Medien : 250. Todestag Bachs: 24-Stunden-TV-Spektakel soll 100 Millionen Menschen erreichen

Björn Achenbach

Bachs Riesenwerk verführt zu Riesentaten: John Eliott Gardiner reist ein ganzes Jahr mit den Kantanen des Thomaskantors durch die Lande - und die Fernseh-Produktionsfirma EuroArts hat für den heutigen Todestag ein Musikprogramm vorbereitet, wie es noch nie über die Mattscheiben flimmerte: Aus Leipzig wird von sieben Uhr morgens an ein 24-Stunden-TV-Marathon ganz oder in Ausschnitten in 40 Ländern ausgestrahlt: Live-Konzerte aus Leipzig und Tokio sowie diverse Dokumentationen, mit Künstlern wie Gardiner, Viktoria Mullova, Ton Koopman oder dem Chef des Thomaner-Chors Georg Christoph Biller. In voller Länge ist "24 hours Bach" allerdings nur in Frankreich, Dänemark und der Schweiz zu empfangen. Im deutschen Fernsehen wird neben dem Open-Air-Konzert "Swinging Bach" mit Bobby McFerrin und Jacques Loussier (22.50 Uhr im ZDF) die h-Moll-Messe aus der Thomaskirche (20 Uhr in 3sat) gezeigt.

Die Idee für den Marathon, der heute Morgen mit der Übertragung eines Orgelkonzerts aus der Leipziger Thomaskirche beginnt, stammt von Paul Smaczny, dem Chef der Leipziger Niederlassung von EuroArts. Organisiert wird das Event von einem achtköpfigen Team, das seinen Sitz im Leipziger Mendelssohnhaus in der Goldschmidtstraße hat. Ein großes Projekt, aber kein unbekanntes Terrain: Die Produktionsfirma mit Zentrale in Stuttgart ist seit langem auf die Übertragung klassischer Musik spezialisiert. So produziert sie das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker aus dem Goldenen Saal des Musikvereins, aber auch die Europa-Konzerte des Berliner Philharmonischen Orchesters sowie das Waldbühnenkonzert der Berliner. Gerade ist eine Dokumentation zum 50-jährigen Bühnenjubläum von Daniel Barenboim abgedreht.

Dass selbst am Bach-Todestag niemand 24 Stunden lang Musik des Meisters anhören und -sehen wird, ist auch dem 42-jährigen Bayer Smaczny klar. "Aber es war von Anfang an so konzipiert, dass sich jeder weltweit einen bestimmten Anteil aus diesen 24 Stunden zusammenstellen kann", erklärt er, "drei oder vier Stunden Programm, je nach Möglichkeit." Dass die Live-Events dabei aus Leipzig und Tokio kommen, ist kein Zufall: "Japan ist neben Deutschland das Land mit der regsten Konzerttätigkeit. Es gibt kaum ein großes Orchester, das Tokio nicht einmal im Jahr mit einem Gastspiel seine Reverenz erweist. Mittlerweile bilden sich aber auch mehr und mehr eigene Ensembles heraus. Dazu gehört das Bach Collegium Japan unter Leitung von Masaaki Suzuki, der am 28. Juli in der Suntori Hall die Johannespassion aufführen wird."

Und außerdem ist Japan auch der wichtigste außereuropäische Partner von Euro Arts: Drei Viertel aller ihrer Produktionen werden dort ausgestrahlt, oft koproduziert das japanische Fernsehen. Natürlich ist NHK auch bei "24 hours Bach" als Koproduzent dabei. So ein Großprojekt mit einem Gesamtvolumen von 6,8 bis acht Millionen Mark ist nur durch mächtige Koproduzenten zu finanzieren. Ein wichtiger Partner war von Anfang an die EBU, die europäische Dachorganisation der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten. Die suchten für das Jahr 2000 ein Millennium-Event für ihre vielen Klassik-Partner: "Da hat sich unser Bach-Projekt angeboten."

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