Medien : 20. Tutzinger Medientage: Schwieriger Umgang mit den Rechten

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Es war voll, das runde Haus am Starnberger See, indem es zwei Tage lang um ein sperriges Thema gehen sollte. Die Evangelische Akademie Tutzing hatte zu den 20. Tutzinger Medientagen geladen. Rechtsextremismus sollte das Thema sein, und wie das Fernsehen in seiner Berichterstattung darauf reagieren soll. Soll man Rechtsradikale sich vor der Kamera äußern lassen? Wie sensibel müssen die Medien sein, und wo fängt die Hysterie an? Wie viele längere Reportagen gab es im vergangenen Jahr zu diesem Thema im Öffentlich-Rechtlichen und in den Privaten Sendern überhaupt? (Antwort: Elf in der ARD, eine im ZDF und keine bei RTL und Pro 7). Animiert die Berichterstattung Nachahmungstäter? Und natürlich, wie konnte es zum Sebnitz-GAU kommen?

Auf die letzte Frage wollte Siegfried Weischenberg, Kommunikationswissenschaftler und Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes eine Antwort geben. Er sprach von subjektiven und objektiven Faktoren und meinte damit, dass der Journalist auch immer von persönlichen Eigenschaften und dem Zwang, exklusive Informationen zu veröffentlichen, beeinflusst sei. Es gebe ein Auf und Ab des öffentlichen Interesses an bestimmten Themen, und dann sei da noch das Sommerloch. Der ganze Vortrag brachte ungewollt nur eine Sache auf den Punkt: Dass die Frage nach dem angemessenen Umgang der Medien mit Rechtsradikalismus genauso differenziert angegangen werden muss, wie das Thema Rechtsradikalismus selbst. Kommunikationswissenschaftliche Allgemeinplätze wie die von Weischenberg helfen beim Verstehen der Medien genauso wenig wie Klischees beim Verstehen von Rechtsradikalismus.

Und wie sehen die Verantwortlichen in den Rundfunkanstalten das Problem - Volker Herres, Chefredakteur des NDR, Achim Tirocke, stellvertretender Chefredakteur von RTL und Günther Neufeld, Redaktionsleiter Drehscheibe Deutschland beim ZDF? Für Neufeld ist klar, dass ein Filzstiftgalgen oder ein nächtlicher Steinwurf gegen eine Synagoge eine Tabuverletzung sind, und deshalb in die Nachrichten gehören. Und auch Herres sieht keine Möglichkeit für das Fernsehen, einer medialen Überhitzung dadurch entgegenzuwirken, dass es in Zeiten großer öffentlicher Erregung dezenter und in Zeiten geringen öffentlichen Interesses stärker über Rechtsradikalismus informiert. Und auch für das Problem der Reduktion des Ostens auf Nachrichten über Rechtsradikalismus hatten die drei keine wirkliche Lösung. "Dieses Klischee gibt es nun einmal, da kann man nichts machen", sagte Herres. Wichtig wäre allerdings, dass stärker über die Opfer, und nicht immer nur über die Täter berichtet wird.

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