Medien : „1000 Tode“ oder die Lust an der Sadisten-Pose

Joachim Huber

„1000 Tode“ und mehr als acht Millionen Zuschauer: Der ARD-„Tatort“ um so genannte Selbstmord-Foren erzielte am Sonntagabend eine Spitzenquote. Wie viele Kinder und Jugendliche zugesehen haben, das weiß keiner. Experten hatten Eltern per „Bild am Sonntag“ gewarnt, die drastischen Darstellungen könnten Angstträume auslösen, bei instabilen Jugendlichen gar die „Todessehnsucht“ verstärken. Der „Tatort“ vom Sonntag war ein Erwachsenen-Film, was schlicht bedeutet, dass viele Minderjährige ihn verfolgt haben. Ob „Herr der Ringe“ im Kino, die „Ego-Shooter“-Spiele im PC und online – Kids nutzen diese Medienprodukte, auch mit Billigung der Eltern. Kurz nach dem Amoklauf in Erfurt war die Aufregung riesig, Monate später will vom Thema ernsthaft keiner mehr etwas wissen: Gewalt ist als Kultur-Muster akzeptiert, und selbst wenn sie nicht handgreiflich ausgeübt wird, dann wird sie in den Medien, in den Köpfen konsumiert. Gewalt zeigen, um über die Symptome von Gewalt aufzuklären? Hehres Ziel, doch kein Anliegen des „Tatorts“: Psychopath am dauerverregneten Bodensee quält Mädchen physisch und psychisch. Der Film nimmt die Sadisten-Pose ein. Der „Tatort“ stellt – mit Lust – das Internet als Reich des Bösen, der Verführer und der Verführten aus. Wo die Gewaltdebatte steht? Welche Gewaltdebatte?

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