Medien : Achtung Werbung!: Der Lachs ist ab

Reinhard Siemes

Auf einer doppelseitigen Anzeige im "Spiegel" fährt ein Mensch mit einem Fahrrad durch eine öde Strauchlandschaft. Ein Angler vermutlich, denn er hat einen ausgenommenen Lachs auf den Gepäckträger geklemmt. Dazu steht der Text: "Sie besitzen eine erfolgreiche Firma, eine tolles Aktiendepot, prima Bauland und ein dickes Erbe. Was Ihnen jetzt noch fehlt, ist jemand, der das Ausmaß der Probleme versteht, mit denen Sie sich herumschlagen müssen. Privat Banking."

Das Ganze ist eine Anzeige der HypoVereinsbank und läuft offenbar unter der Rubrik Galgenhumor. Auch der Slogan "Leben Sie. Wir kümmern uns um die Details" entbehrt nicht einer gewissen Situationskomik. Winziges Problem: Leben tun wir alle. Nur nicht im fernen Amsterdam, wo die Anzeige entstanden ist (Agentur: Wieden & Kennedy). Sondern in Deutschland oder gar Berlin.

Hier wird der Witz allenfalls von Thomas Haffa oder Peter Kabel verstanden. Von Leuten also, die anderen Leuten mit viel Raffinesse Aktien von Seifenblasen-Firmen verkauft haben. Die Blasen sind zwar geplatzt. Aber die beiden haben genug Seife für sich übrig behalten. Auch Herr Landowsky kann sich vermutlich über die Anzeige schepp lachen. Herr Kirch sowieso. Sie haben am EM.TV-Niedergang schließlich am besten Verdient.

Nur dem normalen HypoVereinsbank-Kunden bleibt der Lacher irgendwo stecken. Sein Private-Banking-Spezialist sitzt nicht mehr um die Ecke oder zumindest im gleichen Stadtviertel. Sondern in einem Call-Center. Er ist auch nicht mehr ausgebildeter Bankkaufmann oder Anlageberater. Sondern Telefonist mit PC-Kenntnissen. Im Glücksfall Telefonistin. Vielleicht hat die Dame ein Rezept für den Lachs. Das wäre doch auch eine Art Service.

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