Medien : Abschied von „Mama General“

Ein Dokumentarfilm in 3sat über eine elfköpfige Arbeiterfamilie aus Köln und ihre todkranke Mutter

Thomas Gehringer

Karolina Bronnmann wurde von ihren Liebsten „Mama General“ genannt, und so verabschiedete sich die Familie auch in der Todesanzeige von ihrer Mutter. Am Ende hatte der Krebs die todkranke Frau ausgezehrt, was umso tragischer wirkt, da ihr Mann Hans und die meisten Kinder unter den Fittichen von „Mama General“ eine beachtliche Körperfülle erlangt haben.

Neun Kinder hat sie auf die Welt gebracht. Das gilt hierzulande nicht als Reichtum, und auch sonst ist die Kölner Arbeiterfamilie Bronnmann gewiss nicht wohlhabend. Die Träume von einem eigenen Häuschen, von einem Bauernhof gar, aus all dem ist nichts geworden. Noch immer leben die Bronnmanns in der 115 Quadratmeter großen Wohnung, die sie in den siebziger Jahren bezogen haben; nun nur noch zu dritt.

Seit fast 30 Jahren wird die Familie von den Dokumentarfilmern Peter Heller und Sylvie Banuls mit der Kamera begleitet. „Mutterjahre“, ihr vierter Film über die Bronnmanns, erzählt von den letzten Jahren mit der krebskranken Mutter. Es ist ein eindringlicher und trauriger, aber kein deprimierender Film. Deutlich wird die innere Kraft dieser Großfamilie, ihr Zusammengehörigkeitsgefühl, aber auch die eingeschränkten sozialen Perspektiven für Menschen am Rand der Gesellschaft. Es geht hier nicht so lustig zu wie bei den Fussbroichs, einer anderen Kölner Fernseh-Arbeiterfamilie. Aber hier verstellt auch keine Prominenz der Protagonisten die Sicht auf die Realität.

In Rückblenden lernen wir die Familie Bronnmann der Jahre 1976, 1986 und 1999 kennen. Zugleich ist der Film wegen der über die Jahre gewachsenen Nähe zwischen Autoren und Protagonisten von ungewöhnlicher Offenheit geprägt. Es wird geweint und getrauert, ohne dass dies zudringlich wirken würde. Heller und Banuls begegnen den Bronnmanns mit Sympathie, aber nicht unkritisch. Die neun Kinder sind mittlerweile erwachsen, dennoch haben zwei Söhne den Absprung von zu Hause nicht geschafft. Falsche Romantik vom Leben der Arbeiterklasse kommt hier nicht auf, auch wenn dieser Dokumentarfilm der Lebensleistung einer einfachen Hausfrau aus der Unterschicht ein kleines Denkmal setzt.

„Mutterjahre“, Sonntag, 3sat, 21 Uhr 15

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