Medien : Abpfiff für das Free-TV

Premiere kauft die Champions League – wo laufen die Spiele deutscher Klubs?

André Görke

Die Nachricht passte gut auf ein DIN-A4- Blatt, das die Münchner am Vormittag aufs Faxgerät legten. „Premiere erwirbt Free-TV und Pay-TV-Rechte an Champions League“, teilte der Bezahlsender in seinem Schreiben kurz und knapp mit. Der Dreijahresvertrag gilt ab Sommer 2006.

Die wichtigste Nachricht erwähnte der Sender nicht. Deutsche Spiele werden im frei empfangbaren Fernsehen dann wohl nicht mehr zu sehen sein. „Der Fußballfan darf sich in Zukunft auf den georgischen Meister freuen“, spotten Konkurrenten.

Es ist nämlich so: Zwar hat sich Premiere verpflichtet, 13 Spiele der Champions League – also eines pro Spieltag – im frei empfangbaren Fernsehen zu zeigen und plant deshalb den Kauf und Aufbau eines Free-TV-Senders. Premiere ist jedoch nicht verpflichtet, dort deutsche Spiele zu zeigen . In Unternehmenskreisen hieß es, dass „kein Ramsch“ angeboten werde, sondern attraktive Spiele europäischer Klubs. Ob Spiele deutscher Klubs im Free-TV übertragen werden, sei „noch nicht entschieden“.

Knapp 70 Millionen Euro zahlt Premiere nach Tagesspiegel-Informationen pro Saison. Das Ausschreibungsverfahren hatte sich zwei Monate hingezogen. Bislang hatte Sat 1 rund 25 Millionen überwiesen und zeigt mittwochs das Spiel der Woche; rund 35 Millionen Euro hatte Premiere bisher für die Pay-TV-Rechte aller Spiele bezahlt. Damit die Münchner ab 2006 exklusiv auf dem Markt agieren und somit die Kundenzahl steigern können, kauften sie nun bei der Uefa den Sat-1-Anteil und legten noch etwa zehn Millionen drauf. „Mit dem neuen Vertrag erreichen wir eine neue Dimension der Fußball-Berichterstattung“, ließ der Vorstandschef von Premiere, Georg Kofler, mitteilen. Auch die Rechte für die Zusammenfassungen nach Abpfiff liegen nun komplett bei Premiere, andere deutsche Sender können diese also auch nicht zeigen.

In sechs Monaten stehe ein Konzept für einen eigenen Free-TV-Sender, berichten Kenner. „Wir planen einen reinen Sportsender.“ Zwar können die Münchner die Übertragungsrechte der 13 Spiele verkaufen, für einen eigenen Sender spricht jedoch, dass das Unternehmen ab 1. September Hans Mahr unter Vertrag genommen hat. Der frühere Informationsdirektor von RTL wird eine Art Sportchef bei Premiere und hat gute Free-TV-Kenntnisse. Durch Einnahmen aus dem Werbegeschäft könnte dieser sich finanzieren.

Börsen-Analysten reagierten zunächst verhalten auf den abgeschlossenen Deal . In Sachen Exklusivität sei er ein großer Vorteil, allerdings entstünden mit dem Kauf und Aufbau eines neuen Free-TVSenders auch relativ hohe Kosten. Kenner rechnen damit, dass Premiere einen Sender kaufen muss, weil nur ein Jahr Zeit bleibt. Immer wieder werden der zu EM.TV gehörende Sender DSF und auch Tele 5 genannt. Ob der Name des aufzukaufenden Senders bleibe und ob das Champions-League-Modell auch Vorbild ist für die Bundesliga, für diese Fragen ist es noch zu früh. Die Verhandlungen über diese Fernsehrechte mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) beginnen Ende September. Premiere will mehr Exklusivität und größeren Abstand zum Free-TV. Es besteht auch die Möglichkeit, dass Premiere die Rechte kauft und sie für den neuen Sender nutzt. Die Aktie des Unternehmens verlor in der Spitze 4,3 Prozent und erholte sich bis zum Handelsschluss.

Der Manager des FC Bayern München, Uli Hoeneß, äußerte sich skeptisch zu dem Rechte-Verkauf. Das bedeute nicht zwangsläufig, dass es „kein Bayern-Spiel mehr im Free-TV geben wird“, sagte Hoeneß der Münchner „tz“. Er sei grundsätzlich kein Freund davon, dass alle Spiele nur im Pay-TV übertragen werden. „Wir werden sehr dafür kämpfen, dass unsere Spiele auch im Free-TV gesendet werden“, kündigte er an. Über die Einnahmen wird er sich dennoch freuen. Durch den neuen Vertrag fließt ähnlich viel Geld in die Kassen wie in Italien und Frankreich. Spitzenreiter ist England mit angeblich 115 Millionen Euro im Jahr.

Sat 1 wird sich komplett zurückziehen von der Champions League. Ein großer Teil der Zuschauer wird künftig ausgeschlossen, hieß es beim Privatsender. „Und die 13 drittklassigen Spiele wollen wir nicht kaufen.“ André Görke

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