Medien : Abschied eines Hoffnungsträgers Florian Illies verlässt die „FAZ“

Ulrike Simon

„Das ist eine der größten persönlichen Niederlagen meines Lebens“, kommentierte „FAZ“-Mitherausgeber Frank Schirrmacher am Mittwoch den Entschluss seines Freundes Florian Illies, die Zeitung zum Jahresende zu verlassen. Illies, seit 1997 im Feuilleton der „FAZ“, war Gründer und Leiter der Ende Juni eingestellten „Berliner Seiten“ und Mitbegründer der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Seit Sommer leitete er das Berlin-Feuilleton der „FAZ“. Vor allem aber war der 31-Jährige für die „FAZ“ ein Hoffnungsträger, der mit seinem Verständnis von modernem Qualitätsjournalismus für die Zukunft und Reformfähigket der „FAZ“ stand. Schirrmacher gibt sich optimistisch, dass es ihm gelingt, Illies eines Tages zurückzuholen. Auch an seinem Reformwillen hält Schirrmacher fest: „Die Leute werden sich über ,FAZ’ und Sonntagszeitung noch wundern. Wir werden uns unterhaken und aus der Krise eine große Chance machen.“

Der Entschluss, die „FAZ“ zu verlassen, sei seiner persönlichen Überzeugung entsprungen, sagte Illies. Den Grund kann man erahnen, wenn er sagt: „Der abgebrochene Berlin-Umzug des Feuilleton wäre für die ,FAZ’ ein sehr wichtiger Schritt gewesen.“ In Berlin, weit weg von der Frankfurter Zentrale, in der das Blatt gemacht wird, hatte Illies zuletzt kaum noch gestalterische Möglichkeiten. Was der Autor von „Generation Golf“ und „Anleitung zum Unschuldigsein“ ab Januar machen wird, weiß er selbst nicht, nur so viel: „Ich möchte wieder kreativer arbeiten.“ Als Autor bleibt er der „FAZ“ erhalten. Das unterstreicht, was Illies über seinen Noch-Arbeitgeber sagt: „Frank Schirrmacher und der ,FAZ’ bin ich sehr dankbar für alles, was ich tun konnte und für die einzigartigen Möglichkeiten, die sie mir geboten haben.“

Illies Nachfolger steht nicht fest, zumal die „FAZ“ vor einer weiteren Entlassungswelle steht. Niklas Maak wird es entgegen vieler Erwartungen nicht. Denn Maak wird zum 1. Januar in Frankfurt Nachfolger des aus Altersgründen ausscheidenden Kunstkritikers Eduard Beaucamp.

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