Medien : 0,00083 Prozent

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Seit jüngstem verspricht die Brauerei Krombacher deutschen Biertrinkern ein reines Gewissen. Originaltext Website: „Unter dem Motto ,Handeln und genießen’ hat Krombacher zusammen mit dem WWF Deutschland und Günther Jauch ein einzigartiges Projekt gestartet. Ab sofort wird mit jedem Kasten Krombacher 1 qm Regenwald in Dzanga Sangha (Zentralafrika) nachhaltig geschützt.“ Was auf Anhieb selbstlos und löblich klingt, ist nichts als ein Reklametrick. Das Regenwaldgebiet in Dzanga Sangha umfasst 1,2 Millionen Quadratkilometer.

Davon sollen zehn Millionen Quadratmeter, also zehn Quadratkilometer nachhaltig geschützt werden. Das sind 0,00083 Prozent. Mit welchem Betrag die zehn Quadratkilometer vor bösen Angriffen bewahrt werden, weiß nur die Krombacher Marketing-Abteilung. Ich schätze mal, die Brauerei zweigt etwa 30 Cent pro Kasten ab, und ich unterstelle, dass diese freiwillige Abgabe längst eingepreist worden ist. Inwieweit Günther Jauch für die entsprechenden TV-Spots auf RTL ein sechs- bis siebenstelliges Honorar erhält, war leider nicht zu ergründen. Er macht aber selten etwas für lau – auch wenn er Teilbeträge einem guten Zweck zuführt.

Für die Brauerei Krombacher ist die Nummer mit den 0,00083 Prozent Regenwald auf jeden Fall ein Geschäft. Der Verkauf in Kästen läuft vor allem über professionelle Zecher mit den üblichen Selbstvorwürfen. Da ist gesundes Blätterwerk Balsam für die angegriffene Leber. Außerdem kann sich der Vieltrinker für gerade mal 29,95 Euro ein Regenwald-Set zulegen: T-Shirt, Mützchen, Pandabärchen und Pin-Set. So schützt er einen weiteren Quadratmeter. Ich frage mich nur: Wie geht das? Werden die zehn Quadratkilometer eingezäunt, um sie so vor gefräßigen Elefanten zu schützen? Durchstreift der Marketingchef von Krombacher das Gebiet auf der Suche nach maroden Gewächsen? Oder wird ein Medizinmann angeheuert, der zu Gorillazahn-Pulver Beschwörungsformeln spricht? Reinhard Siemes

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