250 Mal "Thadeusz" : „Ich frage nur noch nach sexuellen Vorlieben“

Jörg Thadeusz antwortet auf die „Sieben Fiesen“-Fragen und erklärt, warum er haspelt, sobald er schöne Frauen zu Gast in der Sendung hat, weshalb er sich für unwiderstehlich hält und woran es liegt, dass seine Bücher keine Bestseller werden.

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Schön und Fliege. Iris Berben ist heute um 22 Uhr 15 Gast bei „Thadeusz“. Die Schauspielerin und der Gastgeber halten Rückschau auf 250 Ausgaben des RBB-Talks, zu dem immer auch die „Fiesen Sieben“ Fragen des Moderators gehören. Foto: RBB
Schön und Fliege. Iris Berben ist heute um 22 Uhr 15 Gast bei „Thadeusz“. Die Schauspielerin und der Gastgeber halten Rückschau...Foto: rbb/Karlheinz Schindler

250-mal „Thadeusz“: Wie sehr ist das Leistung, Zumutung, Sitzen-Machen, Chuzpe?

Ein gnädige Bilder erzeugender Regisseur. Ein barmherzig schneidender Redakteur. Kameraleute, die den Stiernacken zum 250. Mal scharf ziehen. Fernsehen ist auch Mannschaftssport, im Fußball hieße ich nach 250 Anwesenheiten auf dem Platz mindestens „Routinier“. Es braucht aber auch einen guten Verein. Und das ist der RBB.

Unzählige Fans fragen sich, warum der Jörg nicht längst im Ersten talkt. In den ARD-Chefetagen wird das so erklärt: Der Thadeusz hat eine RBB-Fresse, aber kein ARD-Gesicht. Hat die Chefetage recht?

Ein entsprechend bewanderter Arzt hat mir angeboten, er würde mir für das Honorar von 50 Sendungen ein Judith-Rakers-Gesicht machen. Ich habe also beinahe ein Jahr Bedenkzeit, um zu wägen, was mir nationale Berühmtheit wert ist.

Philipp Lahms Buch „Der feine Unterschied“ verkauft sich bestens. Sie schreiben Roman auf Roman, doch niemals einen Bestseller. Woran liegt das nun wieder?

Ich muss sozialdemokratischer werden. Aber auch enthüllender. Also den Leitstrahl zum Großerfolg zwischen Günter Grass und Philipp Lahm finden. Allerdings bin ich in der Auflage auch von Margot Käßmann und Richard David Precht total deklassiert worden. Muss ich also evangelischer Auto fahren? Oder frisierter philosophieren? Wahrscheinlich ist posthum einiges möglich.

Sie wollten mal den großen Joschka Fischer in der Sendung haben. Der schrieb auf das Einladungsfax nur ein Wort zurück: „Absurd“. Moderieren Sie so lange, bis Fischer bei „Thadeusz“ vorbeischaut?

Mittlerweile hat sich Joschka Fischer in einem Film von Pepe Danquardt selbst interviewt. Und damit wahrscheinlich den bestmöglichen Joschka-Fischer-Interviewer gefunden. Weiteres Warten lohnt nicht.

Wenn Sie die Wahl hätten, nur freche oder kluge Fragen zu stellen. Wie würden Sie sich entscheiden?

Für ausschließlich gute Fragen. Das würde einen klugen Eindruck machen und wäre eine Frechheit gegenüber allen Mitbewerbern.

Sobald Sie schöne Frauen zu Gast haben, haspeln und hampeln Sie herum, als fürchteten Sie, noch in der laufenden Sendung entjungfert zu werden. Ist die Not so groß?

Ein derart privater Akt wäre selbst in einem dritten Programm der ARD eine Sensation. Würde aber auch gegen die gesitteten Regeln des öffentlich-rechtlichen Sendebetriebs verstoßen. Ansonsten glaube ich, dass es richtig ist, sich bis zur Ehe aufzubewahren. Halte aber meine RBB-Visage für quasi unwiderstehlich.

Welche fiese Frage würden Sie nie wieder stellen?

Die nach dem Vermögen. Ich habe Hans-Olaf Henkel wörtlich gefragt: „Wie viel Geld haben sie?“ Danach fürchtete ich, er würde augenblicklich das Bewusstsein verlieren. „Das sage ich ihnen doch nicht“, war dann die Antwort. Die es aber schon fast nicht mehr brauchte. Seitdem habe ich mir vorgenommen, deutsche Gäste nicht mehr nach echten Intimitäten zu fragen. Sondern nur noch nach ihren abwegigsten Albträumen, peinlichsten Arztgeschichten und selbstverständlich nach ihren sexuellen Vorlieben.

Die Fragen stellte Joachim Huber.

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