Medien : Abgeluchst

NAME

Helmut Markwort gibt „Focus“ nicht ab, und er wird auch nicht den „Playboy“ übernehmen. Seit Wochen kursiert, „Bild“-Chef Kai Diekmann würde Markworts Nachfolger bei „Focus“. „Alles Tinnef“, sagte der 65-jährige Erfinder des Wochenmagazins am Donnerstag dem Tagesspiegel: „Ich bleibe noch etliche Jahre Chefredakteur von ,Focus’“. Was Markwort, erster Journalist im Hause Burda, in den vergangenen Monaten viel mehr umtrieb als die Frage seiner Nachfolge, war, wie es gelingen könnte, dem Hamburger Bauer-Verlag nach dreißig Jahren die Lizenz für die deutsche Ausgabe des „Playboy“ abzunehmen. Er scheint einen Weg gefunden zu haben. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wurde die neue Lizenzvereinbarung unterschrieben. Demnach wird der „Playboy“ vom 1. Januar 2003 an in der neu gegründeten Playboy Deutschland Publishing GmbH erscheinen, einem Unternehmen, an dem die Burda-Töchter Tomorrow Focus AG und der Focus Magazin Verlag je zur Hälfte beteiligt sind.

Einen Fuß in der Tür des Lizenzgebers Playboy Enterprises in Chicago hat Burda seit vergangenem Jahr. Damals suchte der US-Konzern einen Verlag für den deutschen Online- Auftritt. Er entschied sich nicht für Bauer, unter dessen Dach auch Zeitschriften wie „Praline“ und „Wochenend“ erscheinen, sondern für Burda. Und Burda sicherte sich damit die Option, bei der 2003 anstehenden Neuvergabe der Lizenz für den gedruckten „Playboy“ mitbieten zu können. Es ist nachzuvollziehen, dass die Amerikaner ein Interesse daran hatten, Print- und Online-Rechte beim selben Verlag zu bündeln.

Bei Burda soll der „Playboy“ nun aufgewertet werden. Nicht nur dadurch, dass die Redaktion statt mit Blick auf die Autobahn in Neuperlach künftig sehr zentral, gegenüber von „Feinkost Käfer“ in der Prinzregentenstraße sitzen wird. Auch „die journalistische Qualität, das literarische Niveau“ könne noch gesteigert werden, sagt Markwort: Neben dem „optischen Vergnügen“ soll der neue „Playboy“ mehr „Lesevergnügen“ bieten. Der Spruch, der „Playboy“ werde nur wegen seiner tollen Interviews und Reportagen gelesen, „soll nicht mehr für eine Ausrede gehalten werden“. Dazu wird nun eine neue Mannschaft aufgebaut. Aus insgesamt 40 Mitarbeitern soll sie bestehen. „Aus der bisherigen Redaktion gibt es bereits Anfragen. Die Kollegen haben natürlich einen Bonus“, sagt Markwort. Er hofft, dass der Verlagswechsel kollegial verlaufen wird, auch wenn die Wunden bei Bauer noch sehr tief seien.

Bauer hatte behauptet, die Verhandlungen mit Playboy Enterprises selbst abgebrochen zu haben, um ein eigenes Männermagazin entwickeln zu können. Er wolle kein Porzellan zerschlagen, sagt Markwort, aber da falle ihm die Geschichte mit dem Fuchs ein: Da die Trauben für ihn zu hoch hingen, sagte der Fuchs, die Früchte seien sauer, er wolle sie gar nicht. Tatsächlich habe sich Bauer sehr um die Lizenzverlängerung bemüht.

Für 2003 erwartet Burda mit dem „Playboy“ einen Umsatz im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Ulrike Simon

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben