Medien : Absolute Unikate

Kochshows sind Quotenbringer im TV. Jetzt lässt RTL II die „Kochprofis“ wieder deutsche Restaurants retten. Warum ein Ziegenbart dabei nicht fehlen darf.

Bernd Matthies

Was immer mit den Quoten passiert: Kochen läuft, Lebenshilfe läuft. Also sind lebenshelfende Köche eine sichere Sache, und deshalb haben die Verantwortlichen bei RTL II auch nicht lange überlegt, was zu tun sei, als die vier „Kochprofis“ nach einem undurchsichtigen Streit den Kochlöffel hinwarfen: Schon sind sie da, die Neuen. Frank Oehler, Mike Süsser und Andreas Schweiger versuchen, die notleidende „Alraune“ in Clausthal-Zellerfeld zu retten – das ist die erste von zunächst acht neuen Folgen der neuen Kochprofis am 31. August. Alternierend ist auch noch Oliver Mik dabei.

Das Neue ist, dass alles beim"Frank Oehler" Alten bleibt. Die Köche sind echt und können kochen, das haben sie bewiesen. Oehler (45), der bekannteste, hat schon mehrere Michelin-Sterne erkämpft und ist gegenwärtig dabei, die ehrwürdige Stuttgarter „Speisemeisterei“ wiederzubeleben; sein Rollenprofil ist „der knallharte Vollprofi“. Schweiger (33), „der smarte Künstler“, führt seit 2006 nach langen Wanderjahren ein eigenes Restaurant in München, Süsser (38), „der Taktiker mit Herz“, betreibt mehrere Kochstudios, und Mik (34), „die schnelle Spürnase“, war Küchenchef im Bochumer Polizeipräsidium und hat bereits Erfahrungen als telegener Restaurantretter. Um die vier Neuen zu finden, hat RTL II das nach eigenen Angaben „aufwändigste Casting für TV-Köche in der Geschichte des deutschen Fernsehens“ abgehalten. Gesucht wurden „absolute Unikate, tolle Köche und einzigartige Charaktere“.

Pro Monat bewerben sich etwa 70 bis 80 Betriebe darum, von RTL II gerettet zu werden, sagt Jasmin Cilesiz, die Redaktionsleiterin der Produktionsfirma Janus TV. Sie schätzt, dass davon etwa zehn in die engere Wahl kommen; alle anderen seien grundsätzlich intakt und nur daran interessiert, zusätzliche Reklame abzusahnen – oder bereits so am Ende, dass der Einsatz der Kochprofis sinnlos sei. Frank Oehler, einer der dienstältesten Ziegenbartträger der deutschen Kochbranche, ergänzt: Ihm mache es vor allem Spaß, notleidenden Kollegen zu helfen, eine Karriere als TV-Koch ohne Bodenstation strebe er nicht an. Dennoch muss er in Kauf nehmen, dass sein Restaurant zeitweise ganz ohne ihn läuft: „Ich habe drei Küchenchefs, das muss dann schon mal gehen“.

Die alten Kochprofis Ralf Zacherl, Stefan Marquard, Mario Kotaska und Martin Baudrexel, die demnächst – ohne Marquard – als „Die Küchenchefs“ bei Vox weitermachen, sind für RTL II insgesamt 93 Mal tätig geworden. Wie viele Betriebe sie damit dauerhaft gerettet haben, ist nicht bekannt, denn eine Statistik darüber führt der Sender nicht. Frank Oehler, der in allen acht neuen Folgen dabei ist, schätzt, dass etwa ein Drittel nach Hilfe der Kochprofis erfolgreich weiterarbeiten kann. Bernd Matthies

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