Abschied : „Nachtstudio“ geschlossen...

....das "Philosophische Quartett" geht. Wie das ZDF sein Programm modernisieren will.

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Der neue ZDF-Intendant Thomas Bellut will das Senderpublikum verjüngen. Nicht im Hauruckverfahren, sondern im Prozess: In spätestens drei Jahren soll der Altersdurchschnitt des ZDF-Zuschauers von aktuell 61 Jahren sinken. Die evolutionäre Publikumsverjüngung wollen der 57-jährige Intendant und sein neuer Programmdirektor, der 41-jährige Norbert Himmler, zuerst mit einer Modernisierung des Programms erreichen. Schön, wenn sich das auf schonende, friedliche Weise bewerkstelligen lässt.

Das „Nachtstudio“ am Sonntag im zweiten Programm könnte ein Vorbild sein. Das Format jenes Fernsehens, bei dem die Zuschauer die Gäste beim Verfertigen von Gedanken beobachten können, geht Mitte des Jahres ins Finale. Moderator und Matador Volker Panzer wird im Mai 65 und scheidet dann aus dem ZDF aus; im Juni, spätestens im Juli, so ist aus dem ZDF zu hören, wird das „Nachtstudio“ geschlossen. Eine Fortsetzung sei nicht geplant.

Bereits am 13. Mai beendet der Sender das „Philosophische Quartett“ mit Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski, dafür kommt Philosophen-Publizist Richard David Precht. Er soll im Herbst 2012 starten, wahrscheinlich wird er nicht am Sonntag zum Gespräch laden. Das Finale für „Nachtstudio“ und „Quartett“ wird dem Zweiten die Chance eröffnen, den späten Sonntagabend neu zu konfigurieren, möglicherweise wird der erfolgreiche 22-UhrKrimi nach Mitternacht wiederholt.

Wenn Volker Panzer geht, geht der Gründer des „Nachtstudios“. Vor 15 Jahren ins Programm gehoben und bis 1999 am Mittwoch gesendet, kommt das Format auf knapp 500 Ausgaben, rund 2000 Schlauköpfe hat Panzer ums virtuelle Kaminfeuer versammelt. Trotz des späten Termins am Sonntag nach Mitternacht wollten zwischen 350 000 und einer halben Million Zuschauer den thematisch weitgespannten Gesprächen zwischen Antisemitismus und zelebraler Demenz zuhören und zusehen. Joachim Huber

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