Medien : Abgang nach Ansage

Christoph Stölzl verlässt „Im Palais“, der Kulturtalk aber bleibt im RBB-Programm

Joachim Huber

Wer Christoph Stölzl als Moderator im Fernsehen des Rundfunks Berlin-Brandenburg erleben will, der darf sich im November nicht über den Empfangskreis des RBB-Dritten hinaus bewegen. Stölzl wird den Kulturtalk „Im Palais“ noch zwei Mal moderieren – und dann ist Schluss. Kein beleidigter Abgang ist der Grund, kein Hinauswurf, sondern eine Verabredung mit RBB-Fernsehdirektor Gabriel Heim: „Solange Christoph Stölzl ein politisches Amt hat, wird er im Wahljahr keine Regelsendung des RBB bestreiten“, sagte Heim dem Tagesspiegel. Stölzl hat ein Amt, er ist für die CDU Mitglied und Vizepräsident des Abgeordnetenhauses von Berlin, das 2006 neu gewählt wird.

Mit Stölzls Ausscheiden, vielleicht auch nur mit seiner Auszeit, richten sich die Blicke auf den zweiten „Palais“-Moderator, auf Michael Naumann. Der viel beschäftigte Herausgeber der Wochenzeitung „Die Zeit“ wird entweder seine Talkfrequenz (im Wechsel mit Christoph Stölzl jeden zweiten Monat zwei Moderationen in einem Monat) erhöhen müssen oder, was Heim als Option nicht rundweg ablehnt, es wird ein zweiter Moderator gefunden. Natürlich soll sich jede Lösung auf der Prominenz-Ebene von Naumann und Stölzl bewegen.

Wenn Michael Naumann in seinem nächsten Monat, dem Dezember, wieder antritt, dann ist das mit dem Termin so eine Sache: Naumann moderiert nicht an zwei Dienstagen, sondern nach Informationen der Redaktion an einem einzigen Donnerstag, am 22. Dezember 2005. Für eine Regelsendung ist die schwierige Suche nach regelmäßigen Sendeterminen eine gefährliche Sache. Ein Fernsehgesetz lautet doch: Nur Penetranz schafft Akzeptanz.

Die bessere Nachricht: Der Kulturtalk „Im Palais“ bleibt auch 2006 eine Regelsendung des RBB. Da gab es im Sender einiges Hin, einiges Her, aber die Fortsetzung wurde von Heim bestätigt. Um den titelgebenden Ort des Geschehens gibt es laut Heim noch Überlegungen, Verhandlungen. Der Betreiber des „Palais am Festungsgraben“ in Berlins Mitte habe noch andere Angebote, trotzdem sei der Sender bemüht, den Kulturtalk auch weiterhin an diesem Ort auszutragen. Die Prioritäten hat Gabriel Heim festgelegt: „Zuerst denken wir an die Sendung und dann an den Ort.“

Die Diskussion um die Fortführung des „Palais“ fällt zusammen mit der Frage, was sich der Rundfunk Berlin-Brandenburg 2006 in seinem dritten Fernsehprogramm leisten will. Viel hängt am Geld, viel hängt am Zuschnitt eines möglichst erfolgreichen Regionalfernsehens. Der Kulturtalk „Im Palais“ kann bei den Spitzenquoten überhaupt nicht mithalten. Im laufenden Jahr schwanken die Zahlen zwischen 70 000 und 140 000 Zuschauern je Sendung, im Durchschnitt verfolgen 100 000 Zuschauer den Talk „Im Palais“. Generell ist das Interesse in Brandenburg sehr gering, das Publikum für die Sendung kommt aus dem „Speckgürtel“ um Berlin, aus Berlin und aus den Bundesländern, in denen das RBB-Fernsehen ausgestrahlt wird. Heißt: „Im Palais“ ist ein hauptstädtisch orientierter Kulturtalk in einem Fernsehprogramm, das für Berlin und Brandenburg veranstaltet wird.

Bisher versteht sich die Sendung nicht als lokales oder regionales Feuilleton. Der Anspruch lautet auf Mitsprache am überregionalen Diskurs, wie in einem Salon sollen aktuelle Themen, Thesen und Tendenzen gepflegt oder streitig, keinesfalls aber langweilig angegangen werden. Ehrgeiz ist, dass die Gedanken über den tatsächlichen Ort ihres Austausches – also Berlin – hinaus glänzen können. Heute heißt es: „,Ihr da oben – Wir da unten!’ Die Rückkehr der Klassengesellschaft.“ Zur Diskussion mit Michael Naumann aufgerufen sind Lothar Bisky (Linkspartei), Hertha Däubler-Gmelin (ehemalige SPD-Justizministerin), die Fernsehmoderatorin Tita von Hardenberg, der Historiker Paul Nolte und die Publizistin Jana Simon.

„Im Palais“, RBB, 22 Uhr 15

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