Abschied : Importeur der Stars

Jobst Plog holte Schmidt und Pilawa ins Erste. Heute geht der NDR-Intendant in den Ruhestand.

Sonja Pohlmann

Als die Eltern von Frank Plasberg das hörten, sollen sie sauer geworden sein. Plasberg mangele es an Starqualitäten, sagte Jobst Plog in einem Interview über ihren Sohn, der „Hart aber fair“ moderiert. Es ging dabei um die Nachfolge von Sabine Christiansen in der sonntäglichen Talkshow. Plasberg war nicht das „Zirkuspferd“, das sich Plog für diesen erfolgreichen Sendeplatz wünschte. Günther Jauch dagegen schon – und fast hätte Plog es geschafft, Deutschlands beliebtesten Moderator vor den ARD-Karren zu spannen. Doch der Deal mit Jauch scheiterte. Weil aber Plog auch von Anne Will viel hält, darf sie seither nicht nur sonntags talken – sondern auch den großen Festakt moderieren, der für Plog heute zu Ehren seines Abschieds als NDR-Intendant im Studio Hamburg veranstaltet wird.

Für den NDR geht mit dem Abgang des 66-Jährigen eine Ära zu Ende. 17 Jahre lang war Plog hier Intendant, insgesamt arbeitete er 30 Jahre beim Sender. Eigentlich wäre sein Vertrag noch ein Jahr gültig gewesen, doch durch sein vorzeitiges Ausscheiden konnten seine Nachfolge und die Besetzung seines Stellvertreters im Gesamtpaket geregelt werden. Auf Plogs Platz sitzt künftig der ehemalige stellvertretende WDR-Intendant Lutz Mamor, stellvertretender NDR-Intendant wird der Landesfunkhaus-Direktor in Hannover, Arno Beyer. Dem neuen Führungsduo hinterlässt Plog aus seiner Sicht ein „gesundes, solide finanziertes Unternehmen“.

Tatsächlich hat der NDR unter seiner Leitung den Wandel von der „Anstalt“ zum Unternehmen erlebt – vor allem bedingt durch den Druck privaten Konkurrenz. „Wir sind gezwungen worden, ein Stück näher an die Menschen zu gehen, an unsere Kunden“, sagte der Jurist einmal. Allerdings findet diese Annäherung für ihn eine Grenze beim guten Geschmack: Gerichtsshows dürften sich die Öffentlich-Rechtlichen nie erlauben, sagt er in einem Interview.

Dass ein Sender Stars braucht, um Quote zu machen, weiß Plog allerdings genau. Und so bewies er ein gutes Gespür in Sachen Personalpolitik, als er merkte, dass Reinhold Beckmann, Jörg Pilawa und Harald Schmidt bereit für einen Wechsel vom Privaten ins Öffentlich-Rechtliche waren und sie zur ARD holte. Alle drei Stars sollen heute bei der großen Abschiedsfeier in Hamburg mit dabei sein.

Wichtigster Laudator wird aber der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sein. Auch Plog ist SPD-Mitglied – doch zu seinen größten Verdiensten gehört es, den NDR mit seinen vier Landesfunkhäusern weitestgehend von parteipolitischem Proporz befreit zu haben. „Jobst Plog hat wie nur wenige die Medienpolitik der letzten zwei Jahrzehnte geprägt. Er hat erfolgreich für die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunk gekämpft“, sagte Schröder dem Tagesspiegel. Zu Plogs weiteren Verdiensten gehört ebenso, Mecklenburg-Vorpommern ins NDR-Sendegebiet einbezogen sowie den Weg für den deutsch-französischen Kulturkanal Arte bereitet zu haben. Plog erhielt dafür den Orden der Französischen Ehrenlegion. Wenn Plog jetzt in den Ruhestand geht, will er mehr Zeit in Frankreich verbringen. Er besitzt dort ein Haus – vielleicht kontrolliert er von dort ab und an auch, wie es um Plasbergs Starqualitäten steht. Sonja Pohlmann

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