 (Vorjahreszeitraum: 5,4 Mio) Euro verbuchte das Unternehmen zwischen Juli und September ein ausgeglichenes Ergebnis. Der Steuereffekt brachte dem Abosender dabei 12,8 Millionen Euro ein. Vor Zinsen und Steuern rutschte Premiere mit einem Minus von 1,4 Millionen (Vorjahr: plus 13,5 Mio) Euro in die roten Zahlen. Der Umsatz ging von 269,5 auf 247,5 Millionen Euro zurück.

Informelle Gespräche mit Sirius

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte die Vergabe der Medienrechte an der Fußball-Bundesliga ab 2009 für sechs Jahre in die Hände von Leo Kirch gelegt. Bei Premiere hatte der Deal für Verstimmung gesorgt, zumal die DFL und die von Kirch gegründete Firma Sirius den Pay-TV-Anbietern künftig fertig produzierte Sendungen verkaufen wollen. Börnicke räumte ein, dass der Bundesliga-Poker auch im Februar, wenn die aktualisierte Prognose vorgelegt werden soll, noch nicht gelaufen sei. Dann werde man aber auf jeden Fall mehr über die den Bieterwettbewerb wissen und die Szenarien besser einschätzen können. Informelle Gespräche mit Sirius gebe es "immer wieder einmal. Richtig Relevanz wird das aber erst Anfang 2008 haben", sagte der Premiere-Chef.

Netto gewann Premiere im dritten Quartal 700.221 Kunden hinzu und zählte Ende September insgesamt 4,17 Millionen Abonnenten. Davon bediente der Bezahlsender 642.229 Kunden indirekt mit der Fußball-Bundesliga über die Satellitenplattform von Arena und über die Kabel-Plattformen des Kabelnetzbetreibers Unitymedia und Kabel Baden-Württemberg. Die Zahl der direkten Premiere-Abonnenten stieg um knapp 58.000 auf 3,53 Millionen Kunden.

Prognosen für 2007 bekräftigt

Für das laufende Jahr bekräftigte Börnicke die Prognosen weitgehend: Die Zahl der direkten Abonnenten sowie der Kunden über Arena und Unitymedia soll auf insgesamt 4,4 Millionen zulegen. Bei einem Umsatz von einer Milliarde (Vorjahr: 1,055 Mrd) Euro erwartet das Unternehmen ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 80 bis 100 Millionen Euro. Bisher hatte Premiere 1,04 bis 1,05 Milliarden Euro Umsatz im laufenden Jahr prognostiziert. Die nunmehr ausgesetzten Erwartungen für 2008 umfassten Erlöse von mehr als 1,2 Milliarden Euro und einen Anstieg beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 180 bis 200 Millionen Euro. Die Zahl der Kunden sollte demnach 2008 bei mehr als 4,7 Millionen liegen.

Beim Bundesliga-Poker rechne man sich "weiterhin gute Chancen auf mehr Exklusivität aus", sagte Börnicke. Der Premiere-Chef hofft auf eine Verschiebung der "Sportschau" auf den späteren Sendezeitpunkt 22 Uhr und würde dafür in dem Wettbieten auch deutlich mehr Geld in die Hand nehmen. "Die 22 Uhr sind für uns aber kein Selbstzweck", sagte Börnicke. Premiere als Aktiengesellschaft müsse Geld verdienen und werde auch im Falle anderer Szenarien am Ball bleiben. (mit dpa)