Medien : Abwarten und Bücher lesen

Letztes, vorletztes „Quartett“? Es liegt an Reich-Ranicki

Joachim Huber

Das allerletzte Wort ist noch nicht gesprochen. Die Ankündigung von Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki in der „Bild am Sonntag“, dass die Sonderausgabe des „Literarischen Quartetts“ am 11. August im ZDF zu Bertolt Brecht das Finale gewesen sei, nimmt Werner von Bergen, Redakteur der ZDF-Sendung, nicht seinen Optimismus, was die Fortsetzung angeht: „In der Brecht-Sendung hat Marcel Reich-Ranicki gesagt, dies sollte vorläufig das letzte Quartett gewesen sein.“

Das „Literarische Quartett“ wird seit 1988 gesendet, „und es ist Zeit, damit Schluss zu machen“, sagte der Literaturkritiker der „Bild am Sonntag“. Auch habe er in letzter Zeit sehr viel gearbeitet: „Es reicht allmählich. Jetzt muss ich mich etwas ausruhen. Denn ich bin ja keine 80 Jahre mehr alt.“ Der 86-Jährige hatte erst im Frühjahr seinen Kanon der deutschen Literatur mit einem Band mit Essays abgeschlossen. Ein Gesprächsbuch „Aus persönlicher Sicht“ ist am Montag in den Handel gekommen.

Werner von Bergen sagte dem Tagesspiegel, es liege an Marcel Reich-Ranicki allein, ob es noch weitere Sonderausgaben des „Literarischen Quartetts“ zum 50. Todestag geben werde: „Der große Respekt vor ihm macht es unmöglich, dass wir von ihm weitere Sendungen verlangen. Marcel Reich-Ranicki ist aber immer herzlich eingeladen, für das ZDF weiterhin zu arbeiten und als Inspirator für Literatur in unserem Programm zu wirken.“ Klar sei, dass „ein ,Literarisches Quartett‘ ohne Beteiligung von Marcel Reich-Ranicki nicht denkbar ist.“

Nach dem Ende der regelmäßigen Ausgaben des „Quartetts“ 2001 hatte das ZDF im vergangenen und in diesem Jahr Sonderausgaben über Friedrich Schiller, Thomas Mann, Heinrich Heine und Bertolt Brecht gesendet. Werner von Bergen sieht 2006 und 2007 keine runden Geburts- oder Todestage großer Dichter und Schriftsteller. Auch nicht den 80. Geburtstag von Günter Grass oder den 175. Todestag von Johann Wolfgang von Goethe? Zu Grass sagt der ZDF-Redakteur nichts, bei Goethe verweist er auf das „Extra“-Quartett“ zu Goethes 250. Geburtstag im Jahr 1999. Außerdem: Mit „Lesen!“ von und mit Elke Heidenreich habe das reguläre „Quartett“ längst seinen würdigen Nachfolger gefunden.

Marcel Reich-Ranicki, der Literaturpapst, bleibt dem ZDF lieb und teuer. Für den 13. Oktober ist die filmische Biografie „Ich, Reich-Ranicki“ von Lutz Hachmeister und Gert Scobel angekündigt. 90 Minuten lang.

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