Medien : „Abendschau aktuell“

RBB gewinnt Zuschauer, Talkshow „Leute“ verliert sie

Joachim Huber

Der Start des RBB-Fernsehens für Berlin und Brandenburg am 29. Februar löste bei den Zuschauern nicht das große „Ach und Oh“ aus. Jetzt, nach knapp hundert Tagen, prosperiert das Programm. Nimmt man den Zeitraum zwischen 19 Uhr und 22 Uhr, in dem alle ARD-Dritten Geld und Arbeitskraft investieren, hat der RBB im ARD-Vergleich die Rote Laterne abgegeben. Für diesen Zeitraum liegt der Marktanteil bei 9,5 Prozent, damit konnte das Programm für Berlin und Brandenburg die dritten Programme Südwest und hessen fernsehen überflügeln. Was die Quoten hebt, das sind die „Abendschau“ und „Brandenburg aktuell“ und, um 22 Uhr, „Aktuell“. Die „Abendschau“, das bedeutet Grundversorgung für Berlin, an manchen Abenden liegt der Marktanteil bei sagenhaften 30 Prozent – und das trotz eines scharfen Ost-West-Gefälles: Im Osten Berlins kommt der RBB nicht gut an, eine späte Rache für die SFB-Arroganz nach der Wende. In Brandenburg hält sich der RBB wacker, selbst wenn mancher Märker unverdrossen von seinem Heimatsender, dem ORB, träumt.

Die Stärke der regionalen RBB-Information muss Schwächen kompensieren. Die Talkshow „Leute am Donnerstag“, teuer und wöchentlich produziert, hat einen Tiefpunkt erreicht: 40 000 Zuschauer bedeuten 1,9 Prozent Marktanteil. Wer sagt, das RBB-Publikum hätte am Donnerstag die Juhnke-Reminiszenz im ZDF bevorzugt, der negiert die strukturellen Defiziten. „Leute“ ist der live ausgetragene Wettbewerb zwischen UIla Kock am Brink und Jörg Thadeusz, wer wen aus der Show heraus moderieren kann, trotzdem das Duo ins Gebet genommen wurde. Die Krise bleibt, das Missvergnügen des Publikums auch.

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