Medien : "Abendzeitung": Abgeklatscht

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Michael Graeter ist das beste Beispiel dafür, was es heißt, Klatschreporter bei der "Abendzeitung" zu sein. 15 Jahre lang berichtete er für das Blatt von Münchner Partys. Helmut Dietl setzte ihm ein Denkmal, schuf die Figur Baby Schimmerlos in "Kir Royal" nach seinem Vorbild. Der Job des Klatschreporters bei der "AZ", das zeigt der Fall Graeter, ist so etwas wie eine halbe Lebensstellung. Und am Ende ist der Journalist so prominent wie die, über die er berichtet.

Boris Hächler absolvierte Graeters Karriere sozusagen im Schnelldurchlauf. Erst seit zwei Jahren bei der "AZ" für den Klatsch zuständig, schaffte er es im Frühjahr bereits auf zwei Farbseiten in der "Bunten": Im Nymphenburger Park posierte er mit Freundin Dagmar, Ex-Frau von Produzent Ralph Siegel. Nur: Seinen Job als Gesellschaftskolumnist ist er womöglich bald los.

Was war passiert? Obwohl Hächler einen Vertrag als alleiniger Kolumnist bei der "AZ" hat, wurde zum Juli Gaby Hildenbrandt als zweite Klatschreporterin eingestellt. Hildenbrandt hatte für die "Welt" über die Münchner Gesellschaft berichtet. Kurz darauf wurde Hächler auch noch ins Ressort "Magazin" versetzt. "Man hat meinem Mandanten nie einen Grund dafür genannt", sagt sein Anwalt, Ulrich Grund aus der Münchner Kanzlei Romatka. Hat es den Verlegern missfallen, dass sich Hächler selbst als Figur der Gesellschaft inszenierte, wie "Kress" schrieb? Während die Kollgen hinter den Absperrgittern warteten, ging er schon mal mitsamt Freundin Dagmar über den roten Teppich zur Arbeit. "AZ"-Verlagsleiter Christoph Mattes dementiert, dass Hächlers prominente Freundin etwas mit der Versetzung zu tun habe: "Wir machen niemandem sein Privatleben zum Vorwurf." Es gehe allein "um die Schreibe": "Wir wollen Berichterstattung über die Gesellschaft und keine Kritik." Hächler will seinen traditionsreichen Posten nicht so einfach räumen: Er klagt vor dem Münchner Arbeitsgericht.

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