Medien : „Abos zu Aldi-Preisen“

Hertha-Präsident kritisiert Bundesliga-Sender Arena

Herr Schiphorst, Arena möchte die Live-Rechte der Fußball-Bundesliga an Premiere weitergeben. Sind Sie alarmiert?

Aufs Höchste. Wer die Hintergründe kennt, wird zunächst mal feststellen: Die Gesellschafter von Arena haben sich selbst einen Bärendienst erwiesen. Das ist Munition für die Heuschreckendebatte in Deutschland. Aber auch die Liga droht Schaden zu nehmen. Bei diesem Durcheinander kann der Fan schon die Orientierung verlieren.

Das Bundeskartellamt will in der nächsten Woche über diesen Deal entscheiden. Welchen Beschluss erwarten Sie?

Die Politik des Bundeskartellamtes im Medienbereich ist mir seit vielen Monaten ein Rätsel. Deutsche Investoren werden verschreckt, Private Equity erhält grünes Licht. In diesem Fall hat das Kartellamt offensichtlich den Akzent auf die Trennung von Inhalt und Verbreitung gelegt. In diesem Sinne müsste es dem Vorschlag von Premiere und Arena zustimmen.

Wenn das Kartellamt so entscheidet: Ist das für die Liga, speziell für Hertha BSC, ein Nachteil?

Arena hat die Abonnements zum Schluss zu Aldi-Preisen verhökert. Das bekommt keinem Markenartikel gut. Die Bundesliga ist doch keine Schweinebauchhälfte. Ich frage mich, wie wir zu einem Preisniveau zurückkehren wollen, das der Wertigkeit der Bundesliga im Wettbewerb mit anderen TV-Inhalten entspricht.

Von bisher zwei Pay-Konkurrenten um die Live-Rechte wird nur einer übrig bleiben. Das wird die Preise drücken, oder?

Jetzt meinen Sie die Preise, die die Liga vom Fernsehen verlangt. Das wird in der Tat schwierig. Aber die Medienwelt ist komplizierter und teurer geworden. Wir erwarten uns von der nächsten Ausschreibung der Übertragungsrechte deutlich mehr Geld. Und wenn ich mich in den anderen europäischen Top-Ligen umsehe, dann haben wir allen Grund, höhere Preise zu fordern.

Wie sehr hängt der Hertha-Etat von Fernseheinnahmen ab?

Hertha ist hier in der gleichen Situation wie alle anderen Erstligavereine. Je nach Größe des Budgets betragen die Fernseheinnahmen der Klubs 30 bis 40 Prozent aller Erlöse. Ohne die Medieneinnahmen wäre der heutige Betrieb also nicht finanzierbar.

Und wie sehr hängen die Sponsorengelder von der Fernsehpräsenz des Bundesligisten ab?

Es gibt in der Tat einen inneren Zusammenhang zwischen Fernseh- und Sponsorengeldern. Je mehr TV-Präsenz die Sponsoren haben, desto besser lassen sich Trikot- und Bandenwerbung, VIP-Logen und Fanartikel vermarkten. Das ist eine schwierige Balance zwischen TV- und Werbetöpfen.

Arena zahlt pro Saison 220 Millionen Euro an die Liga. Dafür wurde das Freitagspiel eingeführt, die Bundesliga-„Sportschau“ am Samstag fängt später an, DSF darf am Sonntag erst ab 22 Uhr berichten. Der Eindruck: Die Bundesliga spielt so, wie es dem Fernsehen ins Programm passt.

Das muss ich entschieden verneinen. Wenn wir uns vom Fernsehen die Bedingungen diktieren ließen, verlören wir eines Tages die Kontrolle über unseren Sport. Auf dem Fahrersitz muss die Bundesliga sitzen, aber sie muss natürlich in vielerlei Hinsicht Rücksicht auf die TV-Partner nehmen. Die unverändert rasante Entwicklung des Medienmarktes spielt uns hier in die Hände. Es ergeben sich immer neue Vermarktungsmöglichkeiten, weil die Leute inzwischen auf unterschiedlichen Wegen ihr TV-Programm sehen. Für Kabel und Satellit werden neuartige Programmplattformen gestartet, Internetfernsehen und Handy- TV kommen. Eine komplexe Welt, aber da ist viel Musik drin.

Am Jahresende startet eine neue Vergaberunde für die Bundesligarechte. Bleibt es beim jetzigen Vergabemodell, oder diktiert Premiere künftig die Bedingungen?

Premiere hat seine Situation sicherlich verbessert, und die Zusammenarbeit läuft sehr professionell ab, eine Monopolstellung dürfen wir dennoch nicht zulassen. Das ist eine Aufgabe für die Abteilung Feinmechanik. Eine Herausforderung für das Liga-Management.

Bernd Schiphorst, 64, ist Mitglied im Vorstand der WMP EuroCom AG, Berlin, und Präsident von

Hertha BSC Berlin.

Mit ihm sprach

Joachim Huber.

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