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Das Bieterverfahren um Kirch-Media ist unberechenbar

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Sieben Angebote liegen seit Donnerstag für die insolvente Kirch-Media vor. Diese vollkommen unverbindlichen Angebote werden zurzeit überprüft, um den Bieterkreis zu verkleinern. Vier der sieben sollen bis Mittwoch ausgesiebt werden, so dass in einer zweiten Runde nur noch drei Bieter im Rennen bleiben und dann tieferen Einblick in die Bücher der Kirch-Media bekommen. Wer bleibt drin, wer fliegt raus, und welchen Kriterien folgt diese Auswahl?

Wenn es danach geht, wer die höchste Kaufsumme geboten hat, um die Ansprüche der Gläubiger (insgesamt 8,5 Milliarden Euro) maximal erfüllen zu können, dann hätte der aus Ägypten stammende US-Milliardär Haim Saban die besten Aussichten. Nach Informationen der „Financial Times Deutschland“ werde Sabans Angebot über 2,6 Milliarden Euro jedoch „mangels Seriosität“ nicht weiter verfolgt. Kirchs Saniererteam gehe davon aus, dass Saban nur an ein strategisches Investment denke und einen Zusammenschluss mit einem anderen Konsortium anpeile. Auch von der Fernsehgruppe TF1, die zwischen 1,8 und 2,2 Milliarden Euro geboten haben soll, hieß es, sie sei aus dem Bieterrennen geflogen. TF1 dementiert das. Das französische Unternehmen gehe davon aus, letztlich innerhalb eines Konsortiums ein endgültiges Gebot abzugeben. An diesem beabsichtige sich TF1 mit 20 bis 30 Prozent zu beteiligen. Welches Konsortium gemeint sein könnte, blieb offen.

Von der Bietergemeinschaft aus Hypo-Vereinsbank, Springer und Bauer, heißt es, man sei für weitere Partner, auch internationale, offen. Unsicherheit gibt es im Hinblick auf den Spiegel-Verlag, der sich nach Protesten der Mitarbeiter darauf beschränkte, nur noch „optionaler Partner“ des Konsortiums zu sein. Wie weiter vorgegangen werden soll, wollen die Spiegel-Gesellschafter, und damit auch die Mitarbeiter, am Donnerstag entscheiden. Insgesamt soll das Konsortium 1,4 Milliarden Mark geboten haben, wobei Springer hofft, dass die Summe mit den 767 Millionen Euro verrechnet wird, die mit Kirch einst für den Verkauf der Anteile an der Senderfamilie ProSieben Sat 1 vereinbart wurden.

Das rein deutsche Konsortium steht dem Vernehmen nach auf der „Short-List“ der als solide geltenden Bieter ebenso wie Viacom und die Bietergemeinschaft aus Commerzbank und dem Hollywood-Studio Columbia. Nach der zweiten Phase der Prüfung sollen dann voraussichtlich im September die „binding offers“, die tatsächlichen Kaufsummen und -bedingungen, genannt werden.

Doch der Prozess des Bieterverfahrens erscheint unberechenbar. Wer jetzt ein unverbindliches Höchstgebot abgegeben hat, mag dann, wenn es darauf ankommt, die Preisvorstellungen geändert haben oder das Interesse ganz verloren haben. Ulrike Simon

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