Medien : 60 Jahre in 50 Stunden

Das Deutschlandradio Kultur würdigt den Rias

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„Ohne den Rias wäre die Geschichte anders verlaufen.“ Günter Müchler, Programmchef von Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk, ist sich sicher. 60 Jahre ist es am 7. Februar her, dass der Rias startete, zunächst als „Dias“, als „Drahtfunk im amerikanischen Sektor“, am 5. September 1946 über Radio als „Rundfunk im amerikanischen Sektor“.

Diese „freie Stimme der freien Welt“ empfingen die Hörer nicht nur in West-Berlin, sondern auch in der DDR. Sehr zum Leidwesen der SED-Spitze. 1993 endete dann die Geschichte des Rias; gemeinsam mit dem ehemaligen DDR-Deutschlandsender Kultur ging er zunächst im Deutschlandradio Berlin auf, das wiederum seit März 2005 Deutschlandradio Kultur heißt.

Der Ruf des Rias hat das Ende des Senders überlebt. Er hat die deutsche Radiolandschaft geprägt. Hans Rosenthal war Unterhaltungschef, Egon Bahr Chefredakteur und Friedrich Luft hatte von 1946 an seine Theater- und Filmkritiksendung „Stimme der Kritik“.

Grund genug für das Deutschlandradio, den Sender in diesem Jubiläumsjahr mit einem Programmschwerpunkt zu ehren. 50 Stunden Sendematerial sind zusammengekommen, rund 100 Beiträge. Das meiste bringt der Sender bis zum Rias-Geburtstag am 7. Februar. Danach sendet er in unregelmäßigen Abständen alte Rias-Konzerte und -Hörspiele. „Wer über einen solchen Stammbaum verfügt, kann stolz sein“, sagt Müchler. Noch heute könnten Radiojournalisten vieles von der Arbeit des Rias lernen.

Zwei Schwerpunkte kündigte er an – „gewissermaßen ein Rendezvous von Alt und Neu“. Einer davon sind Rias-Klassiker. Im Januar und Februar sendet das Deutschlandradio montags, mittwochs und freitags um 7 Uhr 40 legendäre Beiträge: Über den Auftakt der Fußball-Bundesliga von 1963, die Mondlandung im Jahr 1969 oder den Absturz der Raumfähre „Challenger“ 1986. Die Hörspielabteilung steuert preisgekrönte Aufnahmen bei, zum Beispiel George Orwells „Die Farm der Tiere“ oder „Das Verhör des Spinoza“ von Arthur C. Caspari. Und dann gibt es die Musik-Klassiker: Aufnahmen von Ingrid Caven, der Rias-Bigband, dem Rias-Tanzorchester und die „Don Giovanni“-Inszenierung zur Eröffnung der Deutschen Oper Berlin 1961.

Das Deutschlandradio bringt zum Jubiläum aber nicht nur alte Aufnahmen. Eine ganze Reihe neuer Sendungen beschäftigt sich damit, wie man den Rias heute sieht, vor allem seine politische Rolle. Zeitzeugen ordnen diese vom 7. Januar an jeweils sonnabends ein. Der DDR-Dissident Stephan Krawczyk berichtet, was der Sender für die DDR-Bevölkerung bedeutete, der ehemalige Deutschlandfunk-Intendant Dettmar Cramer, was die DDR-Spitze vom Rias hielt. Und Klaus Schütz, von 1967 bis 1977 Regierender Bürgermeister, schildert, wie die West-Berliner ihren Rias fanden. An anderer Stelle berichten die ehemaligen Redakteure Egon Bahr, Jürgen Graf, Horst Pillau und Joachim Fest aus dem Innenleben des Senders.

Einer der Höhepunkte dürfte am 25. Januar und 1. Februar die Sendung „Zeitreisen“ werden. Dann sendet das Deutschlandradio Geschichten von Rias-Hörern, die sich daran erinnern, wie wichtig der Sender für sie im geteilten Berlin war. „Ganz starke Geschichten voller Emotionalität“ verspricht die Deutschlandradio-Kulturchefin Astrid Kuhlmey.

Vom 6. bis zum 10. Februar wird schließlich aufgezeigt, welche Bedeutung der Rias während der deutschen Teilung hatte. Die Deutschlandfunk-Sendung „Campus und Karriere“ sendet einen Vierteiler über die Rias-Sendung „Studenten haben das Wort“, in der Studenten aus dem Westen und Osten Anfang der Fünfzigerjahre ihre Probleme offen diskutierten. Für die Ostdeutschen hatte ihre Offenheit Konsequenzen. Einer wurde hingerichtet, andere zu jahrelanger Zwangsarbeit verurteilt.fgy

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