"300 Worte Deutsch" : Bräute, Türken, Rassisten

Die Culture-Clash-Komödie „300 Worte Deutsch“ lässt den Zuschauer nicht nur lachen und romantisch glotzen

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Der Kölner Ausländerbeauftragte Dr. Ludwig Sarheimer (Christoph Maria Herbst) hat Türken am liebsten - in der Türkei.
Der Kölner Ausländerbeauftragte Dr. Ludwig Sarheimer (Christoph Maria Herbst) hat Türken am liebsten - in der Türkei.Foto: Arte

Natürlich kann ein Christoph Maria Herbst mehr als Bürohengst. Weil er aber den „Stromberg“ zwischen 2004 und 2012 so glanzvoll gespielt hat, war der Cast zu Dr. Ludwig Sarheimer sehr kurz. Der ist eine zentrale Figur in Züli Aladags (Buch und Regie) Film „300 Worte Deutsch“. Dr. Sarheimer ist Kölner Ausländerbeauftragter. Verbissen wacht er darüber, die Zahl der „illegalen Schmarotzer und Ziegenhirten“ möglichst niedrig zu halten. Sein Gegenspieler Cengiz Demirkan (Vedat Erincin), Vorsitzender der Türkischen Gemeinde, lässt wieder und wieder ledige Türkinnen für heiratswillige Türken einfliegen. Die Sprachtests der Frauen sind in der Regel gefälscht, was Dr. Sarheimer ermächtigt, die Bräute einem „300 Worte Deutsch“Sprachtest zu unterziehen. Demirkan hält an einer fragwürdigen Tradition fest, Dr. Sarheimer an seiner Abschottungsmanie.

Der Vater sucht den Mann für die Tochter aus

Okay, und dann verlieben sich Demirkans Tochter Lale (Pegah Ferydoni) und Dr. Sarheimers Neffe Marc (Christoph Letkowski) ineinander – dabei hatte Vater Cengiz längst einen wohlhabenden türkischen Unternehmer für die Tochter als Ehemann ausgesucht. Lales Springen zwischen den Communitys und Kulturen ist das Kraftzentrum des Films.

Natürlich muss das Liebespaar an zahlreichen Vater-Dr.-Sarheimer-Klippen wie die Produktion an sperrigen Klischees vorbei, bis die letztlich freundlich gestimmte Culture-Clash-Komödie ins versöhnliche Finale einbiegen kann. Damit die Zuschauer nicht nur romantisch glotzen, werfen die 90 Minuten scharfe Blicke auf manchen Irrsinn der Integration, der eine Rassistenkarikatur wie Dr. Sarheimer zu eigenem Irrsinn ermutigt. Und so ein Deutsch-Sprachtest bereitet den Boden für Komik, die nicht vordergründig komisch sein will – und so komisch wird. Joachim Huber

„300 Worte Deutsch“, Arte, Freitag, um 20 Uhr 15

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