Medien : 1800 Stunden Film

Deutschland produziert mehr TV-Filme als die Nachbarländer

Eva Köster

In Deutschland werden weiterhin mehr Serien und Fernsehfilme produziert als in jedem anderen europäischen Land. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie Eurofiction 2001, die alljährlich das TV-Angebot in den fünf größten westeuropäischen Ländern analysiert. Danach wurde im vergangenen Jahr bei „fiktionalen Produktionen“ in der Bundesrepublik eine Gesamtsendelänge von 1800 Stunden hergestellt, im Jahr 2000 waren es noch 1801 Stunden. An zweiter Stelle der Rangliste lag Großbritannien mit 1463 Stunden.

Trotz des Zusammenbruchs des Kirch-Imperiums und rückläufiger Werbeeinnahmen ist die Zahl der Produktionen in Deutschland im vergangenen Jahr von 361 auf 387 gestiegen. Allerdings verschob sich das Angebot deutlich zu Gunsten der öffentlich-rechtlichen Sender. Diese haben in nahezu gleichem Umfang ihr Angebot erweitert, wie es die privaten Sendeanstalten verringert haben. Im Jahr 2001 stellten die öffentlich- rechtlichen Sender 68 Prozent (2000: 66,2 Prozent) aller fiktionalen Eigen- beziehungsweise Auftragsproduktionen. Die dritten ARD-Programme, Kinderkanal, 3 sat und Arte beteiligten sich am Gesamtangebot sogar mit steigender Tendenz. Privatsender produzierten lediglich knapp 32 Prozent (2000: 33,8 Prozent) der Sparte. Kleinere Privatsender, die wie RTL 2 oder Vox in den 90er Jahren noch zeitweise Ambitionen in diesem Programm-Segment erkennen ließen, tragen nur noch minimal zum Angebot bei. In ihren Senderfamilien werden sie „fast ausschließlich als Abspiel-Orte für Wiederholungen genutzt, die in Erstausstrahlung auf den Hauptsendern der Gruppe gezeigt werden“, wie es in der Studie heißt.

Differenziert man die Genres der Eigenproduktionen, wurden in Deutschland am häufigsten Daily Soaps und Krimis hergestellt – jeweils 21 Prozent der Gesamtproduktionen. Auf ungefähr halb so hohe Werte kamen die Formate Arzt- und Familienserie. Deutlich vermehrt hat sich nicht nur allgemein das Angebot bei Comedy („Ladykracher“ oder „Die Camper“), sondern auch im Genre Komödie, das 2001 den fünften Platz belegte.

Ingesamt überwiegen weiterhin nationale Produktionen, internationale Koproduktionen sind immer noch die Ausnahme: Nur in zehn Prozent der Produktionen haben die Deutschen ausländische Partner. Speziell bei Historienfilmen und Science Fiction kommt eine internationale Zusammenarbeit häufiger vor. Für das kommende Jahr wird, so die Studie, ein Angebotsrückgang erwartet. Vermehrte Konkurrenz droht den fiktionalen Produktionen von den derzeit modischen Genres wie Quiz- oder Gerichtsshows.

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